Hans Oldenwurtel hatte 45 Jahre lang einen eigenen Stand auf dem Dortmunder Wochenmarkt. Anfang des Monats hat er die Inhaberschaft weitergegeben, ist aber am 5. Mai immer noch fleißig am Verkaufen. © Bastian Pietsch
Corona-Schutzverordnung

So hart hätte ein Markt-Verbot Dortmunds Blumenhändler getroffen

In einigen Städten in NRW waren Blumenhändler zeitweise nicht mehr auf Wochenmärkten erlaubt. An Dortmund ging das vorbei - auch dank einer Entscheidung der Stadtverwaltung.

Auch in Dortmund gab es vermutlich besorgte Mienen, als erste Städte in NRW beschlossen, keine Stände von Blumenhändlern mehr auf Wochenmärkten zuzulassen. Gerade in der Muttertagswoche wäre ein solches Verbot für die Händlerinnen und Händler schlimm gewesen. Auch dank einer Entscheidung der Stadtverwaltung blieb den Dortmunder Markt-Händlern das jedoch erspart.

Generell war es ein eher kurzlebiges Verbot, geboren aus der neuen Corona-Schutzverordnung NRW, die an das neue Bundes-Infektionsschutzgesetz angepasst werden musste und einer Unklarheit in eben diesem Bundesgesetz: Manche NRW-Städte, darunter auch Köln, verbannten Blumenhändler von Wochenmärkten. Andere Kommunen, darunter auch Dortmund, taten das nicht. Viele nahmen die Entscheidung schnell zurück.

Es war ein Verbot, das auf eine Art und Weise entstanden ist, wie man es sich in der ohnehin komplexen Pandemie-Lage sicher nicht wünscht. Und das Dortmunder Markthändler empfindlich getroffen hätte.

Eine der wichtigsten Wochen für Blumenhändler

„Für die Blumenhändler ist die Muttertagswoche eine der wichtigsten, vom Umsatz her“, sagt Hans Oldewurtel. Er verkauft seit über 40 Jahren Blumen auf dem Hansamarkt, hat die Inhaberschaft seines Standes erst Anfang Mai weitergegeben. „Die Blumenhändler“, sagt er, „sind auf diese Woche unbedingt angewiesen.“

Hinzu komme, das Blumen verderblich seien. „Das wäre eine Katastrophe gewesen mit hohen Verlusten. Die Ware, die vorbestellt worden war, musste ja abgenommen werden und die hätte man dann wegschmeißen können.“

Von dem Verbot in anderen Städten erfahren, habe Oldenwurtel zunächst von Kollegen. Viele Markthändler sind in der Region gut vernetzt. „Auf jeden Fall hatte ich Sorge“, sagt er, „dass das in Dortmund auch zutreffen könnte. Aber Gott sei Dank war das ja nicht der Fall.“

Niels Schulte, Sprecher der Händler auf dem Hansamarkt betont ebenfalls, wie schwierig es sei, solche Verbote spontan umzusetzen. In anderen Städten seien Händler erst am Montag informiert worden, dass sie in dieser Woche nicht auf dem Markt stehen würden.

„Nicht rechtlich haltbar“

Den Dortmunder Händlern blieb das erspart, weil die Dortmunder Stadtverwaltung eine eigene Entscheidung getroffen hat. Sie teilt auf Anfrage mit, die Stadt habe den entsprechenden Erlass des NRW-Gesundheitsministeriums vom 29. April „von Anfang an als nicht rechtlich haltbar eingestuft“.

Er sei aus Sicht der Verwaltung nicht mit dem Infektionsschutzgesetz in Einklang zu bringen und es habe entsprechenden Klärungsbedarf gegeben. „Wir haben daher die Blumenhändler weiter auf den Märkten belassen.“

Inzwischen gibt es auch ein Schreiben des Landes und ein Statement von Gesundheitsminister Laumann, die sagen: Blumenhändler dürfen auf die Wochenmärkte. Bleibt zu hoffen, dass diejenigen, die zeitweise von dem Verbot betroffen waren, ihre Blumen noch nicht entsorgt haben.

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Redaktion Dortmund
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