Verdi-Streik: Sportverein kann Corona-Fall nicht bei der Stadt melden

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Ein großer Sportverein wollte am Donnerstag einen Corona-Fall melden und wissen, wer in Quarantäne muss. Doch die Hotline der Stadt war nicht besetzt - eine Stimme vom Band bat um Verständnis.

Dortmund

, 01.10.2020, 16:35 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als besorgte Eltern am Donnerstagmorgen (1. Oktober) der Geschäftsstelle des TSC Eintracht Dortmund telefonisch mitteilten, dass ihr Sohn - ein aktives Eintracht-Mitglied - positiv auf Corona getestet worden war, wussten sich die Vereinsverantwortlichen zunächst gut aufgestellt. Schließlich hatten sie im Vorfeld alle Vorschriften eingehalten. Doch wenig später folgte die Ernüchterung: Die Corona-Hotline der Stadt, bei der die Eintrachtler die weitere Vorgehensweise erfragen wollten, war nicht besetzt.

„Vielen Dank für Ihr Verständnis“

Wer am Donnerstag diese Hotline anrief, hörte ausschließlich eine Frauenstimme vom Band: „Die Stadtverwaltung Dortmund ist zurzeit telefonisch aufgrund eines Warnstreiks nicht erreichbar. Vielen Dank für Ihr Verständnis. Auf Wiederhören.“ Gemeint war der Streik der Gewerkschaft Verdi.

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Doch allzu viel Verständnis bringt Andreas Kranich, Vorstand Öffentlichkeitsarbeit beim TSC, für die fehlende Erreichbarkeit der städtischen Corona-Experten nicht auf. „Wir wollten bei der Hotline um Rat fragen“, sagt Kranich, „und waren sehr erstaunt, dass das nicht ging.“

Mitarbeiter umgehend informiert

Nachdem die Eintracht-Mitarbeiter von der Infektion des Mitglieds erfahren hatten, drehten sich zunächst einmal die Räder im Verein: Der Abteilungsleiter wurde ebenso umgehend informiert wie der Trainer des Jugendlichen. Und auch die Kontaktpersonen des Infizierten seien schnell ermittelt gewesen, sagt Kranich: „Wir sind verpflichtet, bei allen Aktivitäten Teilnehmerlisten zu erstellen. Und um schnell reagieren zu können, werden diese Listen bei uns zentral gesammelt.“

Wer muss in Quarantäne?

Anschließend ging es darum, das weitere Vorgehen zu erfragen - bei besagter Hotline. Unter anderem wollte der Verein wissen, wer sich nun in Quarantäne begeben müsse. Doch das erwies sich bereits am Vormittag als ein vergebliches Unterfangen. Für Kranich nur schwer nachvollziehbar: „Dabei ist das doch ein sehr sensibles Thema - gerade in Zeiten, in denen die Zahlen wieder steigen.“

„Wir wissen nicht, wo der Warnstreik zuschlägt“, begründet Stadtsprecher Michael Meinders die Nichterreichbarkeit der Hotline - und bei Warnstreiks gebe es grundsätzlich keine Notdienste. Stattdessen sollten Betroffene eine E-Mail an die Adresse hotline-corona@stadtdo.de schicken: „Die wäre noch am selben Tag bearbeitet worden.“

E-Mail-Adresse nicht zu finden

Doch auch dabei tut sich ein Problem auf: Besagte E-Mail-Adresse ist auf der Homepage des Gesundheitsamtes kaum zu finden. „Die müsste doch eigentlich direkt unter der Telefonnummer stehen“, findet Kranich, der somit den Eltern des Jugendlichen nur einen Tipp geben konnte: „Ich habe ihnen empfohlen, sich an das Robert Koch-Institut oder den Hausarzt zu wenden.“

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