Schlange stehen ohne Atemschutz: Corona-Verdachtsfall beklagt Zustände im Gesundheitsamt

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Ein Dortmunder mit Verdacht auf das Coronavirus kritisiert das Gesundheitsamt. Vor der Teststelle habe sich eine Schlange gebildet – voller potenziell Erkrankter ohne Atemschutz.

Dortmund

, 11.03.2020, 16:18 Uhr / Lesedauer: 2 min

Zuallererst das Wichtigste: Daniel Brückner (Name geändert) geht es gut. Das ist nicht selbstverständlich. Seit Samstag lebte der 29-jährige Dortmunder mit dem unguten Gefühl, vielleicht am Coronavirus erkrankt zu sein. Da meldete sich ein Verwandter bei ihm: Er sei infiziert, eröffnete er Brückner am Telefon.

Noch am vergangenen Dienstag hatte sich die ganze Familie beim Verwandten getroffen, um einen Kindergeburtstag zu feiern. Da hatte dieser bereits das Coronavirus in sich, ohne es zu wissen: Der Verwandte hatte sich bei einem Trip kurz zuvor nach Hamburg angesteckt, wo er in der gleichen Unterkunft abstiegen war wie ein Erkrankter. Donnerstag kam der Anruf von den Hamburger Behörden, Samstag die Testergebnisse.

Die Nachricht bedeutete für Brückner: sofortige Quarantäne in den eigenen vier Wänden. Er ist nun ein Verdachtsfall. Am Sonntag meldete sich dann das Dortmunder Gesundheitsamt beim Dortmunder. Er solle am Montag um 10 Uhr zum Gesundheitsamt in die City kommen, um sich auf das Coronavirus testen zu lassen.

Brückner glaubte zu wissen, was ihn erwartet: individuelle Termine, Einzelbetreuung samt Abholung aus dem Auto, gewissenhaftes Hinter-einem-Her-Desinfizieren – so hatte Brückners Verwandter vom Besuch bei der Teststelle in seiner Heimatstadt berichtet.

Lange Schlange im Treppenhaus

Doch als Brückner mit seinen Eltern und anderen Familienangehörigen um kurz vor 10 Uhr am Gesundheitsamt am Hohen Wall ankam, fand er eine andere Situation vor: Im Treppenhaus, das zur Teststelle im ersten Stock führte, hatte sich eine lange Schlange an Menschen gebildet, die alle im Verdacht standen, sich mit dem Coronavirus infiziert zu haben – ohne Mundschutz, ohne vorherige Desinfektion.

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„Die standen eng an eng hintereinander und haben sich in den Nacken geatmet“, berichtet Brückner. Er blieb mit seiner Familie lieber draußen und wartete, bis sich die Schlange auflöste. „Wenn man das Virus vorher nicht hatte und nur einer von den anderen es hat, hat man’s danach auch“, glaubt er.

Erst als sich die Schlange nach 45 Minuten aufgelöst hatte, sei er mit seiner Familie rein gegangen. Im ersten Stock vor der Teststelle bekamen sie an einer Schleuse bestehend aus zwei Türen einen Mundschutz, dazu wurden ihre Hände desinfiziert.

Der Test an sich ging schnell: Nach einer guten Viertelstunde wurde Brückner aus dem Wartezimmer in einen Warteraum gebracht, wo ihm ein Wattestäbchen in Mund und Nasenlöcher gesteckt wurde, zur Entnahme eines Abstrichs fürs Labor. Danach durften er und seine Familienmitglieder wieder nach Hause, in Quarantäne.

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Am Dienstagabend kam schließlich die erlösende Nachricht aus dem Labor: Sowohl er als auch seine Familie sind Coronavirus-frei. Ein ungutes Gefühl bleibt jedoch bei ihm nach den Erlebnissen vor der Teststelle: „Man macht sich schon Sorgen, vor allem um die anderen.“

Gesundheitsamt räumt Probleme am Montag ein

Gesundheitsamtsleiter Dr. Thomas Renken räumt ein, dass es am Montag zwischenzeitlich Probleme gab, weil der Andrang nach dem Wochenende überraschend groß war. Insgesamt seien 79 Abstriche vorgenommen worden.

Inzwischen habe man das System angepasst, sodass nun wieder alles in geordneten Bahnen verläuft. Das heißt: Die Patienten kommen über einen Nebeneingang ins Gesundheitsamt.

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