Teurer Ersatz: Provisorische Ampel in Dortmund kostet 1600 Euro im Monat

hzMarode Ampeln

Im September 2016 zerstört ein Blitz eine Ampel in Eving. Eine teure Miet-Ampel regelt seither den Verkehr - jetzt schon 40 Monate. Das ist kein Einzelfall. Dortmund hat ein Ampel-Problem.

Dortmund

, 16.01.2020, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Ampel an der Kreuzung Derner Straße/ Bayrische Straße in Eving wirft Fragen auf: Wie ist es möglich, dass der Aufbau einer neuen Ampel jetzt schon mehr als drei Jahre auf sich warten lässt, nachdem ein Blitz die Ampel im Herbst 2016 außer Gefecht gesetzt hatte? Monat für Monat fallen für die provisorische Ampel 1.600 Euro Miete an, bis jetzt mehr als 65.000 Euro.

Zuständig für die Ampel ist der Landesbetrieb Straßen.NRW. Der ist verantwortlich, da es sich bei der Derner Straße um eine Landesstraße handelt.

Erfolg erst beim dritten Mal

Zweimal, so erklärt Frank Hoffmann für Straßen.NRW, habe man den Bau einer neuen Ampel für die Kreuzung ausgeschrieben, im Oktober 2017 und im Mai 2018. In beiden Fällen seien die Ergebnisse „im Vergleich zu bisherigen Erfahrungswerten nicht wirtschaftlich“ gewesen, also zu teuer. Es habe jeweils nur ein Angebot gegeben, sagt Hoffmann.

2019 habe man schließlich die Arbeiten als Teil einer „Sammelausschreibung“ erneut ausgeschrieben, diesmal mit Erfolg. Dabei habe es zwar auch nur zwei Angebote gegeben, „aber immerhin hatten wir so eine Alternative“.

„Im Nachhinein schlauer“

Hoffmann räumt ein, dass es aus heutiger Sicht günstiger gewesen wäre, den teuren Anbieter nach der ersten Ausschreibung zu beauftragen, weil man so hohe Mietkosten für das Provisorium hätte sparen können. Genaue Zahlen will er nicht nennen, sagt aber: „Wenn man alle Faktoren berücksichtigt, handelt es sich um Mehrkosten im niedrigen fünfstelligen Bereich. Im Nachhinein ist man halt immer schlauer.“

Man gehe umsichtig mit Steuergeldern um: „Wir wussten aus Erfahrung, dass die ersten beiden Ausschreibungen sehr teure Ergebnisse erbracht haben. Hätten wir uns darauf eingelassen, hätte man uns das auch vorwerfen können“, sagt Hoffmann.

Sieben weitere Kreuzungen

Bis Ende April 2020 soll die neue Ampel in Betrieb gehen, mehr als dreieinhalb Jahre nach dem Blitzeinschlag. Kosten: rund 145.000 Euro. Im Übrigen dauere es auch bei einer sofort erfolgreichen Ausschreibung aufgrund rechtlicher Vorgaben sechs bis acht Monate bis zur Auftragsvergabe. Bei Sammelausschreibungen dauere es noch länger, sagt Hoffmann.

Die Kreuzung in Eving ist nicht die einzige, an der eine provisorische Miet-Ampel den Verkehr regelt, weil die alte ausgefallen ist. Es gibt sieben weitere Kreuzungen, an denen das zum Teil seit fast zwei Jahren der Fall ist: Westermannstraße /Westrichter Straße, Münsterstraße/ Lortzingstraße, Provinzialstraße/ A40, Flughafenstraße/ Drosselweg, Arminiusstraße/ Höfkerstraße, Zeche-Norm-Straße/ Elf Kreuzen und Huckarder Straße/ Mallinckrodtstraße.

653 Ampel-Anlagen in Dortmund

Im Schnitt stehe eine provisorische Ampel acht bis neun Monate, teilt die Stadt mit. Das liege am aufwendigen Ausschreibungs- und Vergabe-Verfahren, an haushaltsrechtlichen Vorschriften sowie zuweilen an Kapazitätsengpässen der Firmen, sagt Christian Schön aus der Pressestelle der Stadt. Die lange Wartezeit kostet. Aktuell zahlt die Stadt für die derzeit aufgestellten provisorischen Ampeln rund 10.800 Euro Miete im Monat.

Und die Chance, dass künftig weniger provisorische Ampeln nötig sind, ist gering. 653 Anlagen gibt es in der Stadt, 111 sind in einem kritischen Alter. Für sie gilt: „Die Steuergeräte sind vom Markt genommen worden, eine Ersatzteilbeschaffung ist daher nicht gesichert“, sagt Schön. Das heißt: Wenn eine dieser Ampeln ausfällt, kann sie nicht mehr repariert werden. Und dann wird es richtig teuer, wenn bis zu einem Neubau provisorische Ampeln aufgestellt werden müssen.

Die Stadt, so erläutert Schön, erneuere zwar alte, ausgefallene und störungsanfällige Ampeln mit Priorität, im Schnitt allerdings lediglich 20 bis 30 im Jahr. Eigene Ersatzampeln besitze die Stadt nicht. Das sei nicht wirtschaftlich und effektiv, sagt Schön.

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