Seniorin (89) auf offener Straße überfallen

Landgericht: Bewährung statt Gefängnis

25.05.2007 / Lesedauer: 2 min

In der Liste der hässlichen Verbrechen müsste dieser Fall weit oben stehen: Im Februar 2006 wurde eine 89 Jahre alte Frau auf offener Straße überfallen. Gestern wurde der Täter vom Landgericht zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt. Der Mann ist 26 Jahre alt, muskulös und macht auf den ersten Blick sogar einen relativ sympathischen Eindruck. Er ist ein Tüftler und EDV-Experte, hat eine Freundin und führt auch sonst ein einigermaßen unauffälliges Leben. Sieht man einmal von seinen Spielhallen-Besuchen ab, die ihn ins finanzielle Verderben stürzten. Schulden und Geldnot: Das war wohl auch das Motiv für den Überfall auf der Harnackstraße. Die damals 89-jährige Seniorin war mit ihrem Rollator unterwegs, hatte die Handtasche um ihre Gehhilfe geschlungen. Der Angeklagte sah die hilsbedürftige Frau, stufte sie als «leichtes Opfer» ein, wie er im Prozess erklärte. Er kam von hinten, riss an der Tasche und schlug wohl auch zu. Die alte Dame stürzte schwer, wurde dabei sogar bewusstlos. Fünf Tage lang verbrachte sie im Krankenhaus. Die Ärzte stellten gleich eine ganze Reihe von Gesichtsprellungen fest. Heute weiß auch der 26-Jährige, dass er Glück hatte, dass der 89-Jährigen nicht noch viel mehr passiert ist. «Wenn ich an die Tat denke, erschrecke ich mich selbst», sagte er im Prozess. Weit gekommen ist er damals übrigens nicht. Er wurde beobachtet und kurz darauf festgenommen. Vom Amtsgericht war er zu zwei Jahren und vier Monaten Gefängnis verurteilt worden. Die Berufungskammer am Landgericht ließ nun aber Milde walten: Die Richter reduzierten die Strafe und setzen sie außerdem zur Bewährung aus. Allerdings muss der 26-Jährige 500 Euro an eine gemeinnützige Organisation überweisen. Außerdem hatte er für den Straßenraub sowie für zwei weitere Diebstähle (Geldbörse und Handtasche) bereits fünf Monate in U-Haft gesessen. Und das hat ihn offenbar schwer beeindruckt. jh

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