Sturz an der Westfalenhalle: Schneiderin aus Kirchhörde macht DSW21 verantwortlich

hzDortmunder Stadtwerke

Im Herbst 2019 stürzte die Schneiderin Yasmin Elges an den Westfalenhallen. Seitdem richtet sie Vorwürfe an die DSW21, die sich nun zu Wort meldet.

von Marc Dominic Wernicke

Kirchhörde, Westfalenhalle

, 18.01.2020, 06:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit drei Monaten streitet die Schneiderin Yasmin Elges aus Kirchhörde mit der DSW21 um die Verantwortung für einen Unfall.

Dieser soll sich laut Elges Anfang Oktober 2019 an der Bus- und Bahnhaltestelle neben den Westfalenhallen ereignet haben. Die 54-Jährige war dort auf dem Weg zu ihrem Schneideratelier in der Dortmunder Innenstadt.

An der überdachten Haltestelle sei Elges auf einer regennassen Bodenfliese ausgerutscht und auf ihr Knie gefallen. Das Knie war zu dieser Zeit bereits von einem früheren Sturz Anfang Juli 2019 schwer verletzt.

Verdienstausfall nach zwei Unfällen

Eine Zeugin für den Sturz im Oktober habe Elges. „Die Busfahrerin hat das gesehen und sagte mir, dass sie sowas immer wieder beobachtet“, schildert Elges. Die Bodenplatten seien aufgrund des undichten Daches nass gewesen.

Ein Warnschild, das sonst auf diese Gefahr hinweist, sei am besagten Tag nicht vorhanden gewesen.

Yasmin Elges stammt aus Äthiopien und kam 1985 nach Deutschland. Hier vollendete sie eine Ausbildung zur Schneidermeisterin und betreibt seitdem ihren eigenen Betrieb.

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In Folge ihrer Unfälle hat Yasmin Elges ihre langjährige Stammkundin und Freundin Gisela Nillies mit der Korrespondenz gegenüber Ärzten, Behörden und der Berufsgenossenschaft betraut. Auch mit der DSW21 steht die 71-jährige Rentnerin seitdem in Kontakt.

„Allgemeines Lebensrisiko“

„Am 21. November 2019 habe ich eine erste Antwort der DSW21 bezüglich des Unfalls an den Westfalenhallen erhalten“, berichtet Gisela Nillies und zitiert aus dem Schreiben, das der Redaktion vorliegt.

Sturz an der Westfalenhalle: Schneiderin aus Kirchhörde macht DSW21 verantwortlich

1985 kam die gebürtige Äthiopierin Yasmin Elges nach Deutschland. Anfang der 1990er-Jahre präsentierte sie im Juweliergeschäft Rüschenbeck eine Perlenausstellung. © (Repro) Marc D. Wernicke

„Eine Verkehrssicherungspflichtverletzung liegt nicht vor“, schrieb die DSW21 an die Rentnerin. In dem „bedauerlichen Sturz“ ihrer Freundin habe „sich das allgemeine Lebensrisiko verwirklicht“, für das keine Haftung des Unternehmens gegeben sei.

Da Yasmin Elges in Folge der Unfälle bis Herbst 2019 nicht arbeiten konnte, seien ihr schwere finanzielle Engpässe entstanden. Im Auftrag ihrer Freundin schrieb Gisela Nillies daher Anfang Dezember 2019 erneut an die DSW21. Eine Antwort, datiert auf den 20. Dezember, legte sie der Redaktion am 17. Januar 2020 vor.

Sturz an der Westfalenhalle: Schneiderin aus Kirchhörde macht DSW21 verantwortlich

Yasmin Elges' Vertraute Gisela Nillies kümmert sich im Auftrag ihrer Freundin um den Schriftverkehr mit der DSW21. © Marc D. Wernicke

Darin erklärt die Prokuristin der DSW21-Rechtsabteilung, Petra Bohle, sie könne „in der Sache keine Haftungsverpflichtung von DSW21 erkennen“.

Der Eingangsbereich der U-Bahn-Haltestelle an den Westfalenhallen unterliege einer „starken Frequentierung durch Fahrgäste, die den Zustand der Örtlichkeit zwangsläufig beeinflussen“.

Die Rechtsprechung habe in derartigen Fällen entschieden, „dass eine Verkehrssicherung, die jede Schädigung ausschließt, nicht gefordert werden kann“. Eine Haftung der DSW21 müsse aus diesem Grund abgelehnt werden.

„Die Situation ist nicht gut gelaufen und ich fühle mich unfair behandelt, weil niemand für meinen Unfall verantwortlich sein will“, erklärt Elges der Redaktion am 17. Januar.

Neuer Ärger in Äthiopien

Derzeit plant Elges eine Reise nach Äthiopien. Bei ihrem letzten Aufenthalt im Dezember 2019 habe sie dort Ungeheuerliches erlebt: „Man sagte mir, ich sei gar keine Äthiopierin, weil ich nur meinen deutschen Pass und keine Geburtsurkunde dabei hatte“, sagt die Schneiderin.

Rassistische Anfeindung

Wie es im Streit mit der DSW21 und ihren Verdienstausfälle weitergeht, könne sie derzeit nicht sagen.

Besonders empörend findet Elges, dass sie jemand in ihrem eigenen Schneideratelier nach der ersten Berichterstattung im Dezember beschimpft habe.

„Eine Kundin fragte mich, was ich mir denn als Ausländerin einbilde, die deutschen Behörden zu kritisieren“, schildert Yasmin Elges, die die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt.

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