So dreckig ist Dortmund – Fastfood und Coffee to Go treiben die Müllgebühren nach oben

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Zu viele Dortmunder gehen nicht gut mit ihrer Stadt um. Sonst gäbe es Aktionen wie „Sauberes Dortmund“ nicht. Bürger räumen weg, was andere wegwerfen. Die Ignoranz hat Folgen für alle.

Dortmund

, 06.02.2020, 05:35 Uhr / Lesedauer: 2 min

Alle Dortmunder sind eingeladen, die Straßen ihrer Stadt vom Müll zu befreien. Bis zum 14. März können sich Gruppen oder Einzelpersonen bei der Aktion „Sauberes Dortmund 2020 – Mach mit!“ anmelden.

In selbst gewählten Bereichen greifen Bürger zur Zange und unterstützen die Mitarbeiter der Entsorgung Dortmund GmbH (EDG). Mehr als 11.000 Dortmunder, darunter rund 7000 Schüler, haben 2019 mitgemacht. Ihr Einsatz scheint dringend notwendig.

Die 19 Tonnen Müll, die im vergangenen Jahr zusammenkamen, sind dabei nur ein verschwindend kleiner Teil der bis zu 20.000 Tonnen Straßenkehricht, die pro Jahr in den Fahrzeugen der EDG landen. Trotzdem hat immer noch jeder Teilnehmer umgerechnet im Schnitt 170 Coffee-to-go-Becher aufgesammelt.

Für die EDG geht es nicht um Mengen, sondern um die Botschaft

Aus Sicht des Entsorgungsunternehmens ist das Verhältnis der Müll-Mengen nicht der entscheidende Punkt. Sprecherin Petra Hartmann sagt: „Es geht um die Vorbildwirkung und darum, darauf hinzuweisen, dass das achtlose Wegwerfen nicht richtig ist.“

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Denn Petra Hartmann teilt eine Wahrnehmung mit vielen Dortmundern: Viele Menschen gehen immer nachlässiger mit ihrer Umwelt und öffentlichem Eigentum um. „Littering“ („litter“ ist englisch für Abfall) nennt sich dieses Phänomen in der Fachsprache.

Die hohe Zahl der illegalen Müllkippen (Kostenfaktor: bis zu 640.000 Euro pro Jahr), zugemüllte Containerstandorte, Abfall im Straßengrün, Kippen und Kaugummis auf der Straße sind weitere Erscheinungen dieser Entwicklung. „Das Kleinteilige wirkt sich in der Masse negativ auf das Bild der Stadt aus“, sagt Petra Hartmann.

To-go-Kultur und Fast-Food-Verpackungen haben Folgen für Stadtbild

Die für die Sauberkeit der Stadt verantwortlichen Menschen beobachten einen gesellschaftlichen Wandel. So habe sich etwa das Ess- und Freizeitverhalten in den vergangenen Jahren geändert.

Petra Hartmann sagt: „Es gibt viel mehr Convenience-Produkte und Fast-Food-Verpackungen. Das Essen und Trinken unterwegs hat es vor einigen Jahren in der Masse nicht gegeben. Die Menschen halten sich mehr draußen auf, zu anderen Zeiten als früher.“ Das habe ganz konkrete Folgen für die Straßensauberkeit.

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Klassische Reinigungszeiten verschieben sich. Und da es mehr kleinteiligen Müll gibt, feiert der eigentlich schon freundlich wegrationalisierte Beruf des Straßenfegers gerade eine Rückkehr. Maschinen erwischen eben doch nicht jedes Burger-Papier.

Folge: Die Reinigung wird personalintensiver und teurer. Das wiederum spüren alle Gebührenzahler. Die Gebühren für Müllentsorgung und Straßenreinigung gehen seit zehn Jahren ohne Ausnahme nach oben.

Gegenargument mancher Dortmunder: Ich zahle die Gebühren, die EDG ist für die Sauberkeit verantwortlich

Es gibt Dortmunder, die nicht einsehen, dass sie selbst mithelfen sollen, den Abfall anderer wegzuräumen. Ihr Argument gegenüber der EDG: „Ich bezahle die Gebühren und ihr seid für die Sauberkeit verantwortlich.“

Petra Hartmann betont, dass dies weiter der Fall bleibe und es bei Bürgeraktionen wie „Sauberes Dortmund“ nicht darum gehe, Arbeit loszuwerden. Sondern darum, das Bewusstsein für die Straßensauberkeit zu schaffen.

Dass da noch Hoffnung ist, zeigt die Entwicklung von „Sauberes Dortmund“. Die Zahl der Teilnehmer hat sich seit der Premiere 2013 verdoppelt. Zahlreiche Kitas und Schulen machen mit.

Es haben sich in vielen Stadtteilen feste Patenschaften für bestimmte Orte entwickelt. Da gibt es den Mann, der einen kleinen Park in Huckarde pflegt. Das Ehepaar, das sich um eine Grünfläche an der B54 kümmert. Oder den Verein, der die Felder in Holthausen sauber hält.

AKTION SAUBERES DORTMUND

So können Sie mitmachen

  • Anmeldeformulare gibt es unter www.edg.de/sauberesdortmund.
  • Sie können ausgefüllt eingereicht werden per Mail an edgaktion@edg.de, per Fax (0231/9111-96999) oder per Post (EDG, Abt. 3.2, Sunderweg 98, 44147 Dortmund)
  • Telefonische Anmeldung unter 0231/9111-999 (montags bis donnerstags von 8 bis 16 Uhr, freitags von 8 bis 14 Uhr).
  • Am 25. April (Samstag) gibt es eine große gemeinsame Abschlussveranstaltung.
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