Tierversuche: In vier Dortmunder Laboren wird mit Tausenden Tieren experimentiert

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Ein Skandal-Labor in Hamburg wird nach Horror-Aufnahmen der „Soko Tierschutz“ und Demonstrationen von Bürgern geschlossen. Auch in Dortmunder Laboren wird an Tieren geforscht.

Dortmund

, 05.12.2019, 06:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wenn es nach Tierschützern ginge, würden Tierversuche lieber heute als morgen abgeschafft. Auch Wissenschaftler machen nicht gern Tierversuche, doch für manche Studien zur Verträglichkeit von neuen Medikamenten und Chemikalien für den Menschen sind sie noch unerlässlich.

Auch in Dortmund wird mithilfe von Tierversuchen geforscht. Die Zahlen kennt das Veterinäramt, das für die Kontrolle der Tierhaltung zuständig ist - will sie aber auf Anfrage nicht nennen. Immerhin: Laut Stadtsprecher Maximilian Löchter werden „in Dortmund in drei wissenschaftlichen Instituten und einem Biotech-Unternehmen als Versuchstiere Mäuse, Ratten und Krallenfrösche gehalten.“ Die Versuchstierhaltungen würden einmal im Jahr überprüft.

Versuche an Mäusen und Ratten

Um welche Einrichtungen es sich handelt, will die Stadt mit Hinweis auf den Datenschutz nicht preisgeben. Doch eines der Institute, das Leibniz-Institut für Arbeitsforschung (IfADo) an der TU Dortmund, geht transparent mit dem Thema um.

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Dort werden nach eigenen, im Internet veröffentlichten Angaben Tierversuche ausschließlich mit Mäusen und Ratten durchgeführt. Das IfADo hat Kapazitäten, um maximal rund 750 Mäuse und 50 Ratten gleichzeitig zu halten. Im Jahr 2018 wurden dort insgesamt 3114 Mäuse und 89 Ratten in Tierversuchen eingesetzt.

Die Tierversuche würden nur nach Prüfung und Genehmigung der zuständigen Behörden durchgeführt, heißt es in einer ausführlichen Erklärung: „Wir legen viel Wert darauf, die Tiere unter möglichst guten Bedingungen zu halten.“

Spielzeug in den Käfigen

So würden den Tieren auch „Spielzeuge“ wie Röhren und Zellstoff zum Nestbau in die Käfige gelegt. „Gefüttert werden die Tiere mit Pellets, deren Nährstoff- und Energiekonzentrationen speziell für diese Nagetiere entwickelt worden sind. Die Tiere bekommen so viel zu essen und zu trinken wie sie möchten.“ Zudem würden die benötigten Versuchstiere eigens zu Versuchszwecken gezüchtet und nicht der freien Wildbahn entnommen, führt das Institut an.

Gleichzeitig besteht ein wesentliches Anliegen des IfADo darin, Alternativen zu Tierversuchen zu entwickeln, wie zum Beispiel die Kultursysteme der Leber, die inzwischen weltweit eingesetzt werden und in toxikologischen Routineversuchen Experimente an Ratten und Mäusen, aber auch Hunden, Schweinen und Affen ersetzen.

Der Tierschutzforschungspreis des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft ging in diesem Jahr an die IfADo-Forscherin Wiebke Albrecht. Sie hat eine bereits bestehende Methode entscheidend weiterentwickelt, mit der Forscher in Zukunft noch besser beurteilen können, wie gut die Reaktion der Leber auf Giftstoffe von Substanzen in der Petrischale vorhergesagt werden können.

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