Dortmunder Eltern: Rückkehr zum Distanzunterricht wäre eine „Katastrophe“

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In Berlin berichten Ärzte von Kindern, die nach der Schulschließung im Frühjahr kaum noch sprechen konnten und stark an Gewicht zugenommen haben. Auch in Dortmund sind die Sorgen groß.

Dortmund

, 21.10.2020, 14:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Corona-Zahlen steigen. Auch Dortmund ist mittlerweile Risikogebiet. Viele Unternehmen in Dortmund schicken ihre Mitarbeiter, sofern möglich, wieder ins Homeoffice. Manche Eltern befürchten nun, dass Schülern das gleiche passieren könnte und sie womöglich bei weiter steigenden Zahlen zurück zum Distanzunterricht gehen müssen. Was hätte das für Folgen für die Kinder?

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Schulen müssen offen gehalten werden

Anke Staar, Vorsitzende der Dortmunder Stadteltern, findet für dieses Szenario ein klares Wort: „Katastrophe!“ Denn Schüler bräuchten sowohl Betreuung, als auch Hilfe bei der Vermittlung von Wissen.

Damit gute Bildung gelingen könne, sei die Vermittlung besonders wichtig, so die Elternsprecherin. „Digitalisierung wird als das große Allheilmittel angesehen. Für Eltern ist es aber nur ein Hilfsmittel, wie zum Beispiel der Taschenrechner“, sagt Staar. „Damit retten wir die Bildung nicht.“

Ein großes Problem beim Homeschooling sei auch die finanzielle Ungleichheit. Nicht jeder Schüler hat Zugriff auf digitale Geräte, um von zu Hause am Unterricht teilnehmen zu können.

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„Dortmunder Schulen können gar nicht sicherstellen, dass jeder Schüler ein Leihgerät mit nach Hause nehmen kann. Und selbst wenn, hat dann jeder überhaupt einen eigenen Raum zum lernen?“, fragt Staar. „Wenn wir Chancengleichheit im Mittelpunkt halten wollen, müssen wir uns am Bedarf der Schüler orientieren und die Schulen offen halten.“

Werden Kinder durch Homeschooling dick?

Eine Alternative zum Heimunterricht könnte Unterricht im Freien sein. „Sportunterricht ja, aber normaler Unterricht draußen wäre zu dieser Jahreszeit nicht leistbar“, sagt Anke Staar. Auch Zelte oder Container würden für Staar „unsinnig“ sein. Der Unterricht solle lieber in kleineren Lerngruppen stattfinden.

Kinderärzte in Berlin bemängeln, dass einige Kinder durch die Schulschließung im Frühjahr kaum noch sprechen konnten, weil sich zu Hause niemand mit ihnen Unterhalten hat. Andere wiederum hätten während dieser Zeit stark an Gewicht zugenommen.

„Das Phänomen, sich im Lockdown weniger bewegt zu haben, ist nicht nur ein Kinderproblem“, sagt Anke Staar und lacht. „Ob der Schüler, der zu Hause lernt, körperlich mehr eingeschränkt ist als der Schüler, der in der Schule seinen Platz nicht verlassen darf, sei mal dahingestellt.“ Denn Aufstehen und durch die Gegend laufen sollen die Schüler im Klassenzimmer möglichst vermeiden.

Druck auf die Schüler und Lehrer nimmt zu

Der Druck durch die Corona-Pandemie steigt. Bei Schülern und auch bei den Lehrkräften. „Weinende Schüler bereiten mir viel mehr Sorge“, sagt Staar. „Die leiden nicht an der Angst an Covid zu erkranken, sondern leiden unter dem Druck der Gesamtsituation.“

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Für die Elternvertretung würde eine erneute komplette Schließung der Schule also nicht in Frage kommen. „Es sollte einen Mittelweg geben“, sagt Staar. „Tägliche Präsenz in der Schule muss sein, wenn auch nur für wenige Stunden.“ Wenn Krankenhäuser und Supermärkte in der Pandemie offen bleiben können, dann sollen Schulen das auch, so Staar.

„Die große Mehrheit der Schüler will zur Schule gehen. Auch wenn es nicht ganz so nah ist wie früher, brauchen sie trotzdem die soziale Nähe zu ihren Mitschülern“, sagt Staar.

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