Tilda (3) ist seit Geburt schwerbehindert - Gutachter wirft auch Ärztin Fehler vor

hzLandgericht Dortmund

Tilda ist fast vier Jahre alt und seit ihrer Geburt schwerbehindert. Seitdem kämpfen ihre Eltern vor dem Landgericht gegen das Knappschaftskrankenhaus. Es geht um Geld und Gerechtigkeit.

Dortmund

, 02.12.2019, 10:42 Uhr / Lesedauer: 2 min

Klar ist, dass Tilda – sie heißt im realen Leben anders – während der rund 18 Stunden dauernden Geburt viel zu lange mit Sauerstoff unterversorgt wurde. Klar ist auch, dass ihre beiden Beleghebammen dies hätten merken können, wenn sie denn im Kreißsaal regelmäßig die Herztöne und die Wehentätigkeit abgeleitet hätten. Genau das ist aber fast durchgehend unterblieben.

Die Versicherungen der beiden Hebammen haben deshalb schon die Schuld der Geburtshelferinnen anerkannt. Tildas Eltern hätten aber gerne auch noch das Knappschaftskrankenhaus mit im Boot. Denn auch die dort diensthabende Oberärztin hat nach Ansicht des Paares in den entscheidenden Momenten versagt.

Sachverständiger: „Überwachung war nicht fachgerecht“

Im Prozess vor dem Landgericht wurde jetzt Prof. Werner Neuhaus aus Köln als Sachverständiger gehört. Der Mediziner ist ein Fachmann auf dem Gebiet der Geburtsbegleitung. Er kennt die Standards und kann entsprechend einschätzen, ob in Tildas Fall gegen Regeln verstoßen wurde.

Neuhaus bemängelte dann auch sogleich, dass die Hebammen auf eine längere Aufzeichnung der Herztöne und der Wehentätigkeit (CTG) verzichtet hätten. „Die Überwachung war nicht fachgerecht“, sagte er.

Jetzt lesen

Als die Hebamme zu einer Erklärung ansetzte und sagte, die werdende Mutter habe während des Geburtsvorgangs ja immer wieder in die Wanne gewollt, wo kein CTG geschrieben werden könne, während sie aber immer gefragt habe, ob sie denn nicht mal wenigstens für ein paar Minuten auf das Bett wolle, platzte Tildas Mutter fast der Kragen. „Das ist eine Lüge“, fauchte sie - und handelte sich damit einen Rüffel der Vorsitzenden Richterin ein.

Handelte die Ärztin fehlerhaft?

Bei der Bewertung, ob auch die Oberärztin fehlerhaft gehandelt habe, wollte sich der Gutachter nicht so festlegen. Denn immerhin müsse man unterschieden zwischen einem klassischen Klinik-Setting mit einer beim Krankenhaus angestellten Hebamme und – wie hier – einer Geburt, die von einer Beleghebamme betreut werde.

Neuhaus sagte jedoch: „Es war nicht sonderlich schwer zu erkennen, dass die Überwachung durch die Hebamme nicht fachgerecht war. Entsprechend hätte die Ärztin eingreifen und ein CTG anordnen müssen.“ Er tue sich zwar schwer, von einem „groben Fehler“ zu sprechen, so Prof. Neuhaus. Ein Fehler sei das Verhalten der Oberärztin aber in seinen Augen sicher gewesen.

Urteil im Januar erwartet

Weil auch unmittelbar nach der Geburt viele Ungereimtheiten in der Dokumentation zu finden sind, rechnen sich Tildas Eltern große Chancen aus, auch von Krankenhaus Schadenersatz verlangen zu können. Das Gericht will sein Urteil am 16. Januar verkünden.

Lesen Sie jetzt

Zwei Jahre nach der folgenschweren Geburt eines Mädchens im Knappschaftskrankenhaus in Dortmund-Brackel beschäftigt der Fall seit Donnerstag das Dortmunder Landgericht. Klar ist, dass die Eltern des schwer Von Martin von Braunschweig

Lesen Sie jetzt