Starkes Konzert von der Balladen-Queen Anne Haigis

hzHansa-Theater

Ihre große Zeit hatte Anne Haigis in den 1980er-Jahren. Mit starker, variabler Jazz-Stimme reißt sie auch heute noch mit. Wie im Hansa-Theater.

Hombruch

, 10.03.2019, 14:41 Uhr / Lesedauer: 2 min

Zwei silberne Ständer mit je fünf weißen, brennenden Kerzen und eine Stange mit bunten Blumen bilden den optischen Rahmen für ein außergewöhnliches Konzert. Ansonsten benötigt Anne Haigis, die von Niclas Hauke am E-Piano ebenso exzellent begleitet wird wie als Backroundsänger, nicht viel.

Eine Akustikgitarre reicht ihr als Begleitinstrument. Die Wahl-Bonnerin mit schwäbischem Akzent lässt letzten Freitag einzig ihre starke, sehr variable Stimme wirken. Der intensive Gesang erzeugt Gänsehautgefühle. „Ich liebe Balladen“, gesteht sie. „Heavy Songs mit heavy Texten.“

Wider Rassismus und Krieg

So singt sie in „Nur ein paar Tage“ vom Trennungsschmerz, in „Emily im Park“ von einer schwarzen Südafrikanerin, die in Stuttgart lebt und es dort als größtes Glück empfindet, auf einer weißen Bank im Schlosspark zu sitzen. „Das war für sie in Südafrika undenkbar“, weist Anne Haigis auf die Rassendiskriminierung am Kap hin. Mit „No man´s land“, das von Tony Carey geschriebene und bereits 1989 gemeinsam mit Eric Burdon gesungene Lied über Flüchtlinge, ist sie aufgrund der weltweit gewaltsamen Konflikte heute aktueller denn je. Wie mit „St. Teresa“, der Song über einen Mann, der in der Todeszelle auf Vollstreckung seines Urteils wartet und auf Beistand von Mutter Teresa hofft.

Anne Haigis, die mit englischsprachigem Jazz begann, anschließend viel auf Deutsch sang, gesteht: „Ende der 80er-Jahre habe ich getrotzt, wollte kein Deutsch mehr singen.“ Jetzt strebe sie zurück. „Ich versöhn´ mich immer mehr mit den vier Alben der 80er.“ So trägt sie, entgegen dem aktuellen Album „15 Companions“ mit meist englischen Songs, im Hansa-Theater viele Lieder in Deutsch vor.

Lebensfrohe Botschaften

Allen voran ihren Hit „Kind der Sterne“ sowie „Papa“ und „Nacht aus Glas“ von Trude Herr. Die Lieder der 1991 verstorbenen Schauspielerin und Sängerin („Niemals geht man so ganz“) intoniert die gebürtige Schwäbin sehr dramatisch, bietet so eine emotionale Herr-Hommage.

„Einmal in italienisch singen“, erfüllt sie sich zudem einen Traum. „Un soffio caldo“ von Zucchero, ihrem Lieblingssänger aus Italien, intoniert sie in Originalsprache. Und auch ihr „absolutes Lieblingslied“ darf an einem solch eindringlichen Abend nicht fehlen: „Waltzing Matilda“ in der Version von Tom Waits. Da sind sie dann wieder: die Gänsehautgefühle beim mitgehenden, singenden und vor allem lang anhaltend klatschenden Publikum.

Doch Haigis kann nicht nur Balladen. Auch Lebensfrohes wie „Live is wonderful“ übermittelt sie nach zwei intensiven, farbig illuminierten Stunden. Diesen beendet sie, ihre Fans im Zuschauerraum dirigierend, mit „Good night“.

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