The Hirsch Effekt: Sitzplätze statt Moshpit und viel, viel Regen

hzKonzert im Junkyard

Maskenpflicht, Abstand, feste Plätze – The Hirsch Effekt haben am Samstag (26.9.) gezeigt, dass das auch bei Konzerten mit härterer Musik funktioniert. Und das Regen dabei auch nicht stört.

Dortmund

, 27.09.2020, 10:50 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es war schon irgendwie ein schräges Bild am Samstag (26.9.) im Junkyard: Ein Bassist und ein Gitarrist brüllen und spielen sich auf ihren Instrumenten die Seele aus dem Leib, der Drummer feuert mit Blastbeats nur so um sich und das Publikum... nun, das sitzt brav vor der Bühne auf Bierbänken und schaut zu.

Und bunte Regen-Ponchos trugen die Zuschauer auch noch. Dazu aber später mehr.

Open Air statt Club-Atmosphäre

Livemusik ist eben nicht mehr das, was sie mal war. Vorbei sind die Zeiten von engen Konzerten in stickigen, kleinen Clubs, in denen der Schweiß von der Decke tropft – zumindest vorerst.

Der Grund dafür ist das Coronavirus. Die Erinnerung an vergange Konzerte wirkt unwirklich, wenn man einen Blick auf die wieder ansteigenden Infektionszahlen wirft.

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Umso besser, dass die Konzert-Veranstalter kreative Lösungen gefunden haben. Das Junkyard in der Dortmunder Nordstadt wurde zur Open-Air-Location. Auf fest zugewiesenen Plätzen nehmen bis zu 250 Menschen auf Bierbänken Platz.

Zwar wirkt das auf den ersten Blick eher wie eine Low-Budget-Version vom ZDF-Fernsehgarten, aber als The Hirsch Effekt am Samstag um kurz nach 20 Uhr anfangen ihr Set zu spielen, ist jeder Zweifel schnell verschwunden.

Vereinzelte Headbanger auf den Sitzplätzen

Denn die drei Hannoveraner Nils Wittrock (Gitarre), Ilja Lappin (Bass) und Moritz Schmidt (Schlagzeug) geben als einzige Musiker an dem Abend im Junkyard direkt Vollgas.

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The Hirsch Effekt: Sitzplätze statt Moshpit und viel, viel Regen

Die Hannoveraner Band The Hirsch Effekt hat am Samstagabend (26.9.) unter Corona-Bedingungen im Junkyard in der Dortmunder Nordstadt gespielt. Ihr Publikum musste dabei sitzen, während der Regen nur so vom Himmel prasselte. Das hat der Stimmung aber keinen Abbruch getan.
27.09.2020
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Die Hannoveraner Band The Hirsch Effekt hat am Samstagabend (26.9.) unter Corona-Bedingungen im Junkyard in der Dortmunder Nordstadt gespielt.© Robin Albers
Die Hannoveraner Band The Hirsch Effekt hat am Samstagabend (26.9.) unter Corona-Bedingungen im Junkyard in der Dortmunder Nordstadt gespielt.© Robin Albers
Die Hannoveraner Band The Hirsch Effekt hat am Samstagabend (26.9.) unter Corona-Bedingungen im Junkyard in der Dortmunder Nordstadt gespielt.© Robin Albers
Die Hannoveraner Band The Hirsch Effekt hat am Samstagabend (26.9.) unter Corona-Bedingungen im Junkyard in der Dortmunder Nordstadt gespielt.© Robin Albers
Die Hannoveraner Band The Hirsch Effekt hat am Samstagabend (26.9.) unter Corona-Bedingungen im Junkyard in der Dortmunder Nordstadt gespielt.© Robin Albers
Die Hannoveraner Band The Hirsch Effekt hat am Samstagabend (26.9.) unter Corona-Bedingungen im Junkyard in der Dortmunder Nordstadt gespielt.© Robin Albers
Die Hannoveraner Band The Hirsch Effekt hat am Samstagabend (26.9.) unter Corona-Bedingungen im Junkyard in der Dortmunder Nordstadt gespielt.© Robin Albers
Die Hannoveraner Band The Hirsch Effekt hat am Samstagabend (26.9.) unter Corona-Bedingungen im Junkyard in der Dortmunder Nordstadt gespielt.© Robin Albers
Die Hannoveraner Band The Hirsch Effekt hat am Samstagabend (26.9.) unter Corona-Bedingungen im Junkyard in der Dortmunder Nordstadt gespielt.© Robin Albers
Die Hannoveraner Band The Hirsch Effekt hat am Samstagabend (26.9.) unter Corona-Bedingungen im Junkyard in der Dortmunder Nordstadt gespielt.© Robin Albers
Die Hannoveraner Band The Hirsch Effekt hat am Samstagabend (26.9.) unter Corona-Bedingungen im Junkyard in der Dortmunder Nordstadt gespielt.© Robin Albers
Die Hannoveraner Band The Hirsch Effekt hat am Samstagabend (26.9.) unter Corona-Bedingungen im Junkyard in der Dortmunder Nordstadt gespielt.© Robin Albers
Die Hannoveraner Band The Hirsch Effekt hat am Samstagabend (26.9.) unter Corona-Bedingungen im Junkyard in der Dortmunder Nordstadt gespielt.© Robin Albers
Die Hannoveraner Band The Hirsch Effekt hat am Samstagabend (26.9.) unter Corona-Bedingungen im Junkyard in der Dortmunder Nordstadt gespielt.© Robin Albers
Die Hannoveraner Band The Hirsch Effekt hat am Samstagabend (26.9.) unter Corona-Bedingungen im Junkyard in der Dortmunder Nordstadt gespielt.© Robin Albers
Die Hannoveraner Band The Hirsch Effekt hat am Samstagabend (26.9.) unter Corona-Bedingungen im Junkyard in der Dortmunder Nordstadt gespielt.© Robin Albers
Die Hannoveraner Band The Hirsch Effekt hat am Samstagabend (26.9.) unter Corona-Bedingungen im Junkyard in der Dortmunder Nordstadt gespielt.© Robin Albers
Die Hannoveraner Band The Hirsch Effekt hat am Samstagabend (26.9.) unter Corona-Bedingungen im Junkyard in der Dortmunder Nordstadt gespielt.© Robin Albers
Die Hannoveraner Band The Hirsch Effekt hat am Samstagabend (26.9.) unter Corona-Bedingungen im Junkyard in der Dortmunder Nordstadt gespielt.© Robin Albers
Die Hannoveraner Band The Hirsch Effekt hat am Samstagabend (26.9.) unter Corona-Bedingungen im Junkyard in der Dortmunder Nordstadt gespielt.© Robin Albers

Und eigentlich müssen auch trotz Corona-Schutzmaßnahmen keine Abstriche gemacht werden, was die Atmosphäre betrifft. Denn The Hirsch Effekt fabrizieren auf der Bühne auch eigentlich keine Musik, die zu Moshpits einlädt: Die Band spielt ein wildes Genre Potpourri aus Metal, Math-Rock, Indie, Jazz, Punk und mehr. Wer Bands wie The Dillinger Escape Plan kennt, muss sich das Ganze einfach nur noch extremer vorstellen, dann hat man The Hirsch Effekt.

Die Band kann aber nicht nur laut und aggressiv, sondern auch leise und melancholisch. Beide Extreme wechseln sich unerwartet hektisch ab. Die Lichtshow ist dazu passend grell und stroboskopisch. Die drei Musiker überzeugen dazu auch mit ihren Fähigkeiten auf ihren Instrumenten oder am Mikrofon – Geschrei, Gebrüll und Gesang wechseln sich genauso oft und spontan ab.

Dem Publikum gefällt es sichtlich: Unter den rund 100 sitzenden Zuschauern sieht man nur strahlende Gesichter Richtung Bühne blicken, vereinzelt lässt sich sogar neben dem obligatorischen Kopfnicken auch mal ein Headbanger erspähen. Jede Pause der Band wird mit Jubel belohnt.

Ein See aus Regenponchos

Anderthalb Stunden lang hauen The Hirsch Effekt den Zuschauern Songs aus ihrer umfassenden Diskographie um die Ohren. Fünf Alben hat die Band, die es seit 2008 gibt, schon in ihrer Karriere veröffentlicht. Ihr neuestes Werk „Kollaps“ erschien am 8. Mai 2020 und nimmt den Bärenanteil der Setlist am Samstag ein.

Das Konzert musste übrigens um eine Woche verschoben werden: Bassist Ilja war an Fieber erkrankt. Die Band bedankt sich deshalb mehrmals bei den Leuten, dass sie trotz der Umstände gekommen und auch geblieben sind.

Neben der Absage spielte auch das Wetter einen Streich: Kurz nach dem The Hirsch Effekt angefangen haben, wechselte der Nieselregen am Samstagabend in Regen mit dicken Tropfen. Deshalb bestand das Publikum auch aus einem See voller bunter Regenponchos, die vom Junkyard verteilt wurden.

Nach einer Zugabe, deren vorhergehende Pause von der Band wetterbedingt kurzgehalten wurde, ist Schluss und alle Menschen im Junkyard sind durchnässt, aber glücklich. Regen nehmen die Leute offenbar gerne in Kauf, um wieder Livemusik erleben zu können. Hoffentlich ist niemand krank geworden.

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