So ist es in Dortmund um den Klimaschutz bestellt

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Dortmund hat den Klimaschutz nicht erst seit Greta Thunberg entdeckt. Der Strom wird grüner, Häuser verbrauchen weniger Energie, die Wirtschaft arbeitet sauberer. Doch bei einer Sache hakt’s.

Dortmund

, 20.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Auch wenn das bislang nicht im Fokus der Bürger stand, kümmert sich die Stadt nicht erst seit Greta Thunberg um den Klimaschutz. Schon seit 2011 arbeitet sie an ihrem Handlungsprogramm Klimaschutz 2020. Seitdem ist der Stromverbrauch der privaten Haushalte zurückgegangen, die Wärmeversorgung der Wohngebäude effizienter geworden und der Anteil der Erneuerbaren Energien wie Fotovoltaik und Umweltwärme gestiegen.

Aktuell arbeitet DSW21 an der Wärmewende in der Dortmunder Innenstadt und investiert bis 2023 hundert Millionen Euro, um das Fernwärmenetz zu erneuern und künftig mit industrieller Abwärme zu speisen. So werden jährlich rund 45.000 Tonnen CO2 eingespart.

Strukturwandel war ein Turbo bei CO2-Minderung

Das ist auch notwendig; denn das 2011 selbst gesteckte Klimaschutzziel, die CO2-Belastung auf der Basis von 1990 um 40 Prozent bis 2020 zu senken, hat die Stadt nicht ganz erreicht. Prozentual entfallen laut städtischer CO2-Bilanz 35 Prozent der meisten Treibhausgas-Emissionen auf den Wirtschaftssektor, 34 Prozent auf den Sektor privater Haushalte und 29 Prozent auf den Verkehrsbereich. Während in der Wirtschaft aufgrund des Strukturwandels die CO2-Emissionen seit 1990 um 47 Prozent zurückgegangen sind, sind die des Verkehrs in den vergangenen fast 30 Jahren in etwa gleich geblieben.

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Auf Handlungsprogramm Klimaschutz 2020 folgt Handlungsprogramm Klimaschutz 2030, das am 4. Juli vom Rat beschlossen wurde. Danach soll der Treibhausgas-Ausstoß analog zu den Klimaschutzzielen der Bundesregierung bis 2050 gegen Null gehen. Dazu beitragen sollen weiterhin energetische Altbausanierungen, der Ausbau Erneuerbarer Energien, mehr Ökostrom und E-Mobilität. Auch eine nachhaltige Landwirtschaft und Ernährung sollen helfen, die Emissionen zu verringern.

Das muss laut Dortmunder Klimaschutzbündnis geschehen:

Die Stadt müsse zwei Anpassungsstrategien entwickeln, sagt Thomas Quittek, Dortmunder Sprecher des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und Mitbegründer des Dortmunder Klimaschutzbündnisses. „Erstens muss die CO2-Belastung reduziert werden, und zweitens müssen wir das Wasser in der Stadt halten“ – Ziele, die sich mit denen der Stadt decken.

Aktuell beträgt der CO2-Ausstoß pro Kopf in Dortmund hochgerechnet 7,5 Tonnen. Um die Klimaschutzziele von Paris zu erreichen, müsste man bis 2030/2035 auf 2,5 Tonnen pro Kopf kommen, so Quittek. Die CO2-Minderung könne die Stadt über die Stadtplanung steuern.

CO2 macht aber nicht am Stadtrand halt. Deshalb könnte die Stadt entscheiden, über ihre Aktien beziehungsweise Beteiligungen an den Energiekonzernen RWE und Steag aus der Kohle auszusteigen – auch eine Forderung des Dortmunder Klimaschutzbündnisses.

Beim Verkehr müsse eine drastische Umkehr erfolgen, verlangt das Bündnis und denkt dabei an barrierefreie Trassen für den Radverkehr, etwa durch den Bau von Brücken über die Ruhrallee und die Hohe Straße.

Um das Wasser im Stadtgebiet zu halten und das Leben bei erhöhten Temperaturen vor allem für Ältere, chronisch Kranke und Kleinkinder erträglicher zu machen, brauche die Stadt mehr Grün, zum Beispiel auf Dächern, sagt Quittek. Dazu müssten auch alte Bebauungspläne angepasst werden. Es gelte, Naturschutzgebiete zu vernetzen und eine Landwirtschaft mit bodenschonender Bearbeitung zu betreiben.

Das kann jeder einzelne tun:

Der einzelne Bürger hat verschiedene Handlungsmöglichkeiten. Die kosten allerdings Bequemlichkeit und sind unter Umständen teuer. Er kann sich beim Wohnen kleiner setzen und so weniger Energie verbrauchen, vom Auto aufs Fahrrad sowie Bus und Bahn umsteigen, als Vegetarier weniger CO2 verursachen und einen Stromanbieter wählen, der auf fossile Energiebeteiligungen verzichtet.

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