Schon wieder: Das Dortmunder U braucht einen neuen Leiter

hzEdwin Jacobs verlässt Dortmund

Das teuerste Museum der Stadt braucht einen neuen Leiter: Nach nur zweieinhalb Jahren verlässt Direktor Edwin Jacobs (58) das Dortmunder U. Das sind die Gründe dafür – und so geht es weiter.

Dortmund

, 30.04.2019, 17:17 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Nachricht ist ein Hammer: Nach nur zweieinhalb Jahren verlässt Direktor Edwin Jacobs (58) das Dortmunder U. Der Niederländer wird ab September die Kunstakademie in Maastricht leiten. Die kommissarische Leitung des Dortmunder U und des Museums Ostwall im U wird Dr. Stefan Mühlhofer, Direktor der Dortmunder Kulturbetriebe, übernehmen.

Die Stadt Dortmund spricht von einer „überraschenden“ Nachricht. Für die Suche nach einem neuen U-Direktor wird in Kürze eine Findungskommission zusammenkommen.

In dieser sitzen Kulturdezernent Jörg Stüdemann, Stefan Mühlhofer als Leiter der Kulturbetriebe sowie die kulturpolitischen Sprecher der Ratsfraktionen. Diese Kommission wird die Kriterien für einen neuen Direktor festlegen und entscheiden, ob es interne Kandidaten gibt oder die Stelle ausgeschrieben wird.

Edwin Jacobs spricht von einer „sehr persönlichen Entscheidung“

In einer Pressemitteilung wird Jacobs wie folgt zitiert: „Es ist eine sehr persönliche Entscheidung. Als Leiter einer Kunsthochschule habe ich die großartige Chance, meine Erfahrungen und mein Wissen weiterzugeben zu können – das ist ein Geschenk.“ Er habe sich in Dortmund immer sehr wohl gefühlt.

Edwin Jacobs hatte Anfang 2017 die Stelle als Direktor des Dortmunder U und des Museums Ostwall im U angetreten. Vorangegangen war eine lange Suche nach einem Intendanten. Gründungsdirektor war 2010 Dr. Andreas Broeckmann, der nach einem Jahr an die Universität Lüneburg wechselte. Bis 2017 leitete Dr. Kurt Eichler als Geschäftsführer der Kulturbetriebe das Dortmunder U.

Kulturdezernent lobt Pink-Floyd-Ausstellung und Jacobs‘ Netzwerkarbeit

Kulturdezernent Jörg Stüdemann sagt über den Wechsel von Edwin Jacobs: „Er hat in seiner vergleichsweise kurzen Zeit in Dortmund vieles bewegt und das Dortmunder U sichtbar geprägt. Mit der Pink Floyd-Ausstellung hat er das U international bekannt gemacht – nun bildet dieser Höhepunkt den Endpunkt seiner Karriere in Dortmund.“

Die Ausstellung „Their Mortal Remains“ hatte Dortmund tatsächlich viel Aufmerksamkeit in der Kunstszene gebracht. Die Besucherzahlen waren aber deutlich hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Es kam nur rund die Hälfte der anvisierten 150.000 Besucher, was einen Verlust in siebenstelliger Höhe bedeutete.

Jacobs habe „sichtbar seine Handschrift im U hinterlassen“, urteilt die Stadt Dortmund. Er leitete unter anderem den Umbau des Museums Ostwall ein. Ende des Jahres wird das Museum mit einer neuen Raumaufteilung wieder eröffnen.

Niederländer hat genug von Museen und folgt dem Ruf an die Kunsthochschule

Vor seiner Zeit in Dortmund war Edwin Jacobs Generaldirektor am Centraal Museum Utrecht und hatte sich in den Niederlanden als Museumsreformer und Netzwerker einen guten Ruf erarbeitet. „Ich habe das Gefühl, in Museen nun alles erreicht zu haben“, sagt Jacobs.

Das Dortmunder U steht damit im neunten Jahr nach seiner Eröffnung zur Kulturhauptstadt Ruhr 2010 erneut vor einer Zäsur. Um das Leuchtturm-Projekt hatte es immer wieder Diskussionen gegeben. Zum einen ging es um die auf rund 90 Millionen Euro gestiegenen Baukosten für das ehemalige Brauerei-Gebäude. Zum anderen sorgte die Erhebung der Besucherzahlen für Unklarheit: Die tatsächliche Zahl lag unter der offiziell verkündeten Zahl.

Unter Edwin Jacobs Leitung war zuletzt etwas Kontinuität eingekehrt. Doch jetzt braucht der Leuchtturm einen neuen Wächter.

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