„Sie ist auf jeden Fall infiziert!“ - Amt verweigert Frau von Corona-Patient den Test

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Weil ein Mann positiv auf das Coronavirus getestet wurde, gilt auch seine Frau als infiziert. Warum sie auch ohne Test in der Statistik auftaucht, erklärt der Leiter des Gesundheitsamts.

Dortmund

, 25.03.2020, 16:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als der Schwiegervater von Sandra Michalewski im März aus dem Urlaub in Ischgl wiederkam, schickt die Familie ihn direkt zum Gesundheitsamt. Der beliebte Ski-Ort Ischgl gilt als absoluter Corona-Hotspot, Urlauber trugen das Virus von dort nach ganz Europa.

Symptome zeigt Michalewskis Schwiegervater, der sich in der Diagnostikstelle des Gesundheitsamts testen ließ, keine, dennoch kam am Freitag, 20. März, die Nachricht: Er ist mit dem Coronavirus infiziert.

Da war er zum Glück schon ein paar Tage im Haus geblieben, auf Anordnung des Gesundheitsamts. Doch mit ihm Zuhause war seine Frau. Sollte die sich jetzt nicht auch dringend testen lassen?

Nein, so die Antwort beim Gesundheitsamt, das zu diesem Zeitpunkt für die Tests zuständig war. Denn: „Sie ist zu 100 Prozent ebenfalls infiziert.“ Ein Test sei also nicht mehr nötig.

Welche Fälle gehen in die Statistik ein?

Sandra Michalewski, die mit ihrer Familie in Kirchderne wohnt, kann das aus pragmatischer Sicht nachvollziehen. Trotzdem ist sie empört: Unter einem Facebook-Post unserer Redaktion zu aktuellen Fallzahlen schilderte sie den Fall ihrer Schwiegereltern. Sie schließt mit der Frage: „Wo tauchen die in der Statistik auf? Nirgendwo!“

Ihre Befürchtung: Die Zahl der Dortmunder, die mit dem Coronavirus infiziert sind und die die Stadt jeden Tag aktualisiert und veröffentlicht, ist nicht korrekt, weil Fälle wie der ihrer Schwiegermutter nicht mitgezählt werden.

Dr. Frank Renken, Leiter des Gesundheitsamts, kann Sandra Michalewski jedoch beruhigen: Der Fall ihrer Schwiegermutter sei ein sogenannter epidemiologischer Fall, der durchaus vorkomme. Auch so etwas sei meldepflichtig und fließe in die übermittelte Zahl der Corona-Fälle ein. Das erläuterte Renken auf Nachfrage.

Alle Corona-Fälle müssen dem Gesundheitsamt gemeldet werden

Grundsätzlich sind alle Verdachts-, Krankheits- und Todesfälle des Coronavirus meldepflichtig, müssen also dem Gesundheitsamt mitgeteilt werden - das sieht eine Verordnung der Bundesregierung vor. In die Zahlen, die das Gesundheitsamt veröffentlicht, fließen alle Corona-Fälle ein, von denen das Amt bis dato weiß - auch, wenn, wie in diesem Fall, kein Abstrich genommen wurde.

Den Schwiegereltern von Sandra Michalewski geht es übrigens gut, auchh, wenn sie in Quarantäne mussten.

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