Die jüngste Vorsitzende eines Dortmunder SPD-Ortsvereins kommt aus Berghofen

hzSPD in Dortmund

Das Ergebnis der SPD in Dortmund bei der Europawahl war ein Desaster. Die einstige SPD-Stadt ist plötzlich Grün. Für die Sozialdemokraten muss sich etwas ändern - die Jugend soll’s richten.

Berghofen

, 04.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Es müssen Veränderungen her, das haben die Genossen in den Ortsvereinen erkannt. Die SPD befindet sich im freien Fall. Was tun? In Berghofen setzt man auf die Jugend. Hier ist Jana Hövelmann mit 24 Jahren die jüngste Ortsvereinsvorsitzende in Dortmund. Wir haben mit ihr gesprochen - über ihre Ziele und warum sie nicht zu den Grünen gehen wollte.

Hallo Frau Hövelmann, wie fühlt man sich als jüngste Ortsvereinsvorsitzende der SPD in Dortmund?
Ich bin schon stolz. Es sind ja hauptsächlich ältere Genossinnen und Genossen im Ortsverein Berghofen. das man mir das Vertrauen geschenkt hat und mir die Führung auch zutraut, finde ich klasse.

Wie war überhaupt das Abstimmungsergebnis?
Einstimmig, bis auf meine eigene Enthaltung.

Um mal eine Schublade aufzumachen. Jetzt verkörpern Sie ja nicht gerade den SPD-Ortsvereinsvorsitzenden, wie man ihn sich im Ruhrgebiet vorstellt. Sie sind jung und weiblich. Wie kamen Sie dazu zu kandidieren?
Ich bin im Juli 2013 in die SPD eingetreten. Es war so, dass eine Genossin, die stellvertretende Vorsitzende war, erkrankte. Dann hat mit der damalige Vorsitzende Ewald Schumacher gefragt, ob ich mir das vorstellen könnte. Und jetzt ging es darum, jemanden als seinen Nachfolger zu finden und das konnte ich mir auch vorstellen.

Sind sie eigentlich familiär vorbelastet in Sachen Politik?
Nein, tatsächlich ist meine Mama auch vor zwei Jahren in die SPD eingetreten, ist jetzt Kassiererin im Ortsverein und kandidiert für die Bezirksvertretung.

Wie sind Sie zur Politik gekommen?
Ich hatte auf dem Gymnasium Sowi als Leistungskurs. Politik hat mich immer interessiert. Und nach dem Abi habe ich gedacht, irgendwas musst du jetzt auch mal machen und Ideen einbringen.

Und wie kommt man dann auf die SPD?

Die Partei stand mir von den Inhalten her am nächsten.

Irgendwie hätte ich Sie eher in Richtung Grüne eingestuft...
Klar, der Klimaschutz ist mir natürlich auch sehr wichtig. Aber er muss sozialgerecht sein. Der wird uns nicht gelingen, wenn‘s es sich letztlich nicht jeder leisten kann. Und das geht ja im Alter weiter. Man muss ja auch da zurechtkommen.

Wie hat denn Ihr erster Kontakt zur SPD stattgefunden?
Ich habe mir das Parteiprogramm angeschaut und hab dann den allgemeinen Online-Antrag ausgefüllt und plötzlich stand auf einmal der erste Vorsitzende des Ortsvereins Berghofen, Ewald Schumacher, vor der Tür.

Ist mit einer jungen Ortsvereinsvorsitzenden auch die Hoffnung verbunden, dass nun auch Jüngere den Weg zur SPD finden?
Wir hoffen es. Es zeigt ja auch, dass die älteren Genossen offen sind für Erneuerungen. Ich habe vor ein paar Jahren im Ortsverein auch mit Facebook angefangen. Und da haben alle auch mitgemacht.

Was sagt denn Ihr Freundeskreis zu Ihrem politischen Engagement?
Die wussten das ja alle schon länger. Die finden es gut, aber es kann sich nicht jeder für sich vorstellen.

„Werben“ Sie auch welche für die SPD an?
Nein, in meinem Freundeskreis wäre das auch schwierig. Klar, man redet drüber, aber es gibt da eher mehr die, die für die Grünen sind.

Was haben Sie für berufliche Ziele?
Ich möchte Richterin werden. Ich habe jetzt mein erstes Staatsexamen in Jura abgeschlossen. Darauf möchte ich mich jetzt auch erst einmal voll konzentrieren.

Bleibt da noch Zeit für Hobbys?
Nicht viel. Ich treibe gerne Sport und habe jetzt auch einen kleinen Hund. Einen Zwergspitz, Ritchi. Der ist auch immer bei den Veranstaltungen mit dabei.

Was wünschen Sie sich für die SPD?
Wir müssen die Glaubwürdigkeit wiedergewinnen. Die ist uns verloren gegangen. Es braucht konkrete Beschlüsse und da muss einfach auch jeder hinter stehen. Auch im Hinblick auf den kommenden Kommunalwahlkampf. Das wäre das Schlimmste, wenn wir da nicht mehr stärkste Partei sind.

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