Bürgerdienste zu: „Wann bekomme ich jetzt einen neuen Termin?“

hzWarnstreik

Keine Kfz-Anmeldung, keine Ausweise abzuholen: Wegen des Warnstreiks im öffentlichen Dienst blieb die Bezirksverwaltungsstelle Lütgendortmund dicht. Das ärgerte vor allem Bürger mit Termin.

Lütgendortmund

, 01.10.2020, 18:05 Uhr / Lesedauer: 2 min

Angelika Wolf hatte schon so eine Ahnung, sagt sie. Nämlich: Dass es nichts wird heute mit ihrem Termin in der Bezirksverwaltungsstelle Lütgendortmund. Sie steht direkt vor dem Amtshaus am Heinrich-Sondermann-Platz. Das Gitter ist zu. Ein weißer Zettel, DIN A4, flattert an den Stäben. Handschriftlich steht da geschrieben: „Diese Dienststelle wird bestreikt.“

Ihr Mann habe heute Morgen noch vom Streik im öffentlichen Dienst gelesen. Aber ob er die Verwaltungsstellen trifft, sei unklar gewesen, sagt Angelika Wolf. Also habe sie sich einfach mal auf den Weg gemacht von Germania aus. Zehn Minuten mit dem Auto. „Das geht ja noch“, sagt die Rentnerin. Überpünktlich war sie da, 13 Uhr wäre ihr Termin gewesen. Kurz vor halb eins steht sie schon vor dem verschlossenen Gitter.

Drei Ausweise wollte Angelika Wolf abholen

Ausweise wollte sie abholen, sagt die 63-Jährige. Einen für sich, einen für ihren Mann und einen für ihre Enkelin. Sie ist 19 und lebt bei Oma und Opa. Die Ausweise für sie und ihren Mann seien nicht so dringend, die alten seien noch gültig. Aber der von der Enkelin sei bereits abgelaufen.

Verständnis habe sie auf jeden Fall für den Streik, sagt Wolf. Und dafür, dass man so einen Streik merken muss. „Sonst hat er ja keine Wirkung“, so die Rentnerin. Trotzdem: „Enttäuscht“ sei sie auch, weil es so lange gedauert habe mit dem Termin. „Jetzt muss ich erstmal gucken, ob und wann ich einen neuen bekomme“, sagt sie. Zum Glück sei sie Rentnerin und habe Zeit. Ihre Enkelin hätte sich extra frei nehmen müssen, um den Ausweis abzuholen. Da wäre es noch ärgerlicher gewesen, wenn sie vor verschlossener Tür gestanden hätte.

Protestzug durch die Innenstadt

Nicht nur in der Bezirksverwaltungsstelle in Lütgendortmund ging heute nichts. Auch die Außenstellen in Huckarde, Hombruch und Aplerbeck blieben geschlossen. 81 Kitas öffneten nicht. Bis zu 1000 Erzieherinnen und Stadt-Angestellte zogen zeitweise durch die Dortmunder Innenstadt, um mehr Lohn und bessere Arbeitsbedingungen zu fordern. Die Bürgerdienste in der Innenstadt dagegen haben mit leichten Einschränkungen gearbeitet.

Jetzt lesen

Das aber half dem Dortmunder nicht, der kurz nach Angelika Wolf vor dem Amtshaus in Lütgendortmund stand: Dass er jetzt wieder einen neuen Termin braucht, darüber sei er „ein bisschen mehr als sauer“, sagt er. Er ist eigens mit seiner Betreuerin gekommen. 13.10 Uhr wäre sein Termin gewesen. Und jetzt das. Sein Ausweis sei schon seit März abgelaufen. Eigentlich hatte er für Anfang April einen Termin, erzählt er. Dann kam Corona. Danach habe er lange keinen Termin bekommen und jetzt ausgerechnet am Tag des Streiks.

Seine Betreuerin bleibt gelassen: „Ich mache gleich morgen einen neuen Termin“, sagt sie und schlägt vor, jetzt einfach noch einen Kaffee trinken zu gehen.

Jetzt lesen

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt