Schlampige Ermittlungen im Mordfall Schalla: Kommt die Wende im Prozess?

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Riesen-Überraschung im Prozess um den Mord an der Schülerin Nicole-Denise Schalla: Die Ermittlungsbehörden haben offenbar über Jahre viele Spuren nicht ausgewertet.

Dortmund

, 04.12.2019, 17:25 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit fast genau einem Jahr wird vor dem Dortmunder Schwurgericht gegen Ralf H. aus Castrop-Rauxel verhandelt. Der vorbestrafte Gewalttäter wird von einer DNA-Spur schwer belastet. An einem unbekleideten Teil der Leiche der im Herbst 1993 erwürgten Nicole-Denise Schalla aus dem Dortmunder Jungferntal war eine Hautschuppe gefunden worden, die mit großer Wahrscheinlichkeit von ihm stammt.

Angeklagter bestreitet die Tat

Ralf H. wird jedoch nicht müde zu betonen, dass er mit dem Mord nichts zu tun hat. Mehr als einmal hat er das Gericht frontal angegriffen über Willkür und Voreingenommenheit geschimpft und die Verhandlung als „Farce“ bezeichnet. Am Mittwoch nahm er dieses Wort erneut in den Mund.

Tatsache ist, dass am Tatort damals noch weitere Spuren gesichert worden waren. Doch zwei blonde Haare, die nicht mehr auf DNA untersucht werden konnten, sind bereits vor Jahren vernichtet worden. Bis jetzt glaubten alle Beteiligten, damit seien weitere Beweismittel nicht mehr vorhanden. Doch sie hatten sich getäuscht.

Neue Untersuchungen angeordnet

Am Mittwoch gab der Vorsitzende Richter Peter Windgätter bekannt, dass der Kammer bei nochmaligem Studium der Ermittlungsakte eine Liste von 18 Spuren aufgefallen sei. Die stammt aus dem Jahr 2007 und zählt 18 Haare auf, die auf Klebefolien vom toten Körper der Schülerin genommen worden waren. Offenbar seien diese Haare niemals untersucht worden, sagte Windgätter. „Warum, wissen wir auch nicht. Klar ist, dass wir auch nicht glücklich mit dieser Situation sind.“

Weil die Haare tatsächlich noch vorhanden sind, soll nun nachgeholt werden, was eigentlich spätestens im Jahr 2007 hätte getan werden müssen. Die Spuren werden nach Münster geschickt und dort auf DNA untersucht. „Dubios“ nannte Verteidiger Christian Dreier diesen Fund. Und Ralf H. schimpfte: „Das ist doch wirklich eine Farce. Ich sitze seit anderthalb Jahren in Untersuchungshaft und jetzt wird plötzlich wieder ermittelt.“

Ergebnis der DNA-Untersuchung wird mit Spannung erwartet

Das Ergebnis der Untersuchungen wird nun natürlich mit Spannung erwartet. Denn natürlich ist es möglich, dass jetzt ein weiterer Mann ermittelt wird, der dann als Täter infrage käme. Nicht ausgeschlossen ist aber auch, dass eines der Haare von Ralf H. stammt. Dann hätte sich der Verdacht gegen den Castrop-Rauxeler erhärtet.

Speichelproben im Gerichtssaal

Für mögliche Vergleichsanalysen wurde die Mutter von Nicole-Denise Schalla am Mittwoch gebeten, im Gerichtssaal eine Speichelprobe abzugeben. Auch Ralf H. erklärte sich dazu bereit. Allerdings erst, nachdem Verteidiger Christian Dreier mehr als eine halbe Stunde lang mit ihm diskutiert hatte.

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