Sowi-Kurs an Dortmunder Gymnasium lernt mit zwei Metern Abstand

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Willkommen im Corona-Schul-Alltag: Die Schüler eines Dortmunder Gymnasiums sind am Donnerstag freiwillig wieder da. Im Klassenraum und auf den Fluren gilt: Kontakt vermeiden, Plakette tragen.

Asseln

, 23.04.2020, 12:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Er fühle sich wie in einem Spannungsfeld zwischen Verunsicherung und Verantwortungsbewusstsein einerseits und dem Wunsch, wieder möglichst viel Normalität einkehren zu lassen andererseits. Das sagte der Schulleiter des Immanuel-Kant-Gymnasiums in Asseln, Markus Katthagen, am Donnerstagmorgen (23.4.) zum Schulstart am Grüningsweg.

Eine Schule ohne Schüler sei auf Dauer nichts. Dabei waren zum Auftakt nur wenige Schüler eingeladen, freiwillig wiederzukommen: die gut 120 Abiturienten des Jahrgangs 2020. Und weil die in zwei Schichten aufgeteilt worden waren, konnten sich immer nur maximal 60 von ihnen gleichzeitig in dem riesigen, auf 1200 Schüler ausgelegten Gebäudekomplex aufhalten.

„Keine Angst vor Ansteckung“

So wie etwa ein Dutzend Schüler, die zu einem Sowi-Kurs gehörten. Sie sagten, das Lernen allein per E-Mail sei schwierig gewesen. Ein Schüler gab an, zum Beispiel in Mathe über diese Lernmethode nur wenig verstanden zu haben – und das gut zwei Wochen vor den ersten Abi-Klausuren. Da sei die Wiedereröffnung der Schule und auch der unmittelbare Kontakt zum Lehrer hilfreich. Angst vor Ansteckung hätten sie nicht, sagten die Schüler. „Bei Rewe ist es schlimmer“, meinte eine Schülerin.

Schulleiter Markus Katthagen zeigt die Anstecker, die an den Abstand erinnern. Einen davon trägt er selbst am Hemd.

Schulleiter Markus Katthagen zeigt die Anstecker, die an den Abstand erinnern. Einen davon trägt er selbst am Hemd. © Andreas Schröter

Weil die Schüler dieses Kurses größtenteils mit dem Rad oder dem Auto gekommen waren, konnten sie keine Angaben zu möglichen Problemen in Bussen und Bahnen machen. Nach allem, was am Donnerstag zwischen 8 und 8.30 Uhr (dem Starttermin am IKG) zu beobachten war, waren die öffentlichen Verkehrsmittel um diese Zeit weitestgehend leer.

Hinweisschilder und kleine Plaketten

Das Immanuel-Kant-Gymnasium hat ansonsten bereits im Vorfeld vieles dafür getan, um die Ansteckungsgefahr für Lehrer, Mitarbeiter und Schüler zu minimieren. Es gibt Desinfektionsmittel im Eingangsbereich sowie Seife und Papierhandtücher in den Toiletten-Trakten, im Sekretariat ist ein Glasschutz aufgebaut, und überall kleben kleine Hinweisschilder mit der Aufschrift „Abstand halten“.

Zusätzlich gibt‘s kleine Plaketten mit der gleichen Aufschrift. Eine davon trägt Markus Katthagen am Revers. Und ab Freitag gilt auf den Fluren und Treppenhäusern zusätzlich die Mundschutzpflicht.

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Auch mit dem Hygieneplan habe es gut geklappt. Weil derzeit nur etwa 40 Prozent der Räume genutzt würden, kämen die Reinigungskräfte nach Auskunft Katthagens gut nach und hätten Zeit, die Räume, die wirklich genutzt werden, gründlicher zu säubern.

So richtig er die Wiedereröffnung der Schulen für die Abschlussjahrgänge finde, so problematisch sehe er die Pläne, die Schulen schrittweise auch für die übrigen Jahrgänge wieder zu öffnen. Katthagen: „Wenn die Schule wieder voll ist, lassen sich die Abstandsregeln nicht einhalten.“

Keine Menschenseele zu sehen. Am Schulzentrum Asseln mit Immanuel-Kant-Gymnasium und Max-Born-Realschule war der betrieb am Donnerstagmorgen höchst überschaubar.

Kaum eine Menschenseele zu sehen. Am Schulzentrum Asseln mit Immanuel-Kant-Gymnasium und Max-Born-Realschule war der betrieb am Donnerstagmorgen höchst überschaubar. © Andreas Schröter

Auch seien die Schüler der unteren Jahrgänge manchmal nicht so vernünftig wie die Abiturienten: „Es liegt einfach in ihrer Natur zu raufen und zu toben.“ Als Alternative bietet das IKG Online-Unterricht per Videokonferenzen an – allerdings nur in den schriftlichen Fächern, damit die Schüler nicht sechs Stunden am Stück vor ihren Laptops sitzen müssen, wie Markus Katthagen sagt.

Zufrieden mit der Situation am IKG ist Elternvertreter Jens in der Heggen. Er verstehe die Ängste der Eltern, halte es aber für richtig, die Schule nun schrittweise wieder zu öffnen. In der Heggen lobt die transparente Informationspolitik der Schule und die weitreichenden Hygiene-Maßnahmen.

Solche Abstand-halten-Aufkleber hängen überall in der Schule.

Solche Abstand-halten-Aufkleber hängen überall in der Schule. © Andreas Schröter

Nicht freiwillig, sondern Pflicht war der Schulbesuch für die Zehntklässler der benachbarten Max-Born-Realschule. Und während Kevin Martens den Wiederbeginn am Donnerstag positiv sah, hielt sein Mitschüler David Labusch ihn für verfrüht. Auf den Treppen sei es gar nicht möglich, den Mindestabstand einzuhalten.

Auch für die Realschüler stehen im Mai die Abschlussarbeiten an – die jedoch in diesem Jahr statt der Zentralen Prüfung eher wie eine normale Klassenarbeit gestaltet sein werden.

David Labusch und Kevin Martens (v.l.) gehören zum Abschlussjahrgang der Max-Born-Realschule. Auch sie besuchten am Donnerstag erstmals wieder die Schule.

David Labusch und Kevin Martens (v.l.) gehören zum Abschlussjahrgang der Max-Born-Realschule. Auch sie besuchten am Donnerstag erstmals wieder die Schule. © Andreas Schröter

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