„Schlägereien gehören für uns zum Alltag“: Gewalt in Dortmunds Freibädern nimmt zu

hzÄrger mit Freibad-Gästen

In mehreren Freibädern der Region gab es zuletzt Schlägereien und Attacken. Auch in Dortmunds Freibädern kommt es immer häufiger zu Gewalt. Für einen Betreiber gehört sie bereits zum Alltag.

Dortmund

, 28.06.2019 / Lesedauer: 3 min

Michael Dominik kommt gar nicht mehr aus dem Schimpfen heraus. „Das Verhalten von einigen unserer Gäste ist nicht mehr tolerabel“, sagt der Geschäftsführer der Sportwelt Dortmund, die vier der sechs Freibäder in der Stadt betreibt. „Sie sind aggressiv, respektlos, denken, dass sie sich alles erlauben können, nur weil sie Eintritt gezahlt haben.“

Es hat sich offensichtlich einiges aufgestaut bei Dominik, als ihn unsere Redaktion am Donnerstag anruft, um ihn zu fragen, ob die Gewalt in Dortmunds Freibädern zugenommen hat. Die Frage kommt nicht von ungefähr: Gleich drei Fälle aus anderen Städten haben in den vergangenen Tagen medial Wellen geschlagen.

Dortmunder Freibad-Geschäftsführer: Es ist schlimmer geworden

Solche drastischen Fälle gab es in den Freibädern der Sportwelt Dortmund zwar noch nicht, meint Dominik, er sagt aber auch: „Schlägereien gehören für uns zum Alltag.“ Und: Die Gewalttätigkeit nehme seit bestimmt zehn, fünfzehn Jahren zu.

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Für Dominik ist das nur ein Symptom eines größeren Problems: „Wir erleben eine Verrohung der Gesellschaft.“ Das sehe man ja auch an den gestiegenen Angriffen auf Notfallsanitäter oder Feuerwehrleute. In „seinen“ Freibädern sei es bisher bei kleineren Pöbeleien gegenüber dem Personal geblieben. Seine Mitarbeiter bekämen aber durchaus schon einmal ein „Halt die Fresse, Bademeister!“ zu hören, garniert mit einem Schubser.

Auch untereinander gehen manche Freibadgäste wenig zimperlich um. Erst am Sonntag löste eine Schlägerei vor dem Freibad Hardenberg in Deusen einen Polizeieinsatz mit einem Dutzend Streifenwagen aus – ob dies nur ein Einzelfall war und wie sich die Einsatzzahlen in und um Freibäder entwickelt haben, konnte die Polizei Dortmund am Donnerstag nicht sagen.

Sportwelt sucht Sicherheitsdienst, Revierpark und Stockheide haben ihn schon länger

Sportwelt-Geschäftsführer Dominik will sich nun verstärkt um die Sicherheit in den Freibädern kümmern: „Wir werden versuchen, unsere Bäder schon an diesem Wochenende mit einem Sicherheitsdienst auszustatten.“ Auch in Zukunft sollen an Tagen, an denen abzusehen ist, dass viele Besucher kommen werden, regelmäßig Sicherheitsdienst-Mitarbeiter in den Sportwelt-Freibädern unterwegs sein.

Im Revierpark Wischlingen und im Freibad Stockheide am Hoeschpark, das von der Stadt betrieben wird, ist dieses Vorgehen schon länger gelebte Praxis. „Seit rund fünf Jahren setzen wir an besucherstarken Tagen zwei Sicherheitsdienst-Mitarbeiter im Bad ein“, sagt Bernd Kruse, Geschäftsführer des Revierparks.

Auch Kruse spricht davon, dass die Respektlosigkeit gegenüber seinen Mitarbeitern größer geworden sei. Von Schlägereien und Angriffen auf Personal sei das Revierbad aber bisher verschont geblieben. Genau wie die Stockheide, wo es in der vergangenen Saison „den einen oder anderen Ärger mit Badegästen durch Alkoholkonsum, laute Musik oder Pöbeleien“ gegeben habe, so André Knoche, Direktor der Sport- und Freizeitbetriebe. Da habe teilweise auch der Sicherheitsdienst eingreifen müssen.

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