Sehnsucht mit der Kettensäge

Der Boden ist übersät mit feinen Spänen, an den Wänden lehnen Eichenstämme. Es riecht nach frischem Holz, und es ist kühl. Der Künstler trägt einen dicken Pullover und Ohrenschützer. Zur Begrüßung nimmt er die Kettensäge aus der Hand. Bernd Moenikes Atelier ist nichts für empfindliche Gemüter.

04.02.2008, 18:56 Uhr / Lesedauer: 1 min

<p>Selbst die Gesichter modelliert Moenikes mit der Kettensäge. Reminghorst</p>

<p>Selbst die Gesichter modelliert Moenikes mit der Kettensäge. Reminghorst</p>

Direkt neben dem Kulturhaus Neuasseln am Buddenacker hat der Bildhauer seine Werkstatt, in der Holz-, Bronze- und Marmorskulpturen, aber auch Drucke entstehen. Schon seit 20 Jahren arbeitet er hier, macht aus Stämmen seine "Fliehenden Bäume", die sich oben gen Himmel recken, oder gestaltet seine "Kastenmenschen": sich gymnastisch verrenkende Gestalten, die in einer unsichtbaren Kiste zu hocken scheinen. Fliehende Bäume und Kastenmenschen sind die Markenzeichen des 1955 Geborenen, der zu den erfolgreichsten und bekanntesten Dortmunder Künstlern zählt.

Schon lange könnte Bernd Moenikes leben von seinen Arbeiten, doch er tut es nicht. Im Hauptberuf leitet der ausgebildete Bildhauer und promovierte Lehrer eine Schule für geistig Behinderte in Brilon.

Die Stunden, die er allein in seinem Atelier verbringt, die er sägt, meißelt und modelliert, empfindet er als angenehmen Gegensatz zum Lehrer-Alltag. Moenikes liebt die Abgeschiedenheit seines Ateliers, er arbeitet am liebsten konzentriert schon ab dem frühen Morgen.

Ironisch und witzig ist oft, was dabei entsteht, etwa der Marmorkopf, der dem Betrachter eine nicht enden wollende Zunge herausstreckt, oder die mannshohe Barbiepuppe aus Marmor - ein Schönheitsideal für die Ewigkeit. Politisch ist sie ebenso, seine Kunst: Bei zahllosen Aktionen arbeitete Bernd Moenikes mit Umweltorganisationen zusammen. Seine jüngsten Skulpturen illustrieren das Spannungsfeld zwischen Wollen und Können, zwischen Geist und Körper - sie blicken in die Ferne, schauen in den Himmel oder haben gar Flügel wie Vogelmenschen. Sie erzählen von einer Sehnsucht und stehen doch mit ihren klobigen Füßen fest auf dem Boden am Buddenacker. Katrin Pinetzki

www.bernd-moenikes.de

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