„Sie werden am Galgen hängen“: Wie ein Autor mit Hassmails „richtiger Deutscher“ umgeht

Lesung am Immanuel-Kant-Gymnasium

Der „Spiegel“-Autor Hasnain Kazim hat seine Erfahrungen mit Hassmails von Rechten in einem Buch verarbeitet. Am Immanuel-Kant-Gymnasium in Asseln hat er nun aus dem Werk gelesen.

Asseln

von Jana Niehoff

, 20.11.2019, 06:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
„Sie werden am Galgen hängen“: Wie ein Autor mit Hassmails „richtiger Deutscher“ umgeht

Der deutsche Journalist und Buchautor Hasnain Kazim liest aus seinem Werk „Post von Karlheinz – Wütende Mails von richtigen Deutschen und was ich ihnen antworte“. © Jana Niehoff

Die Vorstellung klingt ironisch: „Ein Herzliches Salam Aleikum an alle Anwesenden. Mein Name ist Kalif Kazim und ich möchte die Islamisierung vorantreiben.“ Doch der Mann, der das am Dienstag im Asselner Immanuel-Kant-Gymnasium (IKG) sagte, ist weit davon entfernt, Kalif zu sein. Stattdessen arbeitet Hasnain Kazim für das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ und schreibt Bücher.

Das Zitat ist eine satirische Reaktion auf die Hassmails, die Kazim seit Jahren Tag für Tag erreichen. Hassmails, die er in dem Buch „Post von Karlheinz - Wütende Mails von richtigen Deutschen und was ich ihnen antworte“ verarbeitet hat.

„Mit 16 bekam ich zum ersten Mal Drohbriefe“, erzählt der „Spiegel“-Autor mit indisch-pakistanischen Wurzeln den rund 300 Oberstufen-Schülern des IKG. „Damals traf mich das schwer.“

Heute bekommt Hasnain Kazim jeden Tag Nachrichten von Menschen, die ihm schreiben, er „solle dahin zurückgehen, wo er hergekommen ist“, oder die prophezeien, Kazim werde „am Galgen hängen“, sollte er seine Meinung weiterhin öffentlich äußern.

IKG-Schüler sollen respektvolles Miteinander lernen

„Es scheint schwer zu glauben, aber irgendwann stumpft man ab“, sagt er.

Dass man sich an solche Nachrichten aber nicht gewöhnen darf, ist IKG-Schulleiter Markus Katthagen bewusst.

„Wir müssen den pädagogischen Auftrag erfüllen, die Schüler zu einem Diskurs über Moral und Ethik anzuregen“. Dazu gehöre es, den richtigen Umgangston und ein respektvolles Miteinander innerhalb der Gesellschaft beizubringen.

„Sie werden am Galgen hängen“: Wie ein Autor mit Hassmails „richtiger Deutscher“ umgeht

Mit dem Werk Kazims in der Hand stehen vor dem Schild des Siegels „Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage“ Hasnain Kazim und der Schulleiter des Immanuel-Kant-Gymnasiums, Markus Katthagen. © Jana Niehoff

Dieser Aufgabe dient auch Kazims Vortrag. Eigentlich habe er sein Buch gar nicht schreiben wollen. Als er im Januar 2016 einen Kommentar über die Pegida-Bewegung verfasste, hätten ihn jedoch mehr als 10.000 Hassmails erreicht. Also nahm Kazim sich vor: „Ab jetzt rede ich mit allen“.

Seine Antworten an die „richtigen Deutschen“ sind meist ironisch und sarkastisch; größtenteils witzig. So droht er den Verfassern mit der Rache der Taliban oder kündigt bei Karlheinz, der es sogar in den Titel des Buches geschafft hat, den Besuch seiner Großfamilie samt Reisebus und Kuchen an.

„Sie werden am Galgen hängen“: Wie ein Autor mit Hassmails „richtiger Deutscher“ umgeht

Rund 300 Schüler hörten am Immanuel-Kant-Gymnasium zu, als Hasnain Kazim von seinen Erfahrungen im Umgang mit den Verfassern der Hassmails erzählt. © Jana Niehoff

„Ob mit oder ohne Humor, ich bin überzeugt, dass wir nicht schweigen dürfen“, sagt Kazim. Der Hass sei raumgreifend und allgegenwärtig. „So zu reden ist nicht normal, auch wenn Rechte auf der ganzen Welt es vormachen“, stellt er fest. Deswegen sei es ihm wichtig, dass die Schüler sich Gedanken über ihren Umgangston machten. „Es gibt Grenzen des Sagbaren und die dürfen nicht herabgesetzt werden“.

Hasnaim Kazin will „nie aufhören, mich zu wehren“

Mittlerweile antwortet Kazim auf die Mails nur noch selten. Schweigend den Hass zu akzeptieren sei für ihn aber keine Option: „Ich werde nie aufhören, mich zu wehren“, sagt er.

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