Theater: Bianka Lammert bringt ein Leben im Zeitraffer auf die Bühne

hzPremiere im KJT

Depression und Selbstmord - schwierige Themen werden im Stück „All das Schöne“ im Kinder- und Jugendtheater verhandelt. Doch die tolle Bianka Lammert lässt keine Traurigkeit aufkommen.

von Britta Helmbold

01.10.2020, 22:52 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wegen der Corona-Pandemie zieht sich der Einlass in die Länge. Denn im Kinder- und Jugendtheater (KJT) werden die Zuschauer einzeln bzw. in kleinen Mini-Gruppen zu ihren Plätzen geführt. Doch am frühen Donnerstagabend gab es für jeden Besucher einen Theater-Dortmund-Stoffbeutel, sodass man sich mit dem Inhalt - Stift, Block, beschrifteter Zettel, ein Buch, Schokoriegel und Saft-Päckchen - bis zum Beginn der Vorstellung beschäftigen konnte.

Mit zehn Minuten Verspätung begann die Premiere des Stückes „All das Schöne“ von Duncan Macmillan mit Jonny Dondahoe. Schwere Kost. Denn es geht um Depression und Selbstmord.

„All das Schöne“ zeigt Stationen eines Lebens

Peter Kirschke hat den Monolog mit der tollen Bianka Lammert für ein Publikum ab 14 Jahren inszeniert. Und die wandlungsfähige Schauspielerin brachte ein Leben im Zeitraffer auf die Bühne - vom siebenjährigem Mädchen bis zur erwachsenen Frau mit gescheiterter Ehe.

Auf der von einem Sammelsurium von Stühlen eingekreisten Spielfläche, auch an den Bühnenseiten sitzen Zuschauer, von Ausstatterin Jennifer Langer steht Bianka Lammert im weinroten Overall und erzählt vom ersten Selbstmordversuch ihrer Mama und ihrer Liste, mit der sie danach begann. Um ihre Mutter aufzuheitern, schrieb das Kind schöne Dinge auf und nannte ihre Liste „All das Schöne“.

Bianka Lammert versteht es, das Publikum zum Mitspielen zu animieren

Und hier muss auch das Publikum erstmalig aktiv werden. Denn die Mimin nennt nur die Zahl, und wer den entsprechenden Zettel in der Tasche hat, muss ihn vorlesen. An erster Stelle steht Eis essen, aber auch die Farbe Gelb oder länger Aufbleiben zu dürfen, um TV zu sehen, stehen auf der Liste. Doch ihre Mutter korrigierte nur die Rechtschreibfehler.

Bianka Lammert versteht es, die Zuschauer zum Mitspielen zu animieren, gibt eine versierte Spielleiterin ab. Denn mit dem Vorlesen ist es nicht getan. Der von ihr ausgewählte Vater muss bei ihrer Hochzeit eine Rede halten, und ihr geliebter Tobi hat gleich mehrere Einsätze, die er allerdings vernuschelt. Auch die „Uni-Dozentin“ ist beim Ablesen eines Textes nur schwer zu verstehen.

Traurigkeit lässt die quirlige Bianka Lammert in den 75 Minuten nicht aufkommen, mit ihrem dynamisch-heiterem Spiel nimmt sie dem tragischen Thema die Schwere. Die Liste von den schönen Dingen verhilft ihr nicht nur zum ersten Date mit Tobi, sondern auch ihr Trauma in den Griff zu bekommen.

Weitere Termine

Die nächsten Vorstellungen sind am 9., 10. und 24 . Oktober jeweils um 20 Uhr im KJT an der Sckellstraße. Karten gibt es an der Vorverkaufskasse im Kundencenter am Platz der Alten Synagoge, unter Tel. 5027222 und auf der Internetseite des Theater Dortmund: www.theaterdo.de

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