Spektakuläre Überfälle in Dortmund und Werne - Täter gingen eiskalt und professionell vor

hzStaatsanwaltschaft Essen

Nach einer Diebstahlsserie im halben Land mit mehr als 2,6 Millionen Euro Beute steht die mutmaßliche Geldtransporter-Bande bald vor Gericht. Tatorte lagen auch in Dortmund und Werne.

Essen/Dortmund/Werne

, 12.06.2019, 14:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein umlackierter Geldtransporter, ein Generalschlüssel für Geldautomaten und jede Menge wertvolles Insiderwissen sollen einer Gruppe von sieben Angeklagten aus Recklinghausen, Marl und Köln zu einem Leben in Saus und Braus verholfen haben. Nachdem die mutmaßliche „Geldtransporter-Bande“ im Dezember 2018 festgenommen werden konnte, hat die Essener Staatsanwaltschaft jetzt Anklage erhoben.

Sechs Männer und eine Frau angeklagt

Die geschilderten Abläufe lassen die angeklagten Coups als solche von echten „Meisterdieben“ erkennen – professionell, eiskalt und minutiös geplant.

Angeklagt sind sechs Männer (25,25,26,26,27 und 44) und eine 21-jährige Frau. Kopf der Gruppierung soll einer der beiden 25-jährigen Männer aus Recklinghausen gewesen sein. Er fungierte laut Anklage als Ideengeber, Organisator und Planer.

Dem ältesten Mitangeklagten schreibt die Staatsanwaltschaft buchstäblich eine Schlüsselfunktion zu. Der 44-Jährige soll als anfangs noch aktiver Mitarbeiter eines Sicherheitsunternehmens aus Recklinghausen entscheidendes Insiderwissen über mögliche Schwachstellen weitergegeben haben. Außerdem soll er Zugriff auf Sicherheitscodes und vor allem Generalschlüssel für Geldautomaten sowie Geldtransporter gehabt haben.

Geldtransporter-Coup war Thema bei „Aktenzeichen XY“

Den wohl spektakulärsten Coup soll die Gruppe im Dezember 2017 bei einer Supermarktkette in Gronau verübt haben. Der nachgestellte Fall war Ende 2018 Thema in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY ... ungelöst“. Als falsche Geldboten verkleidet und mit Hilfe eines imitierten „Fake-Geldtranporters“ einer Sicherheitsfirma war laut Anklage ein echter Millionen-Coup gelungen. Der umlackierte, mit Magnetfolie, Aufklebern und mit einer Doublette eines tatsächlich existierenden Kennzeichens versehene Sicherheits-Transporter hatte offenbar so täuschend echt ausgesehen, dass ein Supermarkt-Mitarbeiter den Tätern nichtsahnend eine Geldkiste mit 1,8 Millionen Euro übergeben hatte.

Geldtransporter am Dortmunder Stadthaus leergeräumt

Ein Jahr zuvor hatte die Gruppe laut Anklage an der Dortmunder Kleppingstraße trickreich zugeschlagen. Während zwei Sicherheitsmitarbeiter gerade einen Geldautomaten im Stadthaus befüllten, schlossen nach Erkenntnissen der Ermittler drei der männlichen Angeklagten heimlich mit einem Nachschlüssel das abgestellte Geldfahrzeug auf, entriegelten die Schleusen, öffneten mehrere Plomben und stahlen Bargeld im Wert von 521.372,51 Euro.

In Werne sollen die Angeklagten ein halbes Jahr später erneut mit Hilfe eines Schlüssels groß abgeräumt haben. Am 23. Juni 2017 sollen sie gezielt nur wenige Stunden nach einer Auffüllung des Postbank-Geldautomaten an der Alten Münsterstraße mit einem Generalschlüssel, den der 44-jährige „Insider“ den Tätern zuvor übergeben haben soll, exakt 254.000 Euro erbeutet haben.

Fünf von sieben Angeklagten sitzen in U-Haft

Die Essener Staatsanwaltschaft wirft einem der Angeklagten zudem noch einen Raubüberfall auf eine Schmuckhändlerin in Mönchengladbach vor. Der 25-Jährige und zwei bislang unbekannte Mittäter sollen der Frau zu Hause aufgelauert, ihr Pfefferspray ins Gesicht gesprüht und ihr Schmuck im Wert von 300.000 Euro geraubt haben.

Der 21-jährigen Frau wird darüber hinaus Geldwäsche vorgeworfen, weil sie mindestens 50.000 Euro aus der Beute ihres mitangeklagten Ex-Freundes für den gemeinsamen luxuriösen Lebensstil (Nobel-Autos, Luxushotels, Designerkleidung) verprasst haben soll.

Fünf von sieben Angeklagten sitzten in U-Haft. Ein Termin für den Prozess vor dem Essener Landgericht steht noch nocht fest. Voraussichtlich soll die Verhandlung im August beginnen. Verteidiger Hans Reinhardt (Marl), der den angeklagten „Insider“ vertritt, rechnet mit einem „umfangreichen und aufwendigen Verfahren“.

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