Schönheitskur per Gesetz

Immobilieneigentümer und Gewerbetreibende sollen zur Kasse gebeten werden

16.05.2007 / Lesedauer: 3 min

Die Landesregierung plant ein Gesetz zu Immobilien- und Standortgemeinschaften (ISG). Künftig sollen demnach Immobilieneigentümer und Gewerbetreibende eines bestimmten Bereichs verpflichtet werden können, eine Abgabe für Verschönerungsvorhaben zu zahlen. Lehnen 25% der Eigentümer die Maßnahme ab, ist das Vorhaben vom Tisch. Nehmen wir die Brückstraße. Da gibt es Immobilieneigentümer wie Reinhard Menne, der dort ganze Straßenzüge ? als Beispiel sei die Stubengasse genannt ? saniert hat. Bei anderen wie dem Münchener Dr. Josef Pultuskier ist hingegen das Engagement durchaus ? sagen wir mal ? ausbaufähig. Dennoch ist Reinhard Menne äußerst skeptisch, ob ein Gesetz Herrn Pultuskier zwingen könne, ?seine vergammelten Buden zu sanieren?. Menne setzt eher auf das eigene gute Beispiel, das von anderen nachgeahmt wird. Das Engagement per Gesetz vorzuschreiben, ?führt zu mehr Bürokratie und Prozessen?, ist der Architekt überzeugt. Pultuskier-Verwalter Stefan Niederwörmann von der Terrania AG steht jeder ISG erst einmal positiv gegenüber. Auch in der Brückstraße habe Terrania sich dem Quartiersverein angeschlossen. Die Eigentümer zu verpflichten, in ihre Immobilien zu investieren, ist für ihn aber ?der verkehrte Weg?. Man schreibe auch einem Einzelhändler nicht vor, ?was er zu verkaufen hat?. Wenn die ISG per Gesetz geregelt werden, findet das City-Ring-Chefin Monika Block zwar gut, aber dennoch schade, ?dass es nicht in Eigeninitiative funktioniert?. Die Trittbrettfahrer, die von den Aktionen des City-Rings profitierten, sich aber nicht finanziell daran beteiligten, ?tun uns schon seit Jahren weh?. Eine ISG gibt es bereits: die ISG Rosenviertel. Die ersten Rosen sind aus der Vereinskasse gepflanzt, ein Logo wird erarbeitet. Doch das Rosenviertel gehört auch zu den Glücklichen, die kräftig vom Land gefördert werden: 150 000 Euro gibt?s im Jahr. Davon werden in einem ersten Schritt die Gehwege, Fahrbahnen und Parkstreifen im Rosental, an der Viktoria-, Schliep- und Junggesellenstraße neu gestaltet. 25 Mitglieder hat die ISG bereits, doch für die Vorsitzende Annette Brinkmann lange nicht genug. ?Ich bleib? so lange bei den Leuten sitzen, bis der Vertrag unterschrieben ist?, erzählt sie und ist stolz darauf, ?schon manche harte Nuss geknackt zu haben?. Der Monatsbeitrag: 10 . Das große Ziel der ISG Rosenviertel: aus dem ehemaligen Kino Casino ein Kulturbegegnungszentrum zu machen. Noch spielt die Eigentümerin der Immobilie nicht mit. Bettina Kiwitt

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