Nach Wahlempfehlung der Grünen: Die Reaktionen der anderen Parteien

hzOB-Stichwahl

Die Grünen in Dortmund haben sich für eine Wahlempfehlung entschieden, das Rennen ums Rathaus ist wieder völlig offen. Wir haben die Reaktionen der anderen Parteien eingeholt.

Dortmund

, 23.09.2020, 18:20 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit der Wahlempfehlung der Grünen verändert sich kurz vor der Stichwahl die Ausgangslage im Rennen um das höchste Amt der Stadt. Andreas Hollstein (CDU) kann nun mit Rückenwind in den Endspurt mit seinem SPD-Kontrahenten Thomas Westphal gehen.

Wir haben uns umgehört bei den Spitzenkandidaten der anderen Parteien. Wie schätzen sie die Wahlempfehlung der Grünen für Hollstein ein und was für mögliche Konsequenzen ziehen sie aus der Empfehlung?

Linke: Die Empfehlung "wird auch in der Basis strittig sein"

Utz Kowalewski (Die Linke) wiegelt Gedankenspiele ab: "Eine Wahlempfehlung ist erst einmal Sache der Grünen, wir haben uns ja vergangenen Montag dafür entschieden keine Wahlempfehlung auszusprechen."

Dabei solle es auch bleiben, ein Oberbürgermeister von der CDU stelle für ihn politisch nicht unbedingt eine große Veränderung dar: "Wir hatten beispielsweise beim Haushalt in den letzten Jahren ja schon immer eine rot-schwarze Zusammenarbeit."

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Es sei ohnehin nicht entscheidend, was die Parteien sagen, sondern was die Wähler sagen. Und Kowalewski ist sich unsicher, ob die Wähler der Grünen der Empfehlung ihrer Partei so einfach folgen werden: "Eine Empfehlung für die CDU ist ja schon strittig und wird auch in der Basis strittig sein."

FDP: "Beide Kandidaten sind respektable Persönlichkeiten"

Auch Michael Kauch möchte sich nicht festlegen: "Die FDP gibt keine Wahlempfehlung ab", sagt er. Stattdessen vertraue man den eigenen Wählern, eine kluge Entscheidung zu treffen: „Beide Kandidaten sind respektable Persönlichkeiten.“

Ob die rechnerische Mehrheit im Rat, die FDP, Grüne und CDU zusammen haben auch genutzt wird, "werden die Gespräche zeigen, die zwischen der Stichwahl und der Einberufung des neuen Rates zu führen sind". Der FDP gehe es dabei um "die Inhalte, die wir im Wahlkampf vertreten haben".

AfD: Ein "trojanisches Pferd, ein grün-roter Hengst"

Heiner Garbe (AfD) sieht in der Empfehlung der Grünen den Beweis dafür erbracht, dass es sich bei der CDU um ein "trojanisches Pferd, einen grün-roten Hengst" handele. Für ihn ist die Empfehlung nur "konsequent", denn "im Grunde ist es das, was die CDU schon auf Bundesebene anstrebt. (...) Die wollen sich jetzt mit den Grünen ins Bett legen und die Basis scheint nun auch zu denken, dass die Zeit dafür reif ist."

"Ob der Oberbürgermeister jetzt von der CDU kommt oder der SPD ist völlig nebensächlich", meint Garbe: „Die CDU ist nicht mehr die alte CDU, der alte Charakter der CDU ist verloren.“ Aufgabe der AfD sei es nun "unsere Politik danach auszurichten".

Die Partei: "Jetzt müssen sich die Wähler halt mit den Folgen rumplagen"

Olaf Schlösser (Die Partei) hadert wohl noch etwas mit dem Ausgang der Wahl: "Wir werden keine Wahlempfehlung aussprechen, wir hatten selbst eine Top-Oberbürgermeister-Kandidatin, jetzt müssen sich die Wähler halt mit den Folgen rumplagen."

Auch Die Partei hat, wie die FDP, drei Sitze im Rat und könnte Grün-Schwarz zu Mehrheiten verhelfen. Angesprochen auf eine mögliche Zusammenarbeit sagt Schlösser: "Grundsätzlich sind wir bei Schwarz-Grün raus," aber nicht ohne sich ein Hintertürchen offen zu lassen: "Wir würden uns aber vielleicht von dem ein oder anderen Antrag überraschen lassen."

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