Spanier war kein Don Juan am Klavier

17.01.2008, 18:56 Uhr / Lesedauer: 1 min

Von Orchestern mit jungen Musikern, besonders Studierenden, ist man ein frisches, temperamentvolles und lebendiges Spiel gewohnt. Das Sinfonieorchester des Orchesterzentrums ist anders: Es präsentierte sich am Mittwoch im Konzerthaus hochkonzentriert und verhalten in der Darstellung von Schwung. - Mit dem 72-jährigen George Alexander Albrecht (Foto) stand ein Dirigent am Pult, der das Orchester zügelte und in erster Linie auf Präzision bedacht war.

In Brahms 1. Sinfonie - ein Beitrag zum 175. Geburtstag des Komponisten in diesem Jahr - ging sein Konzept auf. Sorgsam ausmusiziert hörte man das Werk, obwohl die langsamen Tempi etwas zu bedächtig wirkten. Im Verlauf der vier Sätze blühte das Orchester immer mehr auf, entwickelte im Finale einen runden, süffigen Streicherklang und viele spannungsvolle Momente. Der 2. Satz hatte ein schönes Violinsolo der guten Konzertmeisterin. Strawinskys Pulcinella-Suite zu Beginn braucht mehr als den konzentrierten Blick auf ein rhythmisch exaktes Zusammenspiel, das zum Teil mustergültig gelang - wie im Duett zwischen Bässen und Posaunen. Der zündende Funke fehlte hier und schnellere Tempi.

Begleitqualitäten hat das Orchester, das durch große Fluktuation nur in kurzen Arbeitsphasen zu einem homogen Ensemble zusammenwachsen kann. Die hörte man in Chopins 2. Klavierkonzert mit Angel Cabrera, Student der Meisterklasse von Boris Bloch an der Folkwang Hochschule Essen, als Solisten. Wie ein Don Juan sah der Spanier mit seinem Zopf am Klavier aus, präsentierte sich aber ganz und gar nicht als Draufgänger an den Tasten. Sehr lyrisch, mit weichem Anschlag spielte der 30-Jährige das Konzert. Mehr Kammermusiker als ein Solist, der Brillanz in den Vordergrund rückt, ist Cabrera. - Ein technisch perfekter Pianist und einer mit viel Klangfantasie, was auch in der Zugabe von Debussy zu hören war. JG

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