Tränen bei Geburtstagsfeier in der Eishalle: Mädchen (8) im Rollstuhl darf nicht aufs Eis

hzInklusion in Dortmund

Die Geburtstagparty in der Eislaufhalle sollte cool werden. Doch Mia (8) erlebte eine herbe Enttäuschung: Mit ihrem Rollstuhl durfte sie nicht aufs Eis. Der Hallenbetreiber rechtfertigt sich.

Wischlingen

, 14.01.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Über diese Einladung hatte sich die achtjährige Mia riesig gefreut. Eine Schulfreundin wollte mit ihr und weiteren zehn Mädchen am Sonntag (12. 1.) Geburtstag in der Eishalle Wischlingen feiern. Stattdessen flossen viele Tränen.

Denn Mia ist auf den Rollstuhl angewiesen und durfte deshalb nicht mit dem Geburtstagskind und seinen Gästen aufs Eis. „Mia musste drei Stunden zuschauen, wie ihre Zwillingsschwester und Freundinnen Spaß auf dem Eis hatten. Sie hat immer wieder geweint“, berichtet ihr Vater Jan Grönke gegenüber dieser Redaktion.

„Mia wird immer ausgeschlossen, weil sie nicht laufen kann“

Eine Situation, die für den zweifachen Vater aus Wickede nur schwer auszuhalten war: „Mia wird immer wieder ausgeschlossen und benachteiligt, weil sie nicht laufen kann.“

Die Unnachgiebigkeit des Eismeisters kann der 44-Jährige nicht nachvollziehen. Er habe den Mitarbeiter darauf hingewiesen, dass Mia bereits Erfahrung auf dem Eis habe und man sogar extra saubere und sichere Reifen für den Rollstuhl mitgebracht habe.

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„Wir wollten doch nicht mit einem schweren Elektro-Rollstuhl aufs Eis. Aber schon am Eingang bekamen wir prompt eine strenge Ansage, dass sie mit dem Ding nicht aufs Eis geht“, ärgert sich Jan Grönke auch über die Ausdrucksweise des Eismeisters.

Tränen bei Geburtstagsfeier in der Eishalle: Mädchen (8) im Rollstuhl darf nicht aufs Eis

Mia war mit ihrem Rollstuhl schon oft auf dem Eis. © privat

Jan Grönke ist sich sicher: „Aus Erfahrung weiß ich, dass gerade Rollstühle mit diesen Sicherheitsmerkmalen weder eine Gefahr für das Eis noch für andere Mitmenschen darstellen.“ Warum man in Wischlingen darin ein Problem sieht, könne er nicht nachvollziehen.

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Im Eissportzentrum Westfalen an der Strobelallee sei man toleranter: „Mia ist ein Jahr lang mit ihrer Schulklasse einmal wöchentlich in der Eishalle an den Westfalenhallen gewesen. Manchmal fahren wir auch am Wochenende dorthin.“

„Bei über 900 Besuchern wäre die Unfallgefahr zu groß gewesen“

Carsten Grimpe, Bereichsleiter im Revierpark Wischlingen, bedauert den Vorfall, steht aber ganz hinter der Entscheidung des verantwortlichen Personals: „In dieser Laufzeit hatten wir über 900 Besucher, die Unfallgefahr wäre einfach zu groß gewesen. Viele Jugendliche sind hier sehr schnell unterwegs, da können die schnell auf jemanden knallen, der langsam unterwegs ist“, erklärt er.

Tränen bei Geburtstagsfeier in der Eishalle: Mädchen (8) im Rollstuhl darf nicht aufs Eis

Bereichsleiter Carsten Grimpe bedauert den Vorfall und lädt als Entschädigung Mia und ihre Freundinnen zur zweiten Geburtstagsfeier in die Eishalle ein – natürlich auf Kosten des Hauses. © (A) Stephan Schütze

Selbst die Pinguine, die der Revierpark als Lernlaufhilfen einsetzt, sind an solchen Tagen nicht erlaubt. Zu anderen Eislaufzeiten, wenn es deutlich ruhiger und leerer ist, dürften auch in der Eishalle Wischlingen durchaus Besucher im Rollstuhl auf die Eisfläche.

Jan Grönke lässt die Argumentation nicht gelten: „Rücksicht muss man doch generell auf alle auf der Eisfläche nehmen“, meint er. Er habe mit seiner Tochter in anderen Hallen bislang nur positive Erfahrungen gemacht. Jan Grönke fordert nach dem traurigen Erlebnis, dass nicht nur in diesem Bereich mehr für die Inklusion getan wird.

Tränen bei Geburtstagsfeier in der Eishalle: Mädchen (8) im Rollstuhl darf nicht aufs Eis

Wenn die Eishalle rappelvoll ist, wie hier bei der Saisoneröffnung, dürfen Rollstuhlfahrer aus Sicherheitsgründen nicht auf die Eisfläche in der Halle Wischlingen. © (A) Stephan Schütze

Entschädigung: Zweite Geburtstagsfeier auf Kosten des Hauses

„Mir tut der Vorfall sehr leid, deshalb lade ich alle Mädchen ein. Auf Kosten des Hauses können sie hier noch einmal den Geburtstag feiern“, so Carsten Grimpe. Dann dürfe natürlich auch Mia mit ihrem Rollstuhl aufs Eis.

Einen Hinweis zum Schluss kann sich Carsten Grimpe nicht verkneifen: „Es wäre sinnvoll gewesen, im Vorfeld der Geburtstagsfeier bei uns anzurufen. Dann wäre dem Mädchen die große Enttäuschung erspart geblieben.“ Dazu Jan Grönke: „Weil wir woanders bislang keine Probleme hatten, hielt ich das nicht für nötig.“

Die Einladung des Revierparks kommt bei ihm allerdings gut an. „Wir freuen uns darüber und werden sie natürlich annehmen.“

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