Tamestit lässt die Bratsche knurren

16.07.2009, 12:56 Uhr / Lesedauer: 1 min

Dortmund Bratschisten haben es schwer. Sie haben im Vergleich zu Geigern und Cellisten wenig Repertoire, werden als Ostfriesen der Orchestermusiker belächelt, gelten nicht gerade als die Virtuosen unter den Streichern.

Antoine Tamestit (Foto) räumt mit diesen Vorurteilen auf. Der 30-jährige Franzose ist der wohl zurzeit beste Bratschist und ab der nächsten Saison nicht nur Residenzkünstlers des Berliner Konzerthauses, sondern auch einer der acht neuen "Jungen Wilden" des Dortmunder Konzerthauses. Einstimmen können sich die Musikfreunde darauf mit seiner neuen CD, die er mit Pianist Markus Hadulla und dem Warschau Philharmonic Orchestra unter Dimitrij Kitajenko bei naive-Rekords eingespielt hat. - Eine wunderbare Platte.

Eine spannende Koppelung von Alfred Schnittkes erstem Bratschenkonzert von 1985 und der zehn Jahre älteren Bratschensonate von Schostakowitsch, seinem letzten Werk, hat der Viola-Virtuose vorgelegt. Ein sonores Instrument und einen volltönenden Klang lässt Tamestit aus der Schostakowitsch-Sonate strömen. Ein Spiccato-Tänzchen wagt er im zweiten Satz, an eine apotheotische Verklärung führt er das ruhig fließende, elegische Finale heran. Und alles kleidet der ehemalige Schüler von Tabea Zimmermann, Ehefrau des Bochumer Generalmusikdirektors Steven Sloane, in wunderbare französisch-elegante Ästhetik. - Eine mustergültige Einspielung der Sonate.

Sperriger ist das Schnittke-Werk, dem Tamestit dichte glühende Emphase, oft mit explodierenden Klängen gibt. Dunkel knurrt die Bratsche in erdigen Tönen im ersten Satz, einfühlsam moduliert der Franzose Klänge im zweiten Satz. Seine eigenen Werke und Beethovens Mondscheinsonate zitiert Schnittke. Antoine Tamestit macht all das spannend hörbar. Auf seinen ersten Auftritt als "Junger Wilder des Konzerthauses am 17. September um 19 Uhr im Duo mit Tabea Zimmermann darf man sich freuen. Julia Gaß

Antoine Tamestit: Schnittke und Schostakowitsch, Ambroisie (naive), ASIN: B0019ZF2QM, 65 min. ww.konzerthaus-dortmund.de

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