Ein Mann wird gegen Corona geimpft. In Dortmund sind nach Angaben der Stadt bisher über 700.000 Dosen verimpft worden. © dpa (Symbolbild)
Statistischer Unterschied

Stadt Dortmund zählt fast 30.000 Corona-Impfungen mehr als die KVWL

Wie viele Corona-Impfungen gab es bisher in Dortmund? Dazu gibt es zwei sehr unterschiedliche Zahlen. Die Stadt zählt fast 30.000 Impfungen mehr als die KVWL. Korrekt ist keine der beiden. Warum?

Die Corona-Pandemie ist auch eine Zeit der Zahlen: Waren Statistiken vorher eher eine Sparten-Angelegenheit für Experten, beschäftigen sich plötzlich breite Bevölkerungsschichten mit ihnen. Zu wichtig sind Daten wie Inzidenzen und Impfquoten momentan für das alltägliche Leben.

Und so kommt es, dass eine Lücke zwischen zwei Statistiken, die in normalen Zeiten nur eine Fußnote in einem Fachaufsatz wäre, plötzlich eine eigene Nachricht ist.

KVWL zählt 678.000 Impfungen, die Stadt Dortmund 706.000

Es geht um die Anzahl der bisher verabreichten Corona-Impfungen in Dortmund. Während die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) bis zum Dienstag (17.8.) insgesamt knapp 678.000 Erst- und Zweitimpfungen zählte, waren es im täglichen Corona-Update der Stadt Dortmund am gleichen Tag fast 706.000 an – das sind immerhin rund 28.000 Impfungen mehr.

Die Lücke erklärt sich, wenn man sich genauer anschaut, wie die Zahlen zustande kommen. Die KVWL berücksichtigt für ihre Statistik lediglich die Impfungen in Arztpraxen, im Dortmunder Impfzentrum und durch mobile Teams, die unter anderem in Seniorenheimen impfen.

In der KVWL-Statistik fehlen hingegen alle Impfungen durch Krankenhäuser, Betriebs- und Privatärzte. Insofern könne sie „nur einen Teil des Impfgeschehens abdecken“, schreibt die KVWL auf ihrer Internetseite. „Die vollständigen Zahlen […] liegen uns nicht vor.“

Das ist auch das Problem der städtischen Statistik. Zusätzlich zu den Daten der KVWL verfügt sie aber immerhin noch über die Impf-Zahlen aus den Krankenhäusern der Stadt.

Zahl der Krankenhaus-Impfungen geht zurück

Das heißt im Umkehrschluss: Die Lücke zwischen den beiden Statistiken ist gleichbedeutend mit der Anzahl der Erst- und Zweitimpfungen, die bisher in Dortmunds Kliniken verabreicht worden sind. Es sind genau 27.931.

Der Anteil der Krankenhaus-Impfungen an der Dortmunder Impfkampagne ist bisher sehr überschaubar: Momentan liegt er bei vier Prozent – Tendenz fallend.

Denn viel Potenzial gibt es dort nicht mehr: Die meisten Klinikmitarbeiter sind längst geimpft, im Knappschaftskrankenhaus Brackel liegt die Quote beispielsweise bei 95 Prozent. Patienten und Patientinnen wird dort eine Impfung nur dann angeboten, wenn sie langfristig stationär behandelt werden.

Entsprechend langsam wachsen auch die Impfzahlen aus Dortmunds Kliniken: Seit Ende Juli kamen nur knapp 100 Impfungen dazu – ein winziger Bruchteil der über 43.000 Impfungen insgesamt in diesem Zeitraum.

Komplette Zahlen hat allein das RKI

Wie viele Menschen tatsächlich in Dortmund bisher geimpft wurden, weiß nur das Robert-Koch-Institut. Ihm melden auch die Betriebs- und Privatärzte ihre Impfungen. Doch diese Zahlen veröffentlicht das RKI nur auf Bundesland-Ebene und nicht aufgeschlüsselt nach Kommunen.

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Redaktion Dortmund
1984 geboren, schreibe ich mich seit 2009 durch die verschiedenen Redaktionen von Lensing Media. Seit 2013 bin ich in der Lokalredaktion Dortmund, was meiner Vorliebe zu Schwarzgelb entgegenkommt. Daneben pflege ich meine Schwächen für Stadtgeschichte (einmal Historiker, immer Historiker), schöne Texte und Tresengespräche.
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