Sonniger Sommer: Boskop und Goldrenette sind in 2020 besonders gut

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Schwieringhausen ist ein Obstparadies. Auf neun städtischen Wiesen stehen Obstbäume. Einfach leerpflücken darf man die Bäume nicht. Ein Streuobstwiesen-Betreuer macht aber ein Angebot.

Schwieringhausen

, 03.09.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die roten Bäckchen der Äpfel stahlen in der Abendsonne. Ein wenig Fallobst liegt bereits im Gras. Wenige Meter weiter wachsen Birnen. 50 Bäume stehen hier unweit von Dortmund-Ems-Kanal und Autobahn A2. Spätsommer auf einer Schwieringhauser Streuobstwiese.

Es ist eine von neun Flächen hier am nordöstlichen Rand des Stadtbezirks Mengede an der Stadtgrenze zu Lünen. In Süddeutschland würde man sie wohl mit dem germanischen Wort Anger bezeichnen: grasbewachsenes Land.

Die Streuobstwiese in Schwieringhausen sind ein Ökosystem: Schafe weiden im Gras,...

Die Streuobstwiese in Schwieringhausen sind ein Ökosystem: Schafe weiden im Gras,... © Uwe von Schirp

Werner Locker betreut eine 7000 Quadratmeter großes Stück Land hinter seinem Haus am Marksweg. Lange verpönt und vernachlässigt, sind Streuobstwiesen heute wieder verbreitet. Das Grundstück gehört wie die anderen Wiesen nebenan der Stadt. Zäune und ein Tor verschließen sie. Die Stadt will damit ein kommerzielles Pflücken und damit plündern der Früchte verhindern.

Seit zehn Jahren weiden Schafe

Werner Locker gehörte vor 20 Jahren zu den Initiatoren der Schwieringhauser Streuobstwiesen. „Ich habe mich bereit erklärt, sie zu pflegen“, erklärt er. Damals gehörte noch das regelmäßige Mähen des Angers dazu. „Seit 2010 haben wir eine Schafbeweidung.“

... im hinteren Teil stehen Bienenstöcke und...

... im hinteren Teil stehen Bienenstöcke und... © Uwe von Schirp

Früher dienten Streuobstwiesen der Nahrungsmittel- und Vitaminversorgung der ärmeren Landbevölkerung. Heute haben sie vor allem einen ökologischen Nutzen. „Sie haben die höchste Punktzahl im ökologischen Ausgleich“, sagt Locker. Genügsam stehen die Schafe auch an diesem Abend im Gras.

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Ganz im hinteren Teil des Areals stehen Bienenstöcke. in einigen Bäumen hängen Nistkästen. Die Streuobstwiese ist ein Ökosystem. 50 Bäume wachsen allein auf dem von Werner Locker betreuten rechtwinkligen Grundstück fern ab der wenigen Schwieringhauser Häuser und der Straßen: Kirsche, Apfel, Birne, Pflaume, Zwetschge, Quitte, aber auch ein Walnuss- und ein Maronenbaum.

Einladung zur Ernte

2018 war ein Apfel-Jahr. 1,2 Tonnen Äpfel erntete Werner Locker. Es sind allesamt alte Sorten wie der Boskop oder die Goldrenette. Locker brachte sie zu Scheipers Mühle nach Brechten und ließ daraus Saft pressen. Der Schwieringhauser Saft ging in den Verkauf.

... in den Bäumen hängen Nistkästen.

... in den Bäumen hängen Nistkästen. © Uwe von Schirp

„In diesem Jahr sind die Äpfel durch die Sonne besonders gut“, sagt Werner Locker. Eigentlich wollte er jetzt im Spätsommer einen Streuobstwiesen-Tag veranstalten. Dafür sind ihm allerdings die Auflagen durch die Corona-Schutzverordnung zu hoch.

Die Quitten sind erst im November reif für die Ernte.

Die Quitten sind erst im November reif für die Ernte. © Uwe von Schirp

Er hat eine Alternative: „Jeder, der etwas haben will, soll sich etwas holen kommen“, sagt er. „Man kann mich anrufen, einen Termin vereinbaren und dann zwei Stunden pflücken. Nach einer halben Stunde Pause kommen dann die nächsten.“ Die Wiese kommt damit ihrem historischen Zweck wieder etwas näher – als Vitaminquelle für die Bevölkerung.

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