Spiel mit Licht und Schatten

6400 Menschen verdienen in Dortmund ihr Geld in der Kultur- und Kreativwirtschaft. Einige dieser "kreativen Köpfe" stellen wir in unserer Serie vor. Heute: Karsten Winkels vom Architekturbüro Winkels & Partner.

06.01.2008, 17:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

St. Reinoldi und das Stadthaus erstrahlten zum 1125-jährigen Jubiläum der Stadt Dortmund in einem ganz anderen Licht. Eine spezielle Beleuchtung hob die Besonderheiten der Architektur hervor. Das Lichtkonzept ist den Köpfen von Karsten Winkels und seinem zehnköpfigen Team vom Architekturbüro Winkels & Partner entsprungen. Doch das dürften für die kreativen Köpfe eher Fingerübungen gewesen sein. Denn aus dem etwas verwunschenen Hinterhof an der Leibnizstraße in der Nordstadt sind schon ganz andere Projekte hervorgegangen.

Leuchtendes Motto

Für Dresden haben die Dortmunder die komplette Masterplanung für eine neue Lichtgestaltung entworfen. "Wir haben ein neues Beleuchtungskonzept abgestimmt mit der Landesdenkmalpflege entwickelt", erzählt Winkels. Bei der Nordlichter-Aktion spielte das Büro mit Licht und Schatten in der Nordstadt. Seitdem leuchtet das Motto "Im Norden geht die Sonne auf" an dem Dogewo-Haus an der Heiligegartenstraße.

Winkels & Partner blicken längst über städtische und deutsche Grenzen hinaus. In Dubai soll das Büro Hochhäuser illuminieren, in Moskau ein Hotel am Roten Platz. Wie kommt man an solche internationalen Projekte? "Über viele persönliche Kontakte und ein Netzwerk von Planungsbüros", so der 48-jährige gebürtige Lüdenscheider, der nach seinen Studium Dortmund und der Nordstadt treu lieb.

Als er sich 1990 gemeinsam mit seiner Frau Elke selbstständig machte, "waren wir noch ein klassisches Städtebau- und Architekturbüro". "Licht im öffentlichen Raum wurde meist rein technisch betrachtet", erinnert sich Winkels. Doch als er Aufträge für die Gestaltung von Fußgängerzonen bekam, begann er Sitzbänke und Leuchten zu entwerfen. So führte der Weg des Architekturbüros immer mehr in Richtung Lichtplanung. Winkels Vision: "Ich wollte emotionales Licht in die Städte bringen."

Von ihm entwickelte Leuchten sind schon längst in die Serienproduktion gegangen, der Entwurf "Tienda" illuminiert etwa die gesamte Bochumer Innenstadt. Winkels installierte im Jahr 2002 erste energiesparende LED-Großleuchten in New York und kassierte dafür einen Designpreis, einen von vielen. Für die Leuchte Faro (Foto), die blendfreie, symmetrische, indirekte Beleuchtung bietet, sowie für LED-Lichtfliesen gab es den renommierten "red dot award". Leuchten aus dem Hause Winkels werden von außen das künftige Porsche-Museum ins Licht setzen.

Winkels hält sich bei seiner Planung immer an eine Maxime: "Form und Funktion sind gleichberechtigt." Eine Straßenleuchte soll in der Nacht für Sicherheit sorgen, aber auch am Tag gut ausschauen. So sieht sich Winkels auch nicht als Lichtkünstler, sondern eher als "Interpret" der Wünsche, die vom Kunden an ihn herangetragen werden.

Für die Leuchten gibt es einen eigenen kleinen Modellbau, die "Erlkönige", wie man die Prototypen nennt, werden 1:1 im Hof aufgebaut. Die Hess AG in Willingen stellt die Leuchten dann in Serie her. 150 verschiedene Designs, so schätzt der Architekt, hat er in den letzten sieben Jahren entworfen. 2500 Winkels-Leuchten dürften pro Jahr weltweit aufgestellt werden.

Friedensplatz

In Dortmund würde Karsten Winkels liebend gern den Friedensplatz lichttechnisch überarbeiten. "Eine akzentuierte Beleuchtung ist dort im Moment nicht möglich." So mussten für die spezielle Illumination des Stadthauses zum Stadtjubiläum die anderen Lichtquellen auf dem Platz ausgeschaltet werden. Noch. kiwi

www.winkels-partner.com

Spiel mit Licht und Schatten

<p>Mit einer spektakulären Aktion am Dogewo-Hochhaus wurde die Nordlichter-Aktion im vergangenen Jahr eröffnet. Die Lichtplanung stammt von Winkels & Partner. RN-Archivfoto Reminghorst</p>

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