So intensiv erlebte Dortmund die Mondlandung vor 50 Jahren mit

hzApollo-Mission

Dortmund war im Mondfieber, als die Apollo-11-Mission am 20. Juli 1969 landete. Damals wurde sozusagen das Public Viewing erfunden: So viele Fernseher waren in Dortmund eingeschaltet.

Dortmund

, 20.07.2019, 11:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Thomas Wassmuth kann sich noch gut daran erinnern, wie und wo er die Mondlandung erlebt hat. Nach dem Besuch einer Freundin im Krankenhaus blieb der damals 18-Jährige dort an der Pförtnerloge hängen. „Da lief die Übertragung im Fernsehen“, berichtet der Dortmunder. Bis tief in die Nacht blieb er dort, um die ersten Schritte von Apollo-Astronaut Neil Armstrong auf dem Mond zu erleben. „Das konnte ich mir nicht entgehen lassen“, sagt Wassmuth.

So intensiv erlebte Dortmund die Mondlandung vor 50 Jahren mit

Thomas Wassmuth erlebte die Mondlandung vor 50 Jahren als Besucher in einem Krankenhaus. Heute ist er im Astronomischen Verein aktiv, der die Volkssternwarte im Westfalenpark betreibt. © Privat

Wie ihm ging es vielen Dortmundern, die im Juli 1969 im Mondfieber waren. Auch die Zeitungen hatten schon Tage vorher auf das Jahrhundert-Ereignis eingestimmt - etwa mit einer Geschichte über die Bewohner des Hauses am Apolloweg 11 in Berghofen oder über den aus Asseln stammenden Raumfahrt-Ingenieur Heinz Guth, der als Teil des Nasa-Teams in Kap Kennedy an den Vorbereitungen der Mondmission beteiligt war.

Das erste globale Fernsehereignis

Ausführlich wurde dann auch der Mondflug im Juli 1969 von Anfang an begleitet. Das begann schon mit dem Raketenstart am 16. Juli. „Ab 14.25 Uhr klingelte kein Telefon. Es herrschte Ruhe vor dem Start. Beschäftigte unterbrachen wichtige Tätigkeiten, Passanten placierten sich vor aufgestellten Fernseh-Apparaten, um den Beginn des Mondfluges mitzuerleben“, berichteten die Ruhr Nachrichten am 17. Juli auf der ersten Lokalseite.

Zu lesen war auch, dass das Fernsehtechniker-Handwerk in den Tagen vorher alle Hände voll mit der Reparatur von Fernsehern zu tun hatte. Und das nicht nur in Dortmund. Die Mondlandung vor 50 Jahren galt als das erste globale Fernsehereignis. Geschätzt eine halbe Milliarde Menschen weltweit erlebten vor allem die Mondlandung am 20. (beziehungsweise wegen verschiedener Zeitzonen 21.) Juli am Bildschirm mit.

Das Apollo-Sonderstudio

In Deutschland waren ARD und ZDF live dabei. Das Erste sendete 28 Stunden aus dem Apollo-Sonderstudio mit Moderator Günter Siefarth.

Um von Anfang bis Ende dabei zu sein, brauchten die Fernsehzuschauer Kondition: Die Mondfähre „Eagle“ (Adler) landete am Sonntagabend um 21.18 Uhr mitteleuropäischer Zeit, um 3.56 Uhr in der Nacht betrat dann der Astronaut Neil Armstrong als erster Mensch den Mond und sprach seinen denkwürdigen Satz vom „riesigen Sprung für die Menschheit“.

So intensiv erlebte Dortmund die Mondlandung vor 50 Jahren mit

Ein Bild, das um die Welt ging:; Apollo 11-Astronaut Buzz Aldrin steht neben der US-Flagge auf dem Mond. © dpa

Wie sehr die Dortmunder davon gefesselt waren, zeigen Zahlen, die die Ruhr Nachrichten zusammentrugen. Energieversorger VEW habe in der Nacht der Mondlandung etwa 20 Mega-Watt mehr Strom als in anderen Nächten geliefert. „Nach den Ermittlungen der VEW lag der Höhepunkt zwischen 3.30 Uhr und 4.45 Uhr. Geschätzt wird, dass etwa 140.000 TV-Geräte eingeschaltet waren.“

„Die Beamten in der Funkleitstelle des Polizeipräsidiums konnten den Ausstieg der Astronauten in aller Ruhe am Fernsehschirm beobachten“, heißt es weiter. „Von 3.46 Uhr - zehn Minuten, bevor Neil Armstrong den Mond betrat - bis kurz nach 4 Uhr blieben die Telefone still.“

Extrablatt für Frühaufsteher

Wer als Frühaufsteher das Ereignis nicht live verfolgen konnte, wurde ebenfalls bestens informiert. Ab 5.30 Uhr wurden in der Innenstadt und am Hauptbahnhof 120.000 Extrablätter der Ruhr Nachrichten mit der Schlagzeile „Erster Schritt auf dem Mond“ verteilt und fanden reißenden Absatz. Schließlich kam dieses Ereignis für die eigentliche Morgenausgabe zu spät. „21.18 Uhr auf dem Mond gelandet“, lautete am 21. Juli die Titelzeile.

So intensiv erlebte Dortmund die Mondlandung vor 50 Jahren mit

So berichteten die Ruhr Nachrichten am 21. Juli 1969 über die Mondlandung. © RN-Archiv

Für viele Dortmunder war die Mondnacht ein einschneidendes Erlebnis. Auch für Thomas Wassmuth, der heute Vorstandsmitglied im Astronomischen Verein in Dortmund ist. Der Verein betreibt die Volkssternwarte im Westfalenpark und hat sich nun unter anderem mit der Gestaltung eines Posters mit der Mondlandung vor 50 Jahren beschäftigt. „Für viele Menschen, die den Tag erlebt haben, ist selbst heute noch diese erste Mondlandung ein bewegender Moment“, heißt es da.

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