Skandal-Künstler Jonathan Meese kommt ins Theater, gibt dem Dortmunder U aber einen Korb

hzDortmunder U

Jonathan Meese gehört zu den skandalträchtigsten und bekanntesten deutschen Künstlern. Bald inszeniert er am Theater Dortmund. Ein anderer Termin in Dortmund ist dagegen abgeblasen.

Dortmund

, 21.05.2019, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

In seiner letzten Spielzeit als Theater-Intendant ist Kay Voges ein echter Coup gelungen. Jonathan Meese (49), international renommiertes und durch seine provokante Kunst auch umstrittenes Multi-Talent, inszeniert am 15. Februar 2020 das Stück „Lolita (R)evolution (Rufschädigendst) – Ihr Alle seid die Lolita Eurer Selbst!“. Das Theater kündigt ein „Kunst-Spektakel“ an, das mit dem Mythos der Kindfrau Lolita aus Wladimir Nabokovs Roman spielt.

Meese liebt die Provokation. Wegen des Zeigens des Hitlergrußes gab es bereits mehrere Verfahren gegen Meese. Er wurde stets freigesprochen, weil die Handlung durch die Kunstfreiheit gedeckt sei und eine Verspottung und Abgrenzung und kein Bekenntnis zum Nationalsozialismus darstellten.

Aufmerksamkeit ist dem Schauspiel durch das Gastspiel des 49-Jährigen gewiss. Wo Meese inszeniert oder ausstellt, gibt es auch immer Debatten. Denn der 49-Jährige im schwarzen Adidas-Trainingsanzug spielt mit provokanten Symbolen und erhebt die „Diktatur der Kunst“ zum Prinzip.

Im Februar 2018 angekündigte Ausstellung im Museum Ostwall im U-Turm findet nicht statt

Aufmerksamkeit hatten sich auch die Programmmacher im Dortmunder U gewünscht, als sie bereits im Februar 2018 angekündigt hatten: „Künstler Jonathan Meese organisiert Ausstellung im Dortmunder U“. Im Oktober 2019 sollte der Meese die Sammlung des Museum Ostwall neu kuratieren und auf seine Art ein Jahr lang in Szene setzen.

Nun steht fest: Meese kommt vorerst nicht ins U. Dr. Nicole Grothe, Leiterin der Sammlung des Museum Ostwall, sagt auf Anfrage dieser Redaktion: „Das Museum Ostwall im Dortmunder U und der Künstler Jonathan Meese haben sich entschieden, die gemeinsam geplante Neupräsentation der Sammlung im Herbst 2019 nicht umzusetzen, da die anspruchsvolle technische Ausführung der künstlerischen Konzeption zur Zeit nicht realisierbar ist.“

Das Management des Künstlers bestätigt, dass das Projekt mit dem Dortmunder U bereits im vergangenen Herbst abgesagt worden sei.

Künstler und Museum bleiben im Gespräch

Der Künstler und das Museum werden laut Nicole Grothe „im Gespräch bleiben, um die Idee eines gemeinsamen Projektes zu prüfen“. Die Sammlungsetagen des Dortmunder U werden in Kürze umgebaut und sind erst Ende des Jahres wieder nutzbar. Im Dezember wird hier eine von Nicole Grothe kuratierte Sammlungspräsentation mit dem Titel „Body & Soul. Denken, Fühlen, Zähneputzen“ eröffnen.

Meese spricht von sich selbst als „Zustand Jonathan Meese“, der stets nur im Auftrag der Kunst handele. „Der Zustand Jonathan Meese lebt und arbeitet nur noch in er Anti-Realität des Erzstaates Kunst“, heißt es im Impressum seiner Internetseite. Er verwehrt sich gegen jegliche ideologische Auseinandersetzung und die Verbindung seiner Kunst zu realpolitischen oder realhistorischen Zusammenhängen.

Lesen Sie jetzt
Saison 2019/20

Theater Dortmund erwartet einen Wagner-Weltstar und einen Skandalregisseur

Das Theater Dortmund hat den Dicker-schwerer-größer-Wettstreit der Kulturveranstalter der Region gewonnen. Die Saisonbroschüre für die Spielzeit 2019/20 ist eine kiloschwere Kiste. Von Julia Gaß

Lesen Sie jetzt
Halterner Zeitung Feine Sahne Fischfilet

Sänger „Monchi“ im Interview: „Für irgendwelche Nazi-Lappen ist mir meine Zeit zu wichtig“