Schwimm-Olympiasiegerin (93) sitzt monatelang auf dem Trocknen

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„Ein Leben ohne Sport wäre traurig, etwas würde fehlen“, sagt Ursula Happe an ihrem 90. Geburtstag. Happe ist Olympiasiegerin im Schwimmen – heute 93 und seit Monaten auf dem Trocknen.

Wellinghofen

, 22.06.2020, 12:16 Uhr / Lesedauer: 2 min

Bereits seit Ende Mai haben vielerorts die Freibäder geöffnet. In Dortmund ließ die Eröffnung der Badesaison auf sich warten. Am Freitag, 19. Juni, machte als erstes das Bad in Wischlingen auf – noch am selben Tag gab der Rat grünes Licht für die städtischen Bäder. Das Freibad in Wellinghofen öffnete am Samstag, 21. Juni, das erste Mal in diesem Jahr. Ohne Corona wäre der 1. Mai die Eröffnung gewesen.

Alles bereit: Das Foto zeigt das Bad einen Tag vor der Eröffnung.

Alles bereit: Das Foto zeigt das Bad einen Tag vor der Eröffnung. © Britta Linnhoff

Für Ursula Happe, Olympiasiegerin über 200 Meter Brust 1956 in Melbourne und seit Menschengedenken Dauergast im Wellinghofer Freibad, ist das mehr als eine gute Nachricht. „Das ist ein Trauerspiel“, sagt sie über die Monate ohne eine Chance, ihre 2000 Meter abzuspulen.

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Im Oktober 2019 war sie das letzte Mal in einem Schwimmbecken. Für eine Frau, die in normalen Zeiten ohne Corona-Einschränkungen auch heute noch täglich ihre Bahnen zieht, ist das eine Katastrophe.

Schwimmen gehört schon immer zu ihrem Leben: Morgens um 6 radelte Ursula Happe, als Tochter eines Bademeisters auf die Welt gekommen, nach dem Krieg in Dortmund zum einzigen Hallenbad mit 25-Meter-Bahn.

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„Wenn ich Glück hatte, ließ mich der Hausmeister vor halb 7 rein“, erzählt sie. „Ich konnte aber höchstens einen Kilometer trainieren, dann musste ich schnell nach Hause“. Ehemann Heinz Günter musste zur Arbeit, und die Kinder brauchten ihre Mutter.

Das Archivfoto aus dem Jahr 2016 zeigt Ursula Happe beim Sprung ins Becken des Wellinghofer Freibades.

Das Archivfoto aus dem Jahr 2016 zeigt Ursula Happe beim Sprung ins Becken des Wellinghofer Freibades. © Schütze

Die heute 93-Jährige, die während der Herbst- und Wintermonate im Hörder Hallenbad schwimmt, kündigte nach der Entscheidung am Freitag an, am Wochenende auf jeden Fall im Wellinghofer Freibad vorbeischauen. Da war noch nicht bekannt, dass man online zuvor buchen muss. Es wird sich wohl für sie eine Lösung finden. „Ob ich dann ins Wasser gehe, kann ich Ihnen nicht versprechen“.

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Warum? Die Antwort: „Kaltes Wasser ist mir schon immer sehr unsympathisch“, sagt sie. Sie will das Wasser im Wellinghofer Bad erst vorsichtig testen. Aber nicht nur Happe kündigte sich an, sondern auch die Sonne.

Die wird ihren Beitrag geleistet haben, dass es der Olympiaschwimmerin nicht ganz so kalt war. „Ich hoffe, ich habe das Schwimmen nicht verlernt“, sagt Happe.

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Doch das ist bei dem bisherigen Trainingspensum nicht zu vermuten. Außerdem: Kraul-Übungen machte Ursula Happe auch in den letzten Monaten – auf dem Trocknen, genau genommen auf der Bettkante. „Jeden Morgen mache ich das“, erzählt sie, „um den Kreislauf in Schwung zu bringen“. Eine Tasse Kaffee reiche dafür nicht.

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Neulich war sie seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie wieder bei der Gymnastik-Stunde – auch die gehört seit einem halben Jahrhundert zu ihrem Leben, denn „ein Leben ohne Sport wäre traurig“.

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