So gefährlich ist es nachts in einem Naturschutzgebiet in Dortmund

hzKriminalität in Dortmund

Dass er beim Spaziergang durch ein Naturschutzgebiet angegriffen wurde, war für Klaus Michel schon schlimm genug. Was er aber bei der Polizei erlebte, machte ihn fassungslos.

Wischlingen

, 29.11.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Zugegeben, es klingt skurril – und das ist die folgende Geschichte wohl auch. Klaus Michel (65) hat ein besonderes Verhältnis zur Natur. Aufgewachsen in Wischlingen, fühlte er sich sein Leben hingezogen zum Naturschutzgebiet Hallerey. Doch seit etwa einem Jahr sind die Spazierwege in dem Feuchtgebiet zu einem Angstraum für ihn geworden.

Klaus Michel braucht nach eigenen Angaben nur wenig Schlaf, deshalb zieht es ihn nachts, gerne um 4 Uhr, nach draußen. In der Stille der Morgenstunden fühlt er sich mit der Natur verbunden. Für ihn eine Art Meditation.

Ein Schlag in den Rücken

Doch leider ist Klaus Michel selbst zu dieser Zeit nicht alleine in dem Naturschutzgebiet. Im Sommer 2018, damals litt der pensionierte Gärtner noch unter dem Grünen Star und konnte sich nur anhand der Laternen orientieren, wurde er Opfer eines Überfalls. Unvermittelt bekam er einen Schlag in den Rücken, stürzte zu Boden und sah nur noch einen wegfahrenden Radfahrer mit einer gelben Weste. Damals konnte er sich noch nicht sicher sein, ob es Absicht oder ein Unfall war.

Kein Interesse bei der Polizei

Doch dieser Vorfall wiederholte sich. Mehrfach wurde Michel mittlerweile von hinten angegriffen, sodass er bis heute keine Beschreibung des Angreifers geben kann – immer ein Faustschlag in den Rücken.

Klaus Michel ist ein eher passiver Charakter. Erst als es seinem Bruder Alfred Michel (68) in der vergangenen Woche zuviel wurde, gingen die beiden zur Polizei.

In der Wache Huckarde hatten die beiden aber ein mehr als entmutigendes Erlebnis. Der dortige Beamte zeigte laut Alfred Michel kein Interesse an dem Fahrradfahrer, der nachts im Naturschutzgebiet einen alten Mann niederschlägt.

Kapitulation gegenüber der Gewalt

Stattdessen stellte der Polizist den „gesunden Menschenverstand“ des Senioren infrage, so Klaus Michel, im Dunkeln spazieren zu gehen. Die beiden Brüder verstanden den Polizisten so, dass man mit solchen Zwischenfällen zu rechnen habe, wenn man zu diesen Uhrzeiten spazieren gehe.

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Als Alfred Michel diese Kapitulation gegenüber der Gewalt kritisierte, soll der Polizist pampig geantwortet haben, man solle ihm nicht seine Arbeit erklären.

Schockiert von dieser Zurückweisung und überzeugt davon, dass man in Dortmund nicht damit rechnen müssen sollte, dass man nachts Gewaltopfer wird, wendeten sich die beiden an diese Redaktion.

Beamte muss sein Verhalten erklären

Die Pressestelle der Polizei leitete den Vorfall sofort an das Beschwerde-Management der Polizei und den Wachleiter in Huckarde weiter. Das hat zwei Folgen. Die Mitarbeiter des Huckarder Streifendienstes werden den Bereich Hallerey nun intensiver im Auge behalten und der betroffene Beamte muss zu den Vorwürfen Stellung beziehen.

Dafür gibt es allerdings festgelegte Fristen. Polizeisprecherin Cornelia Wiegandt rechnet erst für Januar mit einem Ergebnis des Vorganges.

Klaus Michel spielt unterdessen mit dem Gedanken, sich mit Pfefferspray auszustatten, denn auf seine nächtlichen Spaziergänge wird er nicht verzichten.

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