Gastronomie im Lockdown: Macht Außer-Haus-Verkauf Sinn?

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Dortmunder Gastronomen haben Zelte bestellt, die sie jetzt im November nicht nutzen dürfen. Wegen des Lockdowns erhalten sie ihr Geld vom Staat. Der Außer-Haus-Verkauf spaltet die Branche.

Dortmund

, 04.11.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Er hat viel getan, um den Betrieb in seinem Biergarten-Restaurant Tante Amanda in Westerfilde nahe der Stadtgrenze zu Castrop-Rauxel auch im Herbst und Winter gut aufrecht erhalten zu können. Angesichts der Beschränkungen in der Corona-Pandemie hat „Bubi“ Leuthold ein großes Glaszelt auf der Terrasse aufbauen lassen. Es schafft 60 Plätze - bei großzügigem Abstand.

„Ich habe das Glaszelt für vier Monate gemietet und kann es nun nicht nutzen. Es ist bitter, aber ich kann jetzt nur abwarten, wann ich das erste Mal dort Gäste bewirten kann“, sagt „Bubi“ Leuthold Ende Oktober.

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Am anderen Ende der Stadt, in Sölde, wurde Dirk Lagemann schon deutlicher. „Ich halte mich an alle Infektionsschutzmaßnahmen und habe auch für draußen ein Zelt mit bis zu 30 Plätzen und einige Infrarotstrahler gekauft. Und jetzt wird mir der Geschäftsbetrieb verboten, davon halte ich gar nichts“, sagt Dirk Lagemann, der die Dorfschänke Sölde betreibt.

SPD-Politikerin: „Kann den Unmut verstehen“

Seine Nachbarin in Sölde ist die SPD-Bundestagsabgeordnete Sabine Poschmann. „Ich kann den Unmut bei vielen Unternehmern über die erneute Schließung von Gastronomie, Sport, Kultur- und Freizeiteinrichtungen sehr gut nachvollziehen“, erklärt die Politikerin.

„Oberste Priorität hat jedoch, dass Kitas und Schulen offen bleiben können, damit Familien nicht wieder in Notsituationen kommen. Um den Anstieg der Infektionen zu bremsen und so die Gesundheitsversorgung Erkrankter weiter zu gewährleisten, ist es daher zwingend nötig, Kontakte im Freizeitbereich zu begrenzen.“

Dirk Lagemann im Tresenbereich der Dorfschänke Sölde in Dortmund

Dirk Lagemann im Tresenbereich der Dorfschänke Sölde. Seit Mai 2019 ist er Pächter der Gaststätte. Auf Gäste muss er in diesem Monat wieder verzichten. © Jörg Bauerfeld

Die stellvertretende wirtschaftspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion verweist auf die angekündigte Unterstützung: „Wir werden Unternehmen, Einrichtungen und Vereine, die unter der Schließung im November leiden, nicht im Regen stehen lassen.“

Der Bund stellt zehn Milliarden Euro zu Verfügung, um betroffene Betriebe für die Ausfälle zu entschädigen. Die Hilfszahlungen sehen vor, dass Unternehmen mit bis zu 50 Mitarbeitern 75 Prozent des Umsatzes aus dem November 2019 erstattet bekommen. „Restaurants werden beispielsweise eine relativ gute Summe erhalten, da der November in der Regel ein starker Umsatzmonat für die Gastronomie ist“, erläutert Poschmann.

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Während viele Gastronomen, so ist es aus der Branche zu hören, die 75-prozentige Ausgleichzahlung nehmen und nichts machen, halten „Bubi“ Leuthold und Dirk Lagemann einen Außer-Haus-Service aufrecht. „Es muss ja weitergehen. Der Verkauf läuft schon. Es ist egal, ob die Einnahmen daraus wieder von der Ausgleichzahlung abgezogen werden. Mir ist wichtig, dass wir den Kundenkontakt halten“, sagt Leuthold.

Gastronom hält das Personal: „Abstriche mache ich bei mir“

„Es sollte nicht passieren, dass diese Einnahmen wieder abgezogen werden. Mit dem Lieferservice sind ja auch keine großen Umsätze zu machen. Das mache ich für meine Gäste. Die honorieren das und bleiben mir erhalten“, so Dirk Lagemann. Verluste habe er dieses Jahr auch schon genug macht, weil er aufgrund der Abstandsregelung über weniger Plätze verfügte. Noch könne er den Koch und eine Servicekraft bezahlen. „Die Abstriche mache ich bei mir“, sagt er.

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Noch ist nicht im Detail klar, wie und wann der Umsatzausfall im Monat November abgerechnet wird. Ihrem Nachbarn und allen anderen Gastronomen sagt Sabine Poschmann: „Wir setzen uns dafür ein, dass Einnahmen aus Essensauslieferungen nicht auf die Bundeshilfe angerechnet werden.“

Sabine Poschmann (SPD) aus Dortmund will sich in Berlin dafür einsetzen, dass die Gastronomen die Einnahmen aus einem Außer-Haus-Verkauf nicht von der versprochenen Staatshilfe abgezogen bekommen.

Sabine Poschmann (SPD) will sich in Berlin dafür einsetzen, dass die Gastronomen die Einnahmen aus einem Außer-Haus-Verkauf nicht von der versprochenen Staatshilfe abgezogen bekommen. © dpa

Immerhin: Die Stadt Dortmund will jetzt die Möglichkeiten schaffen, Außengastronomie auch im Winter zu betreiben – wenn denn der Lockdown Ende November beendet ist. Mit zwei wichtigen Lockerungen will die Stadt den Aufenthalt im Freien auch im Winter möglich machen: Sie erlaubt mobile Windschutzelemente und Veranstaltungszelte. Einen entsprechenden Beschluss hat der Verwaltungsvorstand am Dienstag (3.11.) getroffen

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