Schulden: So groß ist die finanzielle Kluft innerhalb von Dortmund wirklich

hzSchuldneratlas 2019

Die Schere zwischen Arm und Reich geht in Dortmund weiter auseinander. Aus dem Schuldneratlas 2019 liegen Zahlen für einzelne Stadtteile vor. Es bestätigen sich besorgniserregende Trends.

Dortmund

, 20.11.2019, 04:50 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die vom Verband Creditreform herausgegebene Übersicht über Schuldnerquoten und Armutsrisiko in Deutschland hatte Dortmund ein durchwachsenes Zeugnis ausgestellt. Zwar sank die Schuldnerquote erstmals seit Jahren (von 14,44 auf 14,33 Prozent). Sie liegt aber über dem Durchschnitt in Bund (10 Prozent) und im Land NRW (11,72 Prozent).

Wolfgang Scharf, Geschäftsführer der Creditreform Dortmund/Witten, stellt die positiven Aspekte in den Vordergrund: „Offensichtlich machen sich die gute Beschäftigungslage und das Ansteigen der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze in Dortmund auch in der Entwicklung der Schuldnerquoten bemerkbar, das ist sicher eine begrüßenswerte Entwicklung. Insbesondere dass der Schuldenrückgang in Dortmund noch über dem im Bund liegt, hat uns im Ergebnis sehr gefreut.“

Im Norden Dortmunds ist jeder Vierte überschuldet

In Dortmund sind laut der Untersuchung derzeit 70.321 Personen überschuldet. 2018 waren im Vorjahr waren es 70.847.

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Innerhalb Dortmunds zeigt sich in der Quote der Überschuldeten weiterhin eine große Kluft zwischen Armen und Reichen. Laut Creditrefom weisen viele südliche Stadtteile wie Hombruch, Hörde oder Aplerbeck Schuldnerquoten zwischen 5,76 und 6,93 Prozent auf. Im Norden sind die Werte fast vier Mal so hoch.

Stadtteile wie Lindenhorst, Deusen oder die Nordstadt kommen auf Quoten zwischen 25,50 und 28,55 Prozent. Damit kann hier jeder vierte Bewohner seine Zahlungsverpflichtungen nicht begleichen – und wird dies auch in absehbarer Zeit nicht können.

Die Entwicklung im Dortmunder Westen bereitet Sorgen

Besonders stark zugenommen hat die Verschuldung im Dortmunder Westen. Im Postleitzahlen-Bereich 44357, zu dem unter anderem Bodelschwingh, Nette, Oestrich und Westerfilde gehören, stieg die Quote um 3,78 Prozentpunkte und damit so stark wie nirgendwo sonst.

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Diese Werte bestätigen eine Entwicklung, die schon der Sozialbericht der Stadt Dortmund herausgearbeitet hatte. Im Dortmunder Westen wächst die Armut, weil immer mehr Menschen auf Transferleistungen angewiesen sind. Oft, obwohl sie einen Job haben.

Eine erfreuliche Entwicklung verzeichnet Creditreform hingegen für die Stadtteile Kirchhörde, Löttringhausen und Bittermark sowie für Kreuzviertel und Saarlandstraßenviertel.

So sieht der typische Dortmunder Schuldner aus

Mit 10,91 Prozent (11,01 Prozent im Vorjahr) ist mehr als jede zehnte Dortmunderin, mit 17,70 Prozent (17,80 Prozent im Vorjahr) mehr als jeder sechste Dortmunder überschuldet.

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„Sehr vereinfacht könnte man zum Ergebnis kommen, dass der typische Dortmunder Schuldner zwischen 30 und 50 Jahre alt und männlich ist. Außerdem ist er eher im Norden als im Süden der Stadt beheimatet“, sagt Wolfgang Scharf.

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