Eine echte Klassenarbeit, in der Schule sogar – das haben in diesem Halbjahr nur wenige Schüler in Dortmund erlebt. © picture alliance / dpa (Symbolbild)
Corona-Notbremse

Schulen in Dortmund weiter zu: Was heißt das für Klassenarbeiten und Zeugnisse?

Kein Unterricht in den Schulen in Dortmund, nur Lernen auf Distanz – was heißt das für die Noten? Müssen alle noch Klassenarbeiten schreiben? Oder haben die Lehrer andere Möglichkeiten?

Es ist eine einfache Rechnung: Noch acht Wochen sind es bis zu den Sommerferien 2021 in NRW. Die letzte davon geht schon für die Zeugniskonferenzen drauf, macht noch sieben.

Minus Pfingstferien, minus Fronleichnam – circa sechs. Und voerst bleiben die Schulen in Dortmund corona-bedingt noch im Distanzunterricht.

Noch maximal fünf Wochen Präsenzunterricht

An fünf aufeinanderfolgenden Werktagen muss die Inzidenz unter 165 fallen. Erst dann darf man zurückkehren zum Wechselunterricht.

Heißt: Allerfrühestens und nur bei weiter stark sinkenden Infektionszahlen könnte sich für Schüler und Lehrer in der Woche nach Christi Himmelfahrt etwas ändern. Macht: weniger als fünf Wochen effektiv bis Ferienbeginn.

Fünf Wochen, in denen ja nie alle da sind. Bei unter 165 gehen die Schulen in den Wechselunterricht. Klassen werden also aufgeteilt. Die Gruppen sind meist nur tageweise an den Schulen.

Schulleiter: „Der Zeitraum wird immer enger“

Zeugnisse soll es aber geben. Die Noten darauf werden auch über eine Versetzung entscheiden, anders als im Sommer 2020. „Es stimmt schon: Der Zeitraum wird immer enger“, sagt Carsten Schlagowski, Leiter der Konrad-von-der-Mark-Schule in Hörde und Sprecher der Hauptschulen in Dortmund. „Wir machen uns Gedanken, wie man die Leistungen bewerten kann.“

Carsten Schlagowski ist Leiter der Konrad-von-der-Mark-Schule in Hörde.
Carsten Schlagowski ist Leiter der Konrad-von-der-Mark-Schule in Hörde. © Schlagowski © Schlagowski

Immerhin hat das Land mittlerweile vorgegeben, dass in diesem Halbjahr eine Klassenarbeit ausreicht. Nur folgerichtig, findet Schlagowski: „Eigentlich waren die Schüler seit Januar im Distanzlernen, bis auf die zwei Wochen vor den Osterferien.“

Ein Ersatz für eine Klassenarbeit ist möglich

Nur noch eine Arbeit? „Eine pro Halbjahr darf auch durch eine Ersatzleistung ersetzt werden“, ergänzt Markus Katthagen, Leiter des Immanuel-Kant-Gymnasiums in Asseln und Sprecher der Gymnasien. Und solch eine Leistung kann ganz unterschiedlich aussehen.

Ein Lesetagebuch, ein Portfolio, eine mündliche Leistung, ein Referat – vieles sei möglich. Und je weniger Zeit bleibe, desto wahrscheinlicher werde das. Zumal jeder klassischen Klassenarbeit in der Schule einige Tage Präsenzunterricht vorausgehen müssten.

„Viel Verständnis und Wohlwollen“

Heißt also: Lehrer können nicht einfach direkt Arbeiten schreiben lassen, wenn die Schulen wieder offen sind. „Es darf auch kein Prüfungsfetischismus werden“, findet Katthagen.

Können Schüler also mit Nachsicht rechnen? Eher ja, schätzt Christel Stegemann, die Sprecherin der Dortmunder Realschulen: „Die Schüler werden mit viel Verständnis und Wohlwollen und Optimismus begleitet.“ Zumindest dort, wo es „mit Vernunft vertreten werden“ könne.

Markus Katthagen, Leiter des Immanuel-Kant-Gymnasiums in Asseln und Sprecher der Gymnasien in Dortmund.
Markus Katthagen, Leiter des Immanuel-Kant-Gymnasiums in Asseln und Sprecher der Gymnasien in Dortmund. © Andreas Schröter © Andreas Schröter

Haben Mama und Papa mitgeholfen?

An ihrer Albert-Schweitzer-Realschule in Nette habe man zum Glück schon vor den Osterferien einige Klassenarbeiten schreiben lassen, freut sich Stegemann. Zumal sie schätzt: „Ich sehe die Schüler in den nächsten zehn Tagen noch nicht hier.“

Mit der Bewertung sei es natürlich schwieriger – da sind sich alle Schulleiter einig: Haben die Kinder und Jugendlichen das alles alleine erarbeitet? Oder haben Mama, Papa, Geschwister oder Bekannte geholfen?

Das lasse sich nicht nachprüfen. Insofern sei es gut, findet Katthagen, „dass man bei den Endnoten ruhig herüberschielen darf auf das erste Halbjahr. So haben wir unterm Strich ein paar Maßnahmen, wie man vernünftig Noten geben kann.“

„Viele Kinder bringen richtig tolle Leistungen“

Dass das Land keine genaueren Vorgaben mache – Katthagen kann es nachvollziehen. NRW sei doch ein „Flickenteppich“ geworden: In manchen Städten und Kreisen sei die Inzidenz schon lange unter 165 und es gebe Wechselunterricht. Anderswo, etwa in Dortmund, ist der noch in weiter Ferne.

Und dennoch, unterstreicht Christel Stegemann, müsse sie eines wirklich mal loben: „Es gibt viele Kinder, die unter diesen schwierigen Bedingungen richtig tolle Leistungen bringen und die auch die Laune behalten.“

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Redaktion Dortmund
Jahrgang 1977 - wie Punkrock. Gebürtiger Sauerländer. Geborener Dortmunder. Unterm Strich also Westfale.
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