Holocaust-Gedenken - Martener Schüler erinnern mit Schmetterlingen an junge Nazi-Opfer

hzButterfly Project

1,5 Millionen Kinder und Jugendliche verloren im Holocaust ihr Leben. Das „Butterfly Project“ erinnert an sie. Die Schule an der Froschlake nimmt als erste deutsche Förderschule daran teil.

Marten

, 09.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Das jüdische Mädchen Eva starb mit 14 Jahren im Konzentrationslager Auschwitz. Georges Andre (13) aus Paris wurde im KZ Hamburg mit einer Überdosis Morphium ermordet. Emmanuel (16) verlor sein Leben im Getto von Pinsk in Polen: Mit den erschütternden Schicksalen von Kindern und Jugendlichen im Holocaust setzen sich seit kurzem Schülerinnen und Schüler der Schule An der Froschlake intensiv auseinander.

Grund ist die weltweite Initiative „Butterfly Project“: 1,5 Millionen bunte Schmetterlinge sollen an die 1,5 Millionen jüdischen Kinder und Jugendlichen erinnern, die während der Zeit des NS-Regimes ihr Leben verloren. Ein Schmetterling für jedes junge Leben, das die Nazis ausgelöscht haben. Knapp 240.000 sind bislang fertig.

An diesem kreativen Prozess beteiligt sich auch die Schule an der Froschlake in Marten. Sie ist damit die erste deutsche Förderschule, die die globale Initiative gegen das Vergessen und die Holocaust-Müdigkeit unterstützt.

Holocaust-Gedenken - Martener Schüler erinnern mit Schmetterlingen an junge Nazi-Opfer

Lehrerin Christina Diering (2.v.l.) lud die Gäste des Projektfestes ein, Schmetterlinge für die Holocaust-Opfer zu bemalen - als Zeichen des Erinnerns und der Hoffnung. © Beate Dönnewald

„Demokratie leben, Verantwortung übernehmen“

Und darauf ist die Lehrerin Christina Diering, die das Projekt aus den USA nach Marten geholt hat, sehr stolz: „Viele haben bezweifelt, dass das an einer Förderschule funktionieren kann.“ Glücklicherweise hätten die Zweifler falsch gelegen, so die Sonderpädagogin. Die Schüler seien vielmehr sehr engagiert und interessiert bei der Sache.

Die Projektwoche „Demokratie leben, Verantwortung übernehmen“ in der vergangenen Woche war der Auftakt für das „Butterfly Project“. Die Schüler formten und brannten an drei Tagen Rohlinge aus Ton, um sie anschließend zu bemalen und anhand von Kurzbiografien jeden fertigen Schmetterling einem konkreten Kind oder Jugendlichen zu widmen.

206 ergreifende Steckbriefe von jungen Holocaust-Opfern

Dafür hatten die Initiatoren des „Butterfly Projects“ aus San Diego/USA 206 Steckbriefe an die Schule geschickt - 206 viel zu kurze, ergreifende Biografien von jungen Menschen, die in Konzentrationslagern oder an den Folgen des Holocausts starben.

Der Völkermord an den Menschen jüdischen Glaubens hat für die Martener Schüler so ein ganz persönliches Gesicht bekommen: „Mir haben die Kinder voll leid getan“, sagte eine 13-jährige Schülerin. Ein Mitschüler (15) ergänzt: „Ich finde gut, dass nochmal an den Holocaust erinnert wird und dass diese Zeit nicht vergessen wird.“

Holocaust-Gedenken - Martener Schüler erinnern mit Schmetterlingen an junge Nazi-Opfer

Sobald alle Schmetterlinge bunt sind, werden sie die Wände der Schule zieren -auch als Aufforderung, sich für Toleranz und Mitmenschlichkeit stark zu machen. © Beate Dönnewald

Einsatz für Toleranz und Mitmenschlichkeit

Lehrerin Christina Diering bleibt realistisch: „Natürlich darf man nicht erwarten, dass sich durch dieses Projekt nun gleich alle Schüler politisch engagieren. Wichtig ist doch, dass sie sich mit Hitler und Nazi-Deutschland auseinandersetzen und Zusammenhänge erkennen.“

Genau das ist auch eine Intention des „Butterfly Projects“: Die Schüler sollen möglichst frühzeitig lernen, wohin Hass und Bigotterie führen können, um sich so für Toleranz und Mitmenschlichkeit stark zu machen. Während des Projektfestes waren auch die Besucher aufgefordert, Schmetterlinge anzumalen. Wenn alle 206 fertig sind, sollen sie die Wände der Schule schmücken: als Zeichen des Erinnerns und der Hoffnung.

Holocaust-Gedenken - Martener Schüler erinnern mit Schmetterlingen an junge Nazi-Opfer

234.689 bunte Schmetterlinge aus Ton gibt es schon, die Menschen in 20 Ländern in Erinnerung an die jüngsten Holocaust-Opfer bemalt haben. 1,5 Millionen sollen es noch werden. Ein Schmetterling für jedes verlorene Kinderleben. © Beate Dönnewald

„Wir wollen Demokratie kind- und jugendgerecht erfahrbar machen“

Das „Butterfly Project“ war aber nur einer von vielen klassenübergreifenden Workshops und Arbeitsgemeinschaften zu den Themen Vielfalt und Toleranz. Tanzen und Theater spielen gehörten auch dazu. „Wir wollen Demokratie kind- und jugendgerecht erfahrbar machen, die Schüler sollen erkennen, dass Demokratie Spaß machen kann“, sagt die Konrektorin Anke Schulte.

An beiden Standorten in Marten und Oespel sei der tolerante Umgang mit Andersartigkeit eine Selbstverständlichkeit, betont Schulleiter Michael Saul. „Das ist hier unser tägliches Brot, wir stoßen viele Dinge in diese Richtung an.“ Die Schülervertretung habe zum Beispiel eine „Toilette für Menschen“ eingerichtet, um die Transgender-Bewegung zu unterstützen.

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