Schüsse am Ostentor hatten wohl einen ganz banalen Grund

hzErmittlungen

In Sichtweite des Dortmunder Gefängnisses ist am Mittwoch ein Mann angeschossen worden. Die Nachricht sorgt bei Anwohnern für Entsetzen. Ein Ermittler nennt neue Details zur Tat.

Dortmund

, 26.06.2020, 16:53 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Lübecker Straße ist eine ruhige Wohnstraße in der östlichen Innenstadt. Auf der einen Seite führt sie zur viel befahrenen Weißenburger Straße, auf der anderen Seite liegt der „Lübecker Hof“ - Dortmunds Gefängnis.

Zwei Gruppen sind hier nach ersten Erkenntnissen am Mittwoch aneinander geraten - und der Auslöser soll ziemlich banal gewesen sein. „Es gibt Vorwürfe bezüglich eines zerkratzten Autos“, sagt Staatsanwalt Felix Giesenregen. Der Streit endete damit, dass einem 29-Jährigen zweimal in den Oberschenkel geschossen wurde. Lebensgefahr habe aber nicht bestanden.

Anwohner hörte Schüsse und alarmierte die Polizei

Die Anwohner, die unser Reporter auf der Straße trifft, reagieren alle überrascht bis schockiert auf die Tat. Sonst sei es hier sehr ruhig, sagen alle. Kaum einer kann glauben, dass so etwas hier passiert sein soll.

Ein Mann, der seinen Namen nicht veröffentlichen möchte, erzählt, dass er die Schüsse, begleitet von lautem und unverständlichem Geschrei, in seiner Wohnung gehört habe. Er sei ans Fenster gegangen und habe unten mehrere Personen gesehen: „Ich meine sogar, zwei Personen mit Macheten gesehen zu haben“, sagt der Anwohner.

Jetzt lesen

Er habe die Polizei gerufen und das Geschehen mit dem Telefon am Ohr weiter beobachtet. „Dann sah ich, dass zwei Personen in aller Ruhe Richtung Saarbrücker und Hamburger Straße gingen.“ In der Nacht und am nächsten Morgen hätten mehrere Polizisten Anwohner befragt und in der Umgebung Spuren gesucht. Am Freitag habe der Zeuge seine detaillierte Aussage bei der Polizei abgegeben.

Nach Auskunft von Staatsanwalt Felix Giesenregen haben sich zumindest einige der Beteiligten vor der Tat schon gekannt. Bei der Schusswaffe handele es sich um eine Handfeuerwaffe wie eine Pistole oder einen Revolver. Weitere Ermittlungen sollen dem bislang bestehenden „vagen Tatverdacht“ nun näher auf den Grund gehen.

Mehrfach Schüsse auf offener Straße in Dortmund

In den vergangenen Monaten sind in Dortmund mehrfach Schüsse gefallen. Mitte Juni hat ein Mann in einer Hörder Wohnung eine Schreckschusspistole benutzt. Polizisten haben ihn in eine psychiatrische Einrichtung gebracht. In der Silvesternacht waren gleich drei Personen unabhängig voneinander mit solchen Schreckschusswaffen in Dortmund aufgefallen.

Mit echten Kugeln wurde im September aufs Foyer des Klinikums geschossen, als dort jemand nach einem Messerangriff behandelt wurde. Anfang Januar ist ein Verdächtiger in diesem Fall festgenommen worden. Verletzt wurde von diesen Schüssen niemand - anders als bei Taten an der Hansastraße im Juli oder am Ostentor, ganz in der Nähe des aktuellen Falls, vor genau einem Jahr. Der damalige Täter ist zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt worden.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt
Lesen Sie jetzt