Schlechte Anschlüsse am Bahnhof Mengede: Ein Verkehrsplaner spricht

hzBus und Bahn

Der Nahverkehr im Raum Mengede ist kompliziert – und manchmal ein Ärgernis. Wer umsteigen muss, sieht oft nur die Rücklichter des Busses, den er braucht. Wartezeit: 40 Minuten. Bleibt das so?

Mengede, Groppenbruch

, 28.01.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ewald Stöckel lebt in der Mengeder Heide, weit draußen am Stadtrand. Darum schätzt er die Anbindung von Mengeder Heide und Groppenbruch mit der Buslinie 474. Die fährt vom Mengeder Bahnhof nach Lünen-Brambauer. Viele Mengeder wollen dort zum Krankenhaus.

Wenn Ewald Stöckel mit der S-Bahn von Dortmund am Mengeder Bahnhof ankommt, sieht er gerade noch die Rücklichter der abfahrenden Linie 474.

Werktags ist das zwischen 6 Uhr und 19 Uhr einmal in der Stunde der Fall. Um .33 kommt die S-Bahn an, um .35 fährt der Bus. Die zwei Minuten reichen nicht für den Weg vom S-Bahnsteig zur Bushaltestelle. „Wenn der Bus zehn Minuten später fahren würde, wäre Zeit genug für den Umstieg“, schlägt Stöckel vor.

Vielfahrer im Ruhestand denkt an Berufstätige

Das hätte zudem den Vorteil, dass Fahrgäste der neuen Regionalbahn 32 ebenfalls direkt den Bus nehmen könnten. Seit Dezember verdichtet die RB32 die direkte Verbindung zum Hauptbahnhof. Ankunft: immer um .39.

„Die Vestische schafft das doch auch“, sagt der Rentner. „Der Schnellbus 24 fährt immer um .47.“ Ewald Stöckel denkt nicht an sich allein. Er bezeichnet sich selbst als „Vielfahrer von Bus und Bahn“. Vor allem aber mache er sich „für die Berufstätigen stark“.

Er sei zwar im Kundenforum der Dortmunder Stadtwerke, aber: „Als Normalbürger kommt man an die Entscheidungsträger nicht heran.“ In seinem Ärger hat sich Ewald Stöckel mit seinem Vorschlag an diese Redaktion gewandt. „Die Fahrpläne der Buslinien 470 und 471 wurden doch auch an die neuen S-Bahn-Fahrzeiten angepasst.“

Jede Fahrplanänderung hat Auswirkungen auf andere Linien

Also: Wie ist das mit einer Verschiebung der Abfahrtzeit von .35 auf .45? Geht das so einfach? Nein, so einfach nicht, erklärt Nils Kappel im Gespräch mit der Redaktion. „Wenn wir etwas am Fahrplan der Linie 474 machen, ist das gleich ein Paket.“ Der Verkehrsplaner für den Linienbusverkehr bei DSW21 verweist auf andere Anschlüsse.

Schlechte Anschlüsse am Bahnhof Mengede: Ein Verkehrsplaner spricht

Nils Kappel ist Verkehrsplaner bei DSW21. Er tüftelt über die besten Anschlüsse der einzelnen Buslinien. © Uwe von Schirp

Einmal in der Stunde fährt die Linie nur zur Haltestelle Im Siesack in Groppenbruch und zurück. In diesem Fall führt die 474 vom Mengeder Bahnhof dann weiter als Linie 473 nach Eving. Änderungen am Fahrplan der Linie 474 haben also Auswirkungen auf die Linie 473 und deren Anschlüsse.

„Die Linie 474 ist auch auf die U41 in Brambauer abgestimmt“, erklärt Kappel. „Bei einer Verschiebung um zehn Minuten läge der Anschluss dann genau fünf Minuten hinter der U41.“ Und die fährt nur alle 20 Minuten von Brambauer nach Hörde.

DSW überdenkt das gesamte Linienkonzept

Zwar erklärt DSW-Pressesprecherin Britta Heydenblut, dass die meisten Fahrgäste die Linie 474 im Bereich Mengeder Heide nutzen. „Der stündliche Ast nach Brambauer ist von der Auslastung deutlich schwächer.“ Das aber solle sich ändern, erklärt Nils Kappel. „Die Stadt möchte, dass sich die Verknüpfungen von Brambauer an den Regionalexpress und die Regionalbahn in Mengede verbessern – auch in Richtung Gelsenkirchen.“

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Darum denken die DSW-Verkehrsplaner für den Mengeder Raum über eine Optimierung des gesamten Linienkonzeptes nach. Die aktuellen Anpassungen am Fahrplan der Linie 471 seien nur eine kurzfristige Lösung aufgrund der neuen Taktung der S-Bahn gewesen, erklärt Kappel.

Acht Umstiege am Bahnhof Mengede

Zu einem der nächsten Fahrplanwechsel werden sich womöglich also eine Reihe weiterer Verbesserungen ergeben. Denkbar sei etwa, so Kappel, dass der 474er-Bus in einem exakten 30-Minuten-Takt fahre. Derzeit fährt er im Abstand von 20 oder 40 Minuten.

Britta Heydenblut verweist darauf, dass am Mengeder Bahnhof Anschlüsse sowohl in Richtung Dortmund als auch in Richtung Castrop-Rauxel berücksichtigt werden müssen. „Wir haben beim Umstieg 474/S2/RE3 in beide Richtungen zusammen schon acht Umstiege, die möglichst optimal sein sollten, die Verstärker-Fahrten der S-Bahn nicht mitgerechnet.“

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