Bekannter über Skandal-Arzt: „Er hat sich gefühlt wie Gottvater“

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Ein einstiger Bekannter erinnert sich an den ehemaligen Hausarzt aus Wambel und Schwerte. Hareshchandra Shah blendete als schillernde Persönlichkeit viele Dortmunder, die sich gern mit ihm sehen ließen.

Wambel, Schwerte

, 16.04.2020, 11:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

In den Schweizer Medien taucht er in schöner Regelmäßigkeit als „Skandalarzt“ auf – und auch im Ruhrgebiet können sich noch viele Menschen an Dr. Hareshchandra Shah erinnern.

Und das, obwohl der ab 1973 in Wambel und später in Schwerte praktizierende Mediziner Deutschland bereits 2008 den Rücken kehrte und im Schweizer Ort Klingnau eine Praxis eröffnete.

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Nachdem die Ruhr Nachrichten in Zusammenarbeit mit der Aargauer Zeitung darüber berichtet hatten, dass der mehrfach straffällig gewordene Shah dank seines deutschen Passes den Lebensabend eventuell doch in der Schweiz verbringen darf, meldeten sich alte Bekannte in der Redaktion, die den heute 84-Jährigen noch aus seiner Dortmunder Zeit kennen.

Ein Auge auf ihn haben

„Ich wünsche den Schweizer Behörden aus der Ferne alles Gute, sie mögen ein Auge auf ihn haben“, sagt ein ehemaliger Weggefährte, der nicht namentlich genannt werden möchte.

Denn schon zu seinen frühen Zeiten sei Shah eine schillernde Persönlichkeit gewesen – und das nicht nur wegen seiner großen, funkelnden Augen. „Er meinte schon damals, er sei der König“, erzählt der einstige Bekannte, der bei der Lektüre des Artikels bemerkte, „dass alte Erinnerungen sofort wieder hochkamen“.

In diesem Gebäude am Wambeler Hellweg 114, das sich hinter der Park-Apotheke befindet, hat Hareshchandra Shah einst praktiziert.

In diesem Gebäude am Wambeler Hellweg 114, das sich hinter der Park-Apotheke befindet, hat Hareshchandra Shah einst praktiziert. © Andreas Schröter (Archiv)

So hätten sich seinerzeit einige Dortmunder mit der Gesellschaft des aus Indien stammenden Shah geschmückt. Der überaus selbstbewusste Hareshchandra Shah habe große Feste gegeben und sei in der Gesellschaft bestens vernetzt gewesen: „So mancher freute sich, einen prominenten Arzt zum Freund zu haben. Er wurde mit offenen Armen empfangen und hielt sich selbst für Gottvater.“

Ansehen währte nicht ewig

Doch das hohe Ansehen währte nicht ewig. 1999 wurde der Arzt wegen Steuerhinterziehung und Betrugs verurteilt, was ihm sogar mediale Präsenz in der Fernsehsendung „Kennzeichen D“ bescherte.

2009, schon in der Schweiz ansässig, musste sich Shah in Deutschland wegen Vortäuschens einer Straftat und Betrugs erneut vor Gericht verantworten – eine Bewährungsstrafe war die Folge. Auch im Land der Eidgenossen blieb der Senior nicht unauffällig, verkaufte Drogenabhängigen Betäubungsmittel und wurde deshalb 2016 neuerlich verurteilt.

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Gegen die drohende Ausweisung aus dem Alpenstaat wehrte sich Shah juristisch – und darf nach einer Entscheidung des Aargauer Verwaltungsgerichts nun vielleicht tatsächlich dort bleiben. Dem Freizügigkeitsabkommen mit der EU sei Dank.

Dass Shah den Herbst seines Lebens in der Schweiz verbringen könnte, kommentiert sein Bekannter mit einem Augenzwinkern: „Ich drücke dem Land hiermit mein Mitgefühl aus.“

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