„Blaue Briefe“ soll es in diesem Schuljahr keine geben - Sitzenbleiben soll aber wieder möglich sein. © picture alliance/dpa
Corona-Schuljahr

Sitzen bleiben ohne blaue Briefe: „Es wird böse Überraschungen geben“

Vor „blauen Briefen“ brauchen sich Schüler in diesem Schuljahr in Dortmund wohl nicht zu fürchten. Entwarnung bedeutet das aber nicht. Die Vorsitzende der Stadteltern prophezeit Probleme.

Das vergangene Schuljahr war für Schülerinnen und Schüler eine Herausforderung: Im Wechsel von Präsenz- und Distanzunterricht gingen viele Wochen Schulunterricht verloren – weswegen am Schuljahresende alle automatisch in die nächste Klasse versetzt wurden.

Keine „blauen Briefe“- Sitzenbleiben soll aber möglich sein

Trotz anhaltender Pandemie soll das jetzt in diesem Corona-Jahr anders werden: Zwar werden laut Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) keine „blauen Briefe“ an leistungsschwache Schüler verschickt, das Sitzenbleiben soll allerdings dennoch möglich sein. Aber: Versetzungsgefährdete Schüler werden wohl zusätzliche Nachprüfungen machen können. Das hält der Schulleiter des Immanuel-Kant-Gymnasiums (IKG), Markus Katthagen, für einen guten Kompromiss.

Er betont aber auch, dass noch keine Schulmail diesbezüglich eingegangen sei; eine endgültige Entscheidung und Details dazu gibt es also nicht. Wichtig sei aber, so Katthagen, dass für Schüler jetzt keine Nachteile entstehen. Klar sei aber auch, dass diese ihre Pflichten weiterhin erfüllen müssen.

„Böse Überraschungen wird’s am Ende des Schuljahres geben“

Den Leistungsdruck zu erhöhen, wenn die Versetzung in diesem Schuljahr wieder an die Noten geknüpft werde, hält Stadteltern-Vorsitzende Anke Staar für den falschen Weg. „Böse Überraschungen wird’s am Ende des Schuljahres geben“, warnt sie, wenn die Warnung vor der Versetzungsgefährdung in Form des „blauen Briefes“ ausbleibe und keine ausreichende Kommunikation im Vorhinein zwischen Lehrern, Schüler und Eltern stattfinde.

„Warum wird nicht anerkannt, dass auch dieses Schuljahr kein normales ist?“, fragt Staar. Die Ungleichheit sei größer denn je und die Voraussetzungen nicht für alle Schüler im Distanzunterricht die gleichen. Schon jetzt müsse in stetiger Kommunikation geklärt werden, wie die Erwartungen aussehen und woher „Minderleistungen“ überhaupt kommen, damit Schüler die Chance haben, sich zu verbessern, erklärt Staar. „Sollen womöglich halbe Klassen nach unten versetzt werden?“, fragt sie.

„Fingerspitzengefühl“ bei Notenvergabe

Für die Schüler, die am Ende des Schuljahres zwischen zwei Noten stehen, sei Fingerspitzengefühl gefragt, sagt der IKG-Schulleiter. Im Rahmen der Möglichkeiten werden aber „faire und gerechte Entscheidungen“ getroffen werden, so Katthagen. Die Notenvergabe im Distanzunterricht sei für Lehrer deutlich arbeitsaufwendiger, aber immer begründbar.

In die Note fließen die Ergebnisse der ausgefüllten Arbeitsblätter und die Teilnahme am Videounterricht ein. Vor allem gehe es aber darum, für jeden Schüler individuell den Lernfortschritt und das Bemühen über einen längeren Zeitraum zu sehen: „Ich würde sagen, dass das funktioniert.“

Angebote, um der Situation gerecht zu werden

Dem pflichtet der Schulleiter der Gesamtschule Scharnhorst, Nadim Al-Madani, bei. Schulen werden die Vorgaben aber auch die jetzige Situation bei der Notenvergabe berücksichtigen, sagt er. Präsentationen, Referate oder mündliche Prüfungen können auch zur Notenvergabe im Distanzunterricht beitragen: „Im Zweifelsfall werden Angebote gemacht, um der Situation gerecht zu werden.“

Wie viele Schüler es womöglich aufgrund schlechter Noten im Sommer nicht in die nächste Klasse schaffen werden, können beide Schulleiter auf Nachfrage nicht beantworten. Auch wie viele Schüler die Klasse eventuell freiwillig wiederholen werden, können sie zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht einschätzen. Das soll laut Schulministerin Gebauer aber möglich sein, ohne dass es auf die maximal zugelassene Verweildauer an der Schule angerechnet werde.

„Stellen Sie die Frage noch einmal in drei Monaten“, sagt Al-Madani. Katthagen: „Auch in normalen Jahren ist es schwierig, das vorherzusagen.“

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Volontärin
Ist am Niederrhein geboren und aufgewachsen. Hat Germanistik und Kunstgeschichte studiert und lebt seitdem in ihrer Wahlheimat Bochum. Liebt das Ruhrgebiet und all seine spannenden Menschen und Geschichten.
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