Riesenzoff um Wettbüro in Dortmund: Geplanter Standort direkt neben der Suchtberatung

hzWettbüros in Dortmund

Emotionen kochen hoch. Grund dafür ist eine Genehmigung der Stadt Dortmund, die als „Unverschämtheit“ und „Dummheit“ bezeichnet wird.

Aplerbeck

, 29.01.2020, 16:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

An der Wittbräucker Straße Nummer 1 ist eine psychologische Beratungsstelle der Stadt Dortmund untergebracht. Schon seit Jahrzehnten. Hier werden Jugendliche und ihre Eltern beraten. Es gibt beispielsweise Hilfe bei Missbrauchsfällen und anderen aktuellen Krisensituationen. Darunter fallen auch Drogen- oder Spielsüchte.

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Ein Haus weiter – es hat die postalische Anschrift Marktplatz 11 – gab es im vergangenen Jahr noch eine Filiale von Matratzen-Concord. Jetzt stehen die Geschäftsräume leer, aber ein Nachmieter steht schon in den Startlöchern.

Tipico-Sportwetten möchte an dieser Stelle eine weitere Filiale eröffnen. Keine 20 Meter von der Jugend-Beratungsstelle und keine 300 Meter vom Schulzentrum an der Schweizer Allee entfernt.

Schadensersatzanspruch gegen die Stadt

Ob das noch zu verhindern ist, ist fraglich, denn es gibt schon einen positiven Bauvorentscheid. Das gab Verwaltungsstellenleiter Michael Rohde in der BV-Sitzung am Dienstag (28.1.) auf Bitten des Bauordnungsamtes bekannt.

„Dieser [Bauvorentscheid] entfalte Bindungswirkung, eine Rücknahme des Bescheides würde Schadensersatz begründen. Es liegen keine materiell rechtlichen Hemmnisse vor“, so Rohde.

Riesenzoff um Wettbüro in Dortmund: Geplanter Standort direkt neben der Suchtberatung

Hier soll das Wettbüro einziehen. © Jörg Bauerfeld

Die Stadt Dortmund scheint die Sache mit der Wettannahmestelle neben einer Beratungsstelle inklusive notwendiger Nutzungsänderung durchzuziehen, weil es sonst teuer wird. Das will man in Aplerbeck aber nicht hinnehmen.

Die Nutzungsänderung müsse versagt werden, das Ordnungsamt werde gebeten, die Genehmigung zu verweigern und die Bezirksregierung in Arnsberg einzuschalten.

„Vergnügungsstätten inklusive Wettbüros müssen hier ausgeschlossen sein“, sagt Bezirksbürgermeister Jürgen Schädel. Es sei nicht nachvollziehbar, dass eine sensible Einrichtung wie die Jugendberatungsstelle genau neben einem Wettbüro zu finden ist, so Schädel.

Politiker schäumen vor Wut

Die Aplerbecker wollen gegen die Tipico-Filiale und auch gegen die Stadt Dortmund vorgehen. Wobei Stadtrat Ludger Wilde, dessen Unterschrift unter der „schlechten Botschaft“ steht, nicht das Ziel der Politiker-Wut ist, sondern „irgendein Mitarbeiter, der das genehmigt hat“. Noch größer wird die Wut, weil die Stadt Dortmund ein Wettbüro an dieser Stelle hätte verhindern können.

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„Im Ausführungsgesetz NRW Glücksspielstaatsvertrag (AG GlüStV NRW) wird ein Mindestabstand von 350 Metern Luftlinie von Wettvermittlungsstellen zu Mitbewerbern sowie zu öffentlichen Schulen und Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe definiert.“ So steht es in dem offiziellen Schreiben der Stadt Dortmund. Es sei aber eine Sollvorschrift und keine Ist-Vorschrift.

Disziplinarische Maßnahmen gefordert

Das Thema Schadensersatz betrachtet man in Aplerbeck so. „Ja, wenn die zu doof sind, so eine Genehmigung abzugeben, ohne mit der Politik zu sprechen, dann muss die Stadt halt zahlen“, sagt Jan Gravert, Fraktionsvorsitzender der SPD in der BV Aplerbeck. „Dann muss die Person, die das in den Sand gesetzt hat, ebenfalls dafür disziplinarisch belangt werden.“

Egal, welches Amt das gewesen sei. Wenn es um so ein sensibles Thema gehe, müsse doch die Politik vor Ort ins Boot geholt werden, findet Gravert.

Riesenzoff um Wettbüro in Dortmund: Geplanter Standort direkt neben der Suchtberatung

Jan Gravert findet, dass die Politik bei diesem sensiblen Thema mehr ins Boot hätte geholt werden müssen. © Jörg Bauerfeld (A)

„Wenn es eine Schadensersatzforderung gegen die Stadt Dortmund gibt, dann muss die Stadt Dortmund diese eben aus dem Gesamthaushalt bezahlen“, so Gravert. CDU und Grüne stießen in dasselbe Horn und die Bürger im voll besetzten Saal im Aplerbecker Amtshaus hätten fast laut applaudiert.

In Aplerbeck fordert man jetzt die Stellungnahmen der einzelnen Verwaltungsstellen, die an der Zustimmung für den Tipico-Standort beteiligt waren. Auch die vom Ordnungsamt und vom Jugendamt. Dann wird auch die Bezirksregierung in den Fall Tipico einbezogen.

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