Fußballfan wegen Schlägerei bei BVB-Spiel vor Gericht - dabei war er 500 Kilometer entfernt

hzBVB gegen Hertha

Fußballfans werfen Dortmunder Ermittlern Versagen vor - laut Polizei ist der Angeklagte aber selbst schuld: eine merkwürdige Posse um den Einsatz beim Skandalspiel gegen Hertha BSC.

Dortmund

, 31.01.2020, 06:20 Uhr / Lesedauer: 2 min

Für viele Diskussionen hat im Oktober 2018 ein Polizeieinsatz im Stadion gesorgt. Während eines BVB-Spiels kam es zu wüsten Schlägereien rund um den Gästeblock der Fans von Hertha BSC aus Berlin.

Nachdem Fans dort Pyrotechnik gezündet hatten, marschierte die Polizei vor dem Block auf, um ein großes Banner einzukassieren. Bei einer heftigen Schlägerei wurden Fahnenstangen und Tränengas eingesetzt. In der Halbzeitpause haben Vermummte Toilettenanlagen zerstört und Polizisten angegriffen. Mehr als 40 Personen wurden verletzt.

Vorwurf: „Neue Dimension von fehlerhafter Polizeiarbeit“

15 Monate nach den Tumulten schreibt die Berliner Fanhilfe jetzt von „einer neuen Dimension von fehlerhafter Polizeiarbeit“. Der Text handelt von einem Fan des Karlsruher SC, der wegen des Hertha-Spiels in Dortmund angeklagt wurde. Er war verdächtigt, einem Stadion-Ordner gegen den Oberkörper getreten zu haben. KSC und Hertha pflegen eine offizielle Fan-Freundschaft.

„Anhand von Bildern des besagten Tages und durch Zeugenaussagen wurde belegt, dass der Angeklagte zeitgleich das Auswärtsspiel des KSC in Unterhaching besuchte“, schreibt die Fanhilfe. Der Münchener Vorort liegt 485 Kilometer von Dortmund entfernt.

Die Fanvertreter äußern deutliches Unverständnis, wie es zu so einer Verwechslung kommen konnte. Der 25-Jährige aus Pforzheim habe persönlich vor Gericht erscheinen müssen und bekomme Fahrtkosten erstattet. „Bei der utopischen Größe des Beschuldigtenkreises gehen wir fest davon aus, dass dies nicht der letzte Freispruch gewesen sein wird“, so die Fanhilfe.

Die Dortmunder Polizei weist dabei jede Schuld von sich. „Der Beschuldigte hatte zu einem sehr frühen Zeitpunkt die Chance, die Vorwürfe auszuräumen“, sagt Polizeidirektor Edzard Freyhoff auf Anfrage: „Wenn er seinen Rechtsanspruch wahrgenommen und an der Aufklärung mitgewirkt hätte.“

Berliner Ermittler haben die Bilder gesichtet

Diese Chance habe der KSC-Fan aber nicht genutzt. Die Polizei hatte ihn schriftlich mit den Vorwürfen konfrontiert, daraufhin habe er inklusive Unterschrift erklärt, sich nicht äußern zu wollen. Zu der Verwechslung heißt es von den Ermittlern: „Der Kriminalpolizei lagen zwei Fotos mit hoher Ähnlichkeit vor.“

Die am Spieltag entstandenen Videoaufnahmen waren ans LKA Berlin übermittelt worden, erklärt Gerichtssprecher Jan Schwengers. Szenekundige Beamte haben die Aufnahmen dort mit ihnen bekannten Personen abgeglichen und meinten, den Pforzheimer zu erkennen.

Im September hat die Polizei Dortmund mitgeteilt, dass die Hälfte von insgesamt 138 Verdächtigen namentlich identifiziert sei. Auf aktuelle Anfrage heißt es, „ein großer Teil der aktuell 200 Ermittlungsverfahren“ sei noch nicht abgeschlossen.

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