Security will vorm Klo-Gang Geschlechtsteil sehen – Kritik an Toiletten bei Juicy Beats

hzJuicy Beats

Feucht-fröhlich ist es auch in diesem Jahr auf dem Juicy Beats zugegangen. Doch wo viel Alkohol fließt, werden auch viele Toiletten gebraucht - was nun für Kritik am Veranstalter sorgt.

Dortmund

, 30.07.2019, 14:26 Uhr / Lesedauer: 2 min

Jeder kennt das Bedürfnis: Man hat viel getrunken und will schnell zur Toilette. Im Idealfall funktioniert das. Doch auf dem Juicy Beats entwickelte sich der Wunsch nach Erleichterung scheinbar bei manchem Besucher eher zum Albtraum.

Wie für eine 26-jährige Festival-Besucherin (Name der Redaktion bekannt). Nach eigener Aussage habe sie am Samstag am Spatengarten bei den Toiletten angestanden. Weil die Schlange bei den Frauen so lang gewesen sei, wollte sie bei den Männern auf die Toilette gehen.

Plötzlich sei Security hereingekommen und teilte ihr und zwei weiteren Frauen mit, dass sie die Toilette verlassen müssen, weil dies nun mal eine Männertoilette sei. Die 26-Jährige war verwundert – denn schon einige Frauen vor ihr waren ungehindert bei den Männern aufs Klo gegangen. Zudem ist ein solches Vorgehen bei langen Schlangen vor Damentoiletten inzwischen viererorts durchaus akzeptiert, sofern sich niemand beschwert.

Die 26-Jährige fragte den Security-Mann provokativ, woran er festmachen würde, wer auf welche Toilette gehen darf: „Geht es um das Gender (das gefühlte Geschlecht, zu dem sich ein Mensch zugehörig fühlt, Anmerkung d. Red.) oder das Geschlechtsteil?“ Für ihn sei Letzteres wichtig. Die Frau fragte ihn dann ironisch, ob sie nun ihr Geschlechtsteil herausholen solle – was der Sicherheitsmann klar mit „Ja“ beantwortete.

Jan Kempinski, Pressesprecher von Juicy Beats-Veranstalter Popmodern, versteht die Entrüstung: „Leider handelt die Security nicht immer so, wie man es vorgibt.“ Der Sicherheitsdienst würde immer situationsabhängig und individuell reagieren – weswegen auch nicht überall die Geschlechtertrennung aufgehoben wurde.

Kritik an Kosten für Toilettenwagen

Die Kritik der Frau ist nicht die einzige in Bezug auf die Toiletten auf dem Festival. Das zeigen zwei Posts des Veranstalters auf Facebook und Instagram. Darin entschuldigt sich Popmodern: „Wir haben die Toiletten-Situation gesehen und werden diese im nächsten Jahr massiv verbessern.“ Alleine bei Facebook sammelten sich darunter innerhalb von 22 Stunden 303 Kommentare (Stand: 30. Juli, 13 Uhr). Der Tenor: Es geht Klo-technisch nicht mehr.

Das sieht auch Kempinski so: „Dieses Jahr hat das Problem seinen Höhepunkt erreicht.“ Die Toiletten-Situation sei niemandem mehr zumutbar. Auf dem Festival-Gelände gab es neben den zum Westfalenpark gehörenden Toiletten auch Toilettenwagen und Dixi-Klos.

Geld geht an Vermieter

Gerade die Toilettenwagen stehen in den Kommentaren in der Kritik. Pro Nutzung musste man hier 50 Cent bezahlen. „Wieso wird man trotz des Eintrittspreises noch von den netten Damen im Toilettenwagen genötigt, 50 Cent zu bezahlen?“, schreibt ein Facebook-Nutzer.

Der Pressesprecher erklärt dies mit den Kosten für Toiletten. Die seien immens. Die Ausgaben seien ohne eine Klo-Gebühr nicht tragbar, ohne die Preise zum Nachteil der Besucher an anderer Stelle zu erhöhen. Heißt: Entweder die Gäste zahlen für den Klobesuch, oder die Tickets werden teurer. Kempinski betont an dieser Stelle: „Wir verdienen da nichts dran.“ Das Toiletten-Geld ginge zu 100 Prozent an den Vermieter.

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Kempinski sähe die Kosten auch als vertretbar an – wenn der Zustand der Toiletten entsprechend gewesen wäre. „Wer zahlt, erwartet auch einen gewissen Standard“, sagt er. Und der sei nicht gehalten worden: Es gab Beschwerden über verschmutzte Toiletten. Hinzu kamen welche über unfreundliche Mitarbeiter im Toilettenwagen: „Diese Dame war äußerst aggressiv“, schrieb jemand bei Facebook. Entsprechend würde der Veranstalter das System überdenken. Konkrete Ideen habe man noch nicht. Eine Überlegung wären sogenannte „Dixiklo-Farmen“ wie auf anderen Festivals.

Anmerkung der Redaktion: Fehler in originalen Facebook-Kommentaren wurden in den Zitaten hier korrigiert.

Der Veranstalter Popmodern weist daraufhin, dass Festival-Besucher angemessene Beschwerden gegenüber dem Festival und Personal unter kontakt@juicybeats.net einreichen können. Dazu solle die Situation sowie Zeitpunkt und Ort geschildert werden. „Wir sammeln die Beschwerden und besprechen die im Nachgang beziehungsweise geben die Beschwerden im Feedback weiter“, erklärt Popmodern-Pressesprecher Jan Kempinski.
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