Angst vor Toilettengang an Dortmunder Grundschule: Helden sollen helfen

hzKunstprojekt

An einer Grundschule in Dortmund gestalten die Kinder selbst den Weg zu den Toiletten. Dabei sollen Superhelden helfen. Hintergrund der Kunstaktion mit den Urbanisten sind vereinzelte Ängste.

Dorstfeld

, 04.11.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Auf der Toilette mögen es die meisten Menschen ruhig. Die meisten sind dort am liebsten allein. So geht es auch den Schülerinnen und Schülern der Funke Grundschule in Dorstfeld.

Doch so richtig schön sind die Schüler-Toiletten nicht. Sie liegen nämlich erstens im Keller, was schon für manche i-Dötzchen einen Gruselfaktor mit sich bringt, und zweitens ist der Weg zu den Klos auch nicht schön anzusehen. Das soll sich nun ändern.

Funke Grundschule ging auf die Urbanisten zu

Die Funke Grundschule hat sich mit den Urbanisten zusammengetan, um den Flur, der zu den Toiletten führt, umzugestalten, damit sich alle Kinder möglichst wohlfühlen.

Dieser Flur soll mithilfe der Urbanisten neu gestaltet werden.

Dieser Flur soll mithilfe der Urbanisten neu gestaltet werden. © Funke Grundschule

Der gemeinnützige Verein der Urbanisten besteht mit seinem Netzwerk seit 2010 und sitzt an der Rheinischen Straße 137. Max Rüthers und David Kory helfen den Kindern dabei, den Weg zu den Toiletten, also Flur und Kellerwände, umzugestalten. Die Kinder sollen dabei selbst kreativ werden.

Der Name des Projekts lautet: „Superfunken – Wecke den Held, der in dir steckt“. Die Kinder sollen in der ersten Projektphase mit Max Rüthers ihre Helden identifizieren, in der zweiten Phase werden sie sie mit David Kory künstlerisch in die Toilettengestaltung einfließen lassen. Sie können sie an die Wände malen. Ergebnisse des ersten „Helden-Brainstormings“ sind schon auf der Instagram-Seite der Urbanisten zu sehen.

Die Kinder werden nicht für das Projekt vom Unterricht freigestellt, sondern arbeiten im Offenen Ganztag mit den Urbanisten zusammen. Wegen der Corona-Pandemie verzögerte sich der Projektstart um dreieinhalb Wochen.

Los ging‘s mit dem „Helden-Brainstorming“ am 26. Oktober. Bis April 2021 ist das Projekt angesetzt.

So sieht jetzt der Flur aus, der zu den Toiletten führt.

So sieht jetzt der Flur aus, der zu den Toiletten führt. © Funke Grundschule

Warum aber hat sich die Schule für Helden entschieden? „Wir haben dieses Thema gewählt, da es uns als ‚Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage‘ besonders am Herzen liegt, Kinder zu stärken, ihnen demokratische Werte zu vermitteln“, steht in der Projektbeschreibung.

Der Hintergrund zum Projekt ist eher traurig

Der Hintergrund für das Projekt ist eher traurig: Die Kinder sollen sich mit ihren Helden identifizieren und so den „angstbesetzen“ Toilettenraum sicher betreten.

Carla da Silva ist Sozialpädagogin an der Grundschule und begleitet das Projekt mit der Lehrerin Kristin Externbrink. Sie erklärt, dass es Kinder gibt, die „in Begleitung“ zur Toilette gehen möchten. Das kann ein Mitschüler oder eine Mitschülerin, aber auch eine Lehrkraft sein.

„In wenigen Einzelfällen“ soll es sogar Grundschüler geben, die die Toilette ganz meiden. Sie essen oder trinken deswegen den ganzen Tag nichts. Manche Kinder „entwickeln Anzeichen einer Essstörung“, sagt Carla da Silva. Durch die Kunstaktion sollen „diese Räumlichkeiten positiv konnotiert“ werden.

Hilfestellen

Wo Eltern von essgestörten Kindern Hilfe bekommen

Obwohl es sich laut der Pädagogin Carla da Silva nur um wenige Kinder handelt, die Anzeichen einer Essstörung aufweisen, ist jedes Kind zu viel. Wenn Eltern bemerken, dass das eigene Kind das Essen in der Schule verweigert oder andere Probleme in Bezug zum Thema Essen zeigt, finden sie hier Hilfe. Das Gesundheitsamt Dortmund hat einen Folder zusammengetragen, auf dem Hilfsstellen aufgezeigt werden: www.dortmund.de/media/p/gesundheitsamt/pdf_gesundheitsamt/wegweiser_essstoerungen.pdf

Mit den Urbanisten lernen die Kinder ihre Helden kennen. Das können auch Alltagshelden sein, wie der Papa oder die Polizistin. Das Erlernte sollen die Kinder im Alter von 6 bis 10 Jahren in Comics übersetzen.

„Anschließend entwickeln sie mit den Künstlern eigene Entwürfe, die die Räumlichkeiten und Flure im Kellergeschoss (Zugänge zu den Sanitäranlagen) zieren sollen“, steht im Projektplan.

Schüler sollen selbst zu Helden werden

Im besten Fall sollen die Kinder lernen, dass sie selbst Helden des Alltags werden können. „Diese Kompetenz soll auch auf andere Situationen und Lebensbereiche übertragen werden“, lautet das Projekt-Ziel.

Im Frühjahr sollen die Dritt- und Viertklässler die Ideen mit Acryllack, Pinseln und Markern umsetzen. Auch ein Comic soll als Heft entstehen. Finanziert wird das Projekt von dem Fonds „Kultur und Schule“ des Landes NRW.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt