Thier-Galerie kann fast komplett wieder öffnen - Wirrer Tag für den Handel

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Mit den Lockerungen der Corona-Regeln können die Dortmunder bald in vielen Geschäften wieder einkaufen. An den Regelungen gibt es jedoch auch massive Kritik.

Dortmund

, 16.04.2020, 18:49 Uhr / Lesedauer: 2 min

Man kann wohl sagen: Der Donnerstag war ein ziemlich wirrer Tag. Nicht nur Bürger und Journalisten, auch Center-Manager Markus Haas hatte am Morgen mehr Fragen als Antworten. Werden nach den von Bundeskanzlerin Angela Merkel und NRW-Ministerpräsident Armin Laschet am Vorabend verkündeten Lockerungen für den Einzelhandel auch in der Thier-Galerie ab Montag (20. April) die Geschäfte mit weniger als 800 Quadratmetern Verkaufsfläche wieder öffnen?

Die Frage beschäftigte parallel in Düsseldorf auch das Landeskabinett. „Wir können nur abwarten, ob man ein Einkaufscenter als Gesamtheit sieht oder die einzelnen Shops betrachtet“, sagte Markus Haas derweil. Feststellen konnte er zu dem Zeitpunkt schon, dass die Geschäfte von Primark, TK Maxx, New Yorker und Intersport jeweils größer als 800 Quadratmeter sind.

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Aber müssen sie deswegen geschlossen bleiben? Oder können sie ihre Verkaufsfläche auf unter 800 Quadratmeter verkleinern? Mit dieser Frage sah sich Thomas Schäfer, Geschäftsführer des Handelsverbandes in Dortmund, unmittelbar konfrontiert. „Für viele Einzelhändler wäre das problemlos möglich“, sagte er.

Handelsverband: „Größenbegrenzung nicht nachvollziehbar“

Empfohlen hat er es jedoch niemandem – und das war gut so. Am Nachmittag nämlich stellte die Landesregierung klar, dass jede künstliche Verkleinerung der Verkaufsfläche unzulässig ist. Und Markus Haas vernahm - etwas überrascht und erfreut -, dass alle unter 800 Quadratmeter großen Geschäfte in der Thier-Galerie öffnen dürfen.

„Uns obliegt natürlich die Verantwortung für Hygiene, Mindestabstand und Schutzvorkehrungen auf den Verkehrsflächen außerhalb der Geschäfte, aber das schaffen wir. Für die Vorbereitung haben wir ja noch bis Montag Zeit“, sagte Haas.

Der Westenhellweg in der Corona-Krise

Unter den wachsamen Augen von Polizei und Ordnungsamt dürfte sich der Westenhellweg ab der kommenden Woche weiter füllen. © Stephan Schuetze

Völlig überraschend kam für Thomas Schäfer vom Handelsverband die Aussage, dass auch Möbelhäuser, die ja viel mehr als 800 Quadratmeter Verkaufsfläche haben, plötzlich ebenfalls öffnen dürfen.

„Das ist schon verwunderlich. Zumal auch explizit Baby-Fachmärkte öffnen dürfen. Man fragt sich: Warum die, warum nicht alle Fachmärkte auf der grünen Wiese?“, sagte er - und übte grundsätzlich Kritik an den beschlossenen Lockerungen von Bund und Land:

„Die Größenbegrenzung ist überhaupt nicht nachvollziehbar. Gerade in großen Geschäften und Warenhäusern mit mehreren Eingängen können die Infektionsschutz-Maßnahmen mit der Vorgabe ein Kunde pro 10 Quadratmeter doch eher umgesetzt werden als in kleinen Geschäften. Die 800 Quadratmeter sind eine willkürliche Grenze.“ Für etliche Textil- oder Schuhhäuser und Elektromärkte sei diese Lockerungs-Regelung ein Nachteil.

Lockerung ist „erster Schritt zur Normalität“

Als „ersten Schritt zurück in Richtung Normalität“ begrüßte Dirk W. Erlhöfer, Hauptgeschäftsführer der Arbeitgeberverbände Ruhr/Westfalen, die Entscheidungen von Bund und Ländern. Er sei wichtig vor allem für die zahlreichen kleineren Händler in den Innenstädten, die auch vor der Corona-Krise schon mit dem zunehmenden Online-Handel zu kämpfen gehabt hätten.

Erlhöfer hofft nun, dass möglichst bald Gastronomie und Kaufhäuser über 800 Quadratmeter nachziehen können. „Das bedeutet aber, dass die Kurve der Corona-Neuinfektionen nur langsam steigen darf und wir weiterhin alle in der Verantwortung sind, uns entsprechend zu verhalten.“

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Von einer „verantwortungsbewussten Entscheidung mit Augenmaß“ sprach Berthold Schröder, Präsident der Handwerkskammer (HWK) Dortmund. „Es ist notwendig, das Wirtschaftsleben schrittweise wieder hochzufahren. Die jetzt beschlossenen Lockerungen sind hierbei ein erster Baustein. Wichtig ist das Signal, dass es in absehbarer Zeit für viele Betriebe weitergehen kann. Das macht Mut.“

Dazu müsse von Seiten der Politik sichergestellt werden, dass die erforderliche Schutzausrüstung auch zur Verfügung stehe.

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