Schüler als Tutoren: Beim Bergsteiger-Projekt ist Corona keine Klippe

hzDigitalisierung an Schulen

Ältere Schüler unterstützen jüngere: Das ist an einer Realschule seit fünf Jahren Praxis. Wegen Corona dürfen Schüler aber nur in ihrer Klasse gemeinsam lernen – oder im digitalen Raum.

Nette

, 20.11.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Erprobungsstufe, das 5. und 6. Schuljahr. Alles ist noch neu: viel mehr Schüler als in der Grundschule, viel mehr Lehrer, viel mehr Trubel. Hier eine Frage, da eine Unsicherheit – ein offenes Ohr und ein ehrlicher Tipp helfen da weiter. Deswegen gibt es an vielen weiteren Schulen Tutoren-Projekte.

„Bergsteiger“ heißt es an der Albert-Schweitzer-Realschule. Schüler des 9. und 10. Schuljahres helfen den „Kleinen“ aus der Fünf und der Sechs. In diesen Monaten stehen die Bergsteiger aber vor neuen Steilhängen: Die Corona-Bestimmungen lassen gemischte Lerngruppen nicht zu.

Jetzt lesen

Das seit fünf Jahren bewährte Modell einer wöchentlichen Tutorenstunde am Dienstagmittag ist nicht machbar. 15 bis 20 ältere Tutoren haben bislang 50 bis 60 jüngere Schüler betreut.

Von der Idee zum wöchentlichen Angebot

Irina Werdelmann ist Initiatorin und gemeinsam mit Maria-Lisa Mans Betreuerin des Projektes. So schnell aber lässt sich die Lehrerin nicht durch Corona vom Weg abbringen. „Uns kam die Idee, das Projekt online zu machen“, sagt Werdelmann. Aus der Idee wuchs ein konkreter Plan und in diesen Tagen ein wöchentliches digitales Angebot.

Natürlich mussten auch die Tutoren online ausgebildet werden. Denn auch sie wären eine gemischte und damit nicht zugelassene gemischte Lerngruppe außerhalb ihrer Klassenverbände. Bei den älteren Schülern stieß das nun digitalisierte Projekt auf Interesse. Zwölf Neuner und Zehner machen mit.

Jetzt lesen

Es ist Donnerstagmittag, kurz vor der letzten Runde der Ausbildung. Elisavetta aus der 9b kommt gerade aus dem Unterricht. Denise aus der 10b ist bereits zu Hause. Über eine Video-Konferenzplattform schalten sie sich zusammen.

Tutorenstunden per Videokonferenz am Nachmittag

„Die Videokonferenz ist hilfreich“, sagt Denise. „Wir können wegen des Virus ja nicht an einem Tisch zusammensitzen.“ Aber es gibt Blickkontakt via Kamera und Bildschirm. „Wir kennen uns ja auch gar nicht alle“, sagt Elisavetta.

Das Konferenz-System bietet aber mehr, als sich nur via Internet zu verabreden, zu sehen und zu reden. In den vorangegangenen Wochen haben die Tutoren gelernt, die Chat-Funktion zu nutzen, ihre Bildschirmansicht zu teilen, lehr- und hilfreiche Videos zu zeigen.

Lehrerin Irina Werdelmann (l.) informiert Schulleiterin Christel Stegemann über den aktuellen Stand des digitalisierten Tutoren-Projektes.

Lehrerin Irina Werdelmann (l.) informiert Schulleiterin Christel Stegemann über den aktuellen Stand des digitalisierten Tutoren-Projektes. © Uwe von Schirp

Bei den künftigen Tutorenstunden am Nachmittag soll es nicht bleiben. „Die Fünfer und Sechser können uns auch per E-Mail eine Frage stellen“, sagt Elisavetta. Und es gibt eine Messenger-Funktion.

Denise sieht in dem Projekt einen Mehrwert in der derzeitigen Situation: „Unsere Rolle ist wichtig. Durch die Corona-Maßnahmen sind einige schon etwas gestresst“, erzählt sie. „Da ist es einfacher, wenn mal ein Ansprechpartner da ist, der jünger als ein Lehrer ist.“ Die Hemmung, Probleme und Fragen offen anzusprechen, verschwindet.

„Die Tutoren wollen etwas bewegen“

Und schließlich: Während der Tutorenstunden sind die Schülerinnen und Schüler zu Hause. „Wir sitzen da nicht mit 30 Leuten in der Klasse“, sagt Denise. „Ohne Maske kann man sich besser konzentrieren.“

Jetzt lesen

Schulleiterin Christel Stegemann ist zufrieden. „Unter den jetzigen Bedingungen ist es gut, dass wir auf die digitale Plattform ausweichen können“, betont sie. „Außerdem ertüchtigen wir die Kinder, ihre digitalen Kompetenzen im täglichen Tun zu erweitern.“

Irina Werdelmann hat noch einen weiteren Effekt festgestellt: „Ich erlebe ein großes Gemeinschaftsgefühl“, erzählt sie. „Die Tutoren wollen etwas bewegen.“ Und das ist ganz im Sinn der engagierten Pädagogin: „Ich liebe es, wenn Schüler so begeistert sind. Denn das bedeutet, dass sie Selbstwirksamkeit erfahren. Sie zeigen, dass sie Verantwortung übernehmen möchten. Das ist ein großer Gewinn für unser Zusammenleben an der ASR.“

Lesen Sie jetzt